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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Straßen entlasten: Die neue U-Bahn in Xi’an ist Teil der Complete-and-Green-Mobility-Partnerschaft,
die die Stadt mit Siemens geschlossen hat. Dazu gehört auch ein Verkehrsleitsystem wie in Wuhan.

Olympiareif: Die U-Bahn in Nanjing ist dank Siemens-Steuerungstechnik fit für die Jugendspiele 2014.

China macht mobil

Unter Chinas Megastädten herrscht starker Wettbewerb: Nur wer ein lebenswertes Umfeld bietet, kann dauerhaft Talente und Zukunftsbranchen an sich binden. Effektive und umweltfreundliche Verkehrssysteme sind dabei entscheidend.

Image Straßen entlasten: Die neue U-Bahn in Xi’an ist Teil der Complete-and-Green-Mobility-Partnerschaft, die die Stadt mit Siemens geschlossen hat. Dazu gehört auch ein Verkehrsleitsystem wie in Wuhan.
Image Olympiareif: Die U-Bahn in Nanjing ist dank Siemens-Steuerungstechnik fit für die Jugendspiele 2014.
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Wer kennt es nicht, das Gefühl, dass die Ampeln immer gegen einen sind? Dass sie immer dann auf Rot stehen, wenn sie grün sein sollten. Dass sie den Verkehrsfluss unterbrechen, statt ihn ungehindert fließen zu lassen. Auch die Autofahrer im zentralchinesischen Wuhan kennen das Gefühl – und wissen doch, dass es trügt. Denn obwohl der Verkehr in der 9,7-Millionen-Metropole am Jangtse in Stoßzeiten an den Nerven zehrt, läuft er besser als noch vor wenigen Jahren: dank Ampeln, die in jedem Moment genau wissen, welche Schaltung die beste ist.

In Wuhan sind rund 500 Kreuzungen mit Anlagen von Siemens ausgestattet, die den Verkehr überwachen. Die Daten werden in Echtzeit an die Leitzentralen geschickt, wo ein zentrales Verkehrskontrollsystem die optimale Schaltung berechnet, um Behinderungen möglichst zu vermeiden. Im Mai 2007 hatte Wuhans Stadtregierung beschlossen, neue Wege zu gehen und ein Siemens-Konsortium mit der Installation des Urban Traffic Control System (UTC) beauftragt. Vorher hatten Chinas Verkehrsplaner vorwiegend auf Hardware gesetzt: breitere Straßen, mehr Busse, längere U-Bahnnetze.

Doch um ihr Potenzial zu entfalten, muss die Hardware auch intelligent eingesetzt werden. „Wir haben Siemens ausgewählt, weil das Unternehmen der weltweit führende Anbieter von intelligenten Verkehrslösungen ist, mit Anwendungen in aller Welt“, sagt Chen Hui von Wuhans Verkehrsbüro. Seit 2009 ist das System nun im Einsatz. „Die Verkehrssituation hat sich enorm verbessert“, erklärt Chen. Dabei sind die Ampelschaltungen nur der sichtbarste Teil des Systems. Im Rahmen einer langjährigen Partnerschaft implementiert Siemens mit seinen Partnern in Wuhan das Konzept der „Complete and Green Mobility“, das unterschiedliche Transportsysteme optimal aufeinander abstimmt, um Passagiere und Waren schnell, sicher, effizient und umweltfreundlich zu befördern. Siemens berät Wuhan bei der Entwicklung seiner Infrastruktur und hat unter anderem 2011 einen Auftrag für die Antriebssysteme von zwei U-Bahnlinien erhalten.

Mitfinanziert hat das Wuhan-Projekt die Weltbank, deren Experten in dem Ansatz ein Rezept für die Bewältigung einer der größten Herausforderungen chinesischer Städte sehen. Noch nie sind mehr Menschen in kürzerer Zeit in die urbanen Ballungsräume gedrängt. Über 160 Millionenstädte gibt es mittlerweile in China. War China traditionell ein landwirtschaftlich geprägtes Land, dessen Bewohner überwiegend in Dörfern lebten, so wohnt seit 2011 erstmals mehr als die Hälfte der Menschen in Städten. Bis 2015 dürfte die Zahl von heute 657 auf 700 Millionen Städter steigen, prognostizieren Demographen. 2030 wird voraussichtlich die Milliardengrenze erreicht sein.

Schneller mit Elektro-Bike. Vielen Metropolen droht der Verkehrskollaps. Schon heute verbringen Chinesen jeden Tag viele Stunden im Verkehr – eine gewaltige Verschwendung von Lebens- und Arbeitszeit. Wegen der Staus liegt das Durchschnittstempo auf den Straßen der Pekinger Innenstadt in den Stoßzeiten nur knapp über zehn Kilometer pro Stunde. Da Autos oft auf den Busspuren fahren, kommt auch der öffentliche Verkehr nicht schneller voran. Viele Chinesen entdecken deshalb, dass sie mit Fahrrädern oder Elektro-Bikes, von denen in China jährlich über 20 Millionen verkauft werden, schneller unterwegs sind. Über weitere Strecken sind dennoch nur wenige Chinesen zum Radfahren bereit. Denn mit dem Verkehr hat sich auch die Unfallgefahr erhöht, und der Smog ist ein Dauerthema.

Die Transportsysteme sollen nicht nur große Menschenmengen effektiv befördern, sondern auch kostengünstig sein. Eine besondere Herausforderung ist dabei allerdings die Finanzierbarkeit von Infrastrukturen, die maßgeblich darüber entscheiden, welche chinesischen Metropolen in Zukunft lebenswert sein werden – denn Lebensqualität ist auch in China eine Grundvoraussetzung für den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte und die Ansiedlung zukunftsträchtiger Unternehmen. Wuhans Weitsicht hat schnell Nachahmer gefunden. Mehrere andere chinesische Städte haben inzwischen ebenfalls Complete-and-Green-Mobility-Partner-schaften mit Siemens geschlossen, insbesondere Nanjing und Xi’an.

So unterschrieb die Stadtverwaltung der Acht-Millionen-Metropole Nanjing, die sich derzeit auf die Olympischen Jugendspiele 2014 vorbereitet, Ende 2009 mit Siemens eine Vereinbarung – unterschiedliche Transportsysteme sollen dabei aufeinander abgestimmt werden. Ein intelligentes Verkehrsmanagementsystem soll auch dort die Funktionalität erhöhen und gleichzeitig der Umwelt dienen. Siemens wird dabei nicht nur Technologie liefern, sondern die Stadt auch bei der Ausbildung von Verkehrsexperten unterstützen.

Um den dichten Verkehr zu entlasten, baut Nanjing das öffentliche Transportsystem stark aus. So sind nicht nur bisher alle U-Bahnlinien in Nanjing mit Signaltechnik von Siemens ausgestattet worden, sondern 2010 lieferte das Unternehmen für die U-Bahnlinie 2 auch das automatisierte Steuerungssystem Trainguard MT. Dabei tauschen die 35 Züge und die Leitzentrale in Echtzeit Informationen aus, so dass die Abstände zwischen den Zügen verkürzt und die Frequenz der Züge dem Passagieraufkommen flexibel angepasst werden kann. Die Betreiber bezeichnen das System als “sehr stabil und verlässlich”. Die 38 Kilometer lange Strecke befördert täglich rund 500.000 Menschen, was eine deutliche Entlastung für den Straßenverkehr bedeutet. Ähnliche Pläne hat die Stadtverwaltung in Xi’an, die im Juni 2010 eine Partnerschaft mit Siemens beschloss. Ein Jahr später publizierte Siemens die Studie „Xi’an Green Mobility Integrated Solutions” – diese Untersuchung soll der Stadt helfen, die Verkehrseffizienz zu erhöhen. Dabei unterstützt Siemens nicht nur die lokalen Planer mit Know-how in gemeinsamen Projekten, etwa dem Signalsystem für Xi’ans U-Bahn-Linie 1, sondern betreibt in der Stadt auch das Signaltechnik-Joint Venture Siemens Signalling Co., Ltd. Die dort gefertigten Produkte kommen in zahlreichen chinesischen Städten zum Einsatz.

Ladestationen für Elektroautos. Doch Complete and Green Mobility bedeutet nicht nur die Optimierung bestehender Transportsysteme, sondern auch die Entwicklung neuer. Insbesondere von Elektroautos verspricht sich die Volksrepublik große Fortschritte auf dem Weg zu einem umweltfreundlicheren und energieeffizienteren Straßenverkehr. Schließlich hat erst jeder 20. Chinese ein eigenes Auto, während es in Deutschland jeder zweite ist. Experten der Weltbank sind überzeugt, dass China das erste Land sein könnte, in dem in großem Maßstab Elektroautos zum Einsatz kommen. Bis 2015 sollen nach den Plänen der Regierung bis zu einer Million Hybrid- und Elektrofahrzeuge auf den Straßen des Landes unterwegs sein. Das ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch. Wesentlich dafür ist der Aufbau der Lade-Infrastruktur. Auch da gehört Siemens zu den Pionieren. Im Dezember 2011 erhielt das Unternehmen den Auftrag, 140 Ladestationen in Shanghai zu bauen. Damit lassen sich gleichermaßen elektrische Kleinfahrzeuge und Busse aufladen. „Das ist ein Meilenstein für die Geschäftsentwicklung von Siemens im chinesischen Markt für Elektroauto-Infrastruktur“, erklärt Dr. Xiao Song, zuständig für den Sektor Infrastructure & Cities in Nordostasien und ASEAN-Pazifik. „Unser umfassendes Portfolio für Stadtinfrastruktur leistet einen wertvollen Beitrag, um Chinas Städte nachhaltiger, wettbewerbsfähiger und lebenswerter zu machen.“

Bernhard Bartsch