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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
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  • Germany
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Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren.
Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.

Wettbewerb der Ideen: Bernhard Langs Deichsensoren überzeugten die Teilnehmer der Community im Web.

Wettbewerb der Ideen: Bernhard Langs Deichsensoren überzeugten die Teilnehmer der Community im Web.

Enterprise 2.0

Ohne Wikipedia, Amazon, Facebook und Co. ist der Alltag für viele nicht mehr vorstellbar. Das Web 2.0 verändert auch unsere Arbeitskultur. Siemens setzt schon heute auf vielfältige soziale Medien, um Problemlösungen und Innovationsprozesse schneller voranzutreiben.

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Image Guter Draht: Die Zusammenarbeit in internationalen Teams kann durch Soziale Netzwerke besser funktionieren. Sie helfen, räumliche Distanz und kulturelle Unterschiede zu überbrücken.
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Image Wettbewerb der Ideen: Bernhard Langs Deichsensoren überzeugten die Teilnehmer der Community im Web.
Bis 2013 werden sich die Investitionen von Konzernen in Web 2.0-Instrumente weltweit verzehnfachen.

Nachdenklich sitzt Alistair Gammie in seinem Büro im britischen Swindon. Ein millionen - schwerer Auftrag eines brasilianischen Kunden für Diagnostik-Labore ist für den Senior Director für Diagnostik-Lösungen bei Siemens in greifbare Nähe gerückt. Denn beim Besuch der Labore bemerkte er, dass der Kunde ein Problem mit dem Lesen der Barcodes hat. Nur hat er keine Lösung, um ihm zu helfen und das Geschäft zu besiegeln. Noch nicht. Bevor Alistair am Abend den Rechner herunterfährt, postet er sein Anliegen im firmeneigenen Forum.

Dann die Überraschung am Morgen des nächsten Arbeitstags. In seinem E-Mail-Postfach findet er Hinweise von 23 Kollegen aus Deutschland, Indien und den USA. Das Resultat: Nach nur zwei Tagen kann er fünf konkrete Lösungsvorschläge zu Papier bringen und den Auftrag an Land ziehen.

Wollen Firmen Innovationen schneller vorantreiben, müssen sie ihren Vernetzungsgrad erhöhen. So setzen globale IT-Riesen wie Google, IBM, Apple oder Microsoft längst auf die Strategien sozialer Netzwerke. Um neue Ideen zu bekommen, lässt etwa IBM Tausende von Mitarbeitern weltweit in onlinebasierten Jams brainstormen, und in einer Studie hat McKinsey ermittelt, dass die Mehrheit von über 3.000 befragten Unternehmen einen wirtschaftlichen Nutzen aus sozialen Medien zieht. 18 Prozent geben sogar an, dies an steigenden Umsätzen zu merken.

Auch Siemens hat vor fünf Jahren als eines der ersten DAX-Unternehmen begonnen, Web-2.0-Instrumente gezielt einzusetzen: Firmen-Wiki, Mitarbeiter-Blogs oder Abteilungs-Foren führen zu einer beschleunigten Wissensvermittlung (Pictures of the Future, Frühjahr 2010, Open Innovation). So kann im Siemens-Forum „Technoweb“ jeder, egal ob Entwickler oder Sachbearbeiter, komplexe technische Fragen stellen oder simple Bedienungshilfen einholen. Die etwa 9.000 angemeldeten Nutzer schalten sich in Diskussionen zu rund 850 Themengruppen ein. Das beschleunigt die Arbeitsprozesse.

Eine „Urgent Request“-Funktion, wie sie Alistair Gammie nutzte, ist besonders nützlich: „Kann mir jemand bei meinem Problem helfen?“ Eine Frage, ein Klick, statt stundenlang Datenbanken durchkämmen zu müssen, Suchmaschinen zu bemühen oder Telefonate zu führen. Die Frage wird zunächst technologischen Kategorien zugeordnet und gelangt dann als elektronische Post an jene Technoweb-Nutzer, die sich für das Themengebiet interessieren. Sie hat damit eine viel größere Reichweite als persönliche Kontakte. So können Fachkräfte auch in den entferntesten Ecken des Unternehmens gefunden werden.

Bestes Wissensmanagement. „Kollektive Intelligenz lässt sich durch soziale Medien besonders effizient nutzen und ermöglicht eine abteilungs- und länderübergreifende Interaktion der Mitarbeiter“, erklärt Dr. Manfred Langen, der sich seit zwölf Jahren mit dem Thema Wissensmanagement bei Siemens befasst. Das Netzwerken schlägt sich auch in der Innovationskraft nieder: Beim Ranking „The European Most Admired Knowledge Enterprises 2010" gehörte Siemens seit 2001 schon zum achten Mal zu den Finalisten und wurde zudem für das beste Wissensmanagement in Europa prämiert.

Die global verteilte Forschung und Entwicklung, kurzzeitige Projektkooperationen und die zunehmende Komplexität von Prozessen wie Produkten machen es unabdingbar, Wissen effizient zu filtern. Oft fehlen aber noch intelligente Methoden, die Datenströme sinnvoll zu strukturieren. Wie kann zum Beispiel auf eine konkrete Frage direkt der richtige Lösungs-Experte gemeldet werden, ohne dass die E-Mail-Konten etlicher Mitarbeiter geflutet werden? Siemens arbeitet an einem Technologie-Atlas, der verwandte Begriffe und Technologien semantisch verknüpft. Die perfekte Lösung jedoch hat auch noch keiner jener Anbieter, die sich ausschließlich mit dem automatischen Erstellen von Ontologien oder der semantischen Modellierung von Informationsflüssen befassen.

Open Innovation. Online-Gemeinschaften sind dennoch ein probates Mittel, um Wissenssilos zu vermeiden. Sie können Produktentwicklungen beflügeln sowie den Vorsprung im Wettbewerb sichern. „Soziale Medien sind wichtig, um Ideen schneller auf dem Markt umzusetzen. Das verdichtete Wissen einzelner Mitarbeiter und unterschiedliche Blickwinkel auf ein Thema sind wichtige Triebkräfte“, sagt Dr. Thomas Lackner, bei Siemens zuständig für Open Innovation. Ein wichtiges Ziel ist die strategische Nutzung des stillen Wissens der Mitarbeiter oder des externen Wissens von Partnern.

Ein Weg sind öffentliche Ausschreibungen wie beim „Siemens Sustainability Idea Contest“. Die Plattform war über acht Wochen global zugänglich, Mitarbeiter konnten online Ideen ein - reichen. Von 850 Vorschlägen zu nachhaltigen Produkten oder energiesparendem Handeln hat die Community durch das Sternchen-Prinzip à la Amazon die besten Ideen herausgefiltert.

Bernhard Lang, Siemens-Forscher in Russland, ging mit seiner Idee der intelligenten Deiche als Sieger hervor. Das Überwachungssystem, das dank Sensoren die Stabilität der Schutzwälle metergenau vorhersagen kann, wird derzeit an einem Testdeich im niederländischen Eemshaven geprüft (Pictures of the Future, Herbst 2010, Schutzwehr mit Köpfchen). Weitere Ideen werden für den Markteinstieg fit gemacht: Patentsituationen werden geprüft, Projektstrategien entwickelt und Businesspläne erstellt.

Vor allem die jungen Mitarbeiter sind soziale Netzwerke wie Facebook, Xing und Co. gewöhnt und plaudern auf den Plattformen nicht nur über Privates. Mehr als 20.000 Siemens- Mitarbeiter kommunizieren auch über Konzernthemen in Netzwerken. Dabei ist klar, dass die Gefahr besteht, dass auch Firmeninterna weitergegeben werden. Ein flüchtiger Kommentar hinterlässt Spuren, möglicherweise liest ihn die ganze Netzgemeinde. Siemens setzt hier auf die Eigenverantwortung jedes Mitarbeiters.

Die Vorteile vor allem auch der internen Blogosphäre sind offensichtlich: Mitarbeiter können stets und in Echtzeit über aktuelle Themen diskutieren, ihre Expertisen streuen oder einen eigenen Blog aufbauen. Rund 6.000 Mitarbeiter sind besonders aktiv und bieten mit Veranstaltungs-, Manager- oder Expertenblogs spannende Einblicke. „Blogs können durch die offene Kommunikationskultur zu einer verbesserten Wahrnehmung von Entwicklungen im Unternehmen sowie zu stärkerem Erfahrungs- und Wissenstransfer führen", erklärt Helmut Lehner von CC, Community-Manager der Blogo- und Wikisphäre. Die ins Intranet eingebetteten Netzwerke sind sicherer vor Netzwerkkriminalität, und das geistige Eigentum bleibt im Unternehmen.

Arbeit im Wikinetz. Vor allem für international operierende Firmen bieten soziale Medien sehr viel: Neben entschlackten Kommunikationskosten fördern sie die Zusammenarbeit in globalen Teams und helfen Projekt-Doubletten zu vermeiden. Grübeln drei Teams an drei Standorten zufällig über ähnliche Probleme, wird das im Wikinetz schnell sichtbar. In der unternehmensweiten Wikisphäre schreiben virtuelle Teams gemeinsam Beiträge und erweitern das Siemens-Glossar. Daneben gibt es etwa 70 spezifische Wikis, die auch gezielt für alltägliche Problemlösungen eingesetzt werden, um zum Beispiel langfristig Arbeitsprozesse, Produkte und Dienstleistungen zu verbessern.

So hat etwa der Geschäftsbereich Metals & Mining ein Wiki für seine Servicetechniker. Vermerkt sind darin insgesamt 220 Minen, Walzoder Bergwerke von Malaysia bis Bolivien. Auf einer digitalen Weltkarte können die Standorte von den Ingenieuren angesteuert werden. Dabei ist jede Anlage mit geschichtlichen, geographischen oder technischen Fakten gespickt. Auch aktuelle Aktivitäten können abgerufen werden: etwa welcher Techniker auf der Anlage arbeitet und welche Messungen, Reparaturen oder Software-Umstellungen er durchgeführt hat, Berichte, Fotos und Tabellen inklusive.

Eine weitere Besonderheit dieses Wiki: Informationen zu Visaformalitäten oder dem schnellsten Reiseweg erleichtern den Arbeitsalltag der vielreisenden Techniker. So kann man etwa nachschlagen, dass die bolivianische Silbermine auf rund 4.000 Meter Höhe in den Anden liegt und dass der unzugängliche Ort nur mit einem privaten Jeep über Calama, Chile, oder mit einer Propellermaschine von Las Paz, Bolivien, erreichbar ist. Hilfreiche Hinweise, denn: Steht eine Anlage auch nur 24 Stunden still, kann das dem Unternehmen Millionen kosten.

Die Wiki-Auskünfte helfen, die Abwicklung wesentlich schneller zu gestalten. Heute nutzen 20 Prozent der Unternehmen in den USA und in Europa Blogs, Foren oder Wikis. Unter dem Stichwort Enterprise 2.0 formiert sich derzeit eine neue Unternehmenskultur, die tradierte Arbeitsweisen verändert. „In zehn Jahren werden soziale Medien die E-Mail endgültig ablösen“, meint der Kommunikationsexperte Helmut Lehner.

Laut einer Umfrage von McKinsey wollen zwei Drittel der Unternehmen verstärkt in diese Instrumente investieren, denn von der Umstellung auf Enterprise 2.0 versprechen sie sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Dementsprechend schätzt das Marktforschungsinstitut Forrester, dass sich bis 2013 die Investitionen in Web-2.0-Instrumente von Konzernen weltweit auf 4,6 Milliarden Dollar verzehnfachen werden. Die Herausforderung liegt sicher darin, soziale Medien sinnvoll in das Unternehmenskonzept zu integrieren. Für Alistair Gammie hat es bereits funktioniert.

Silke Weber