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Digital unterwegs: Hymer denkt das Reisemobil neu

Freiheit genießen, abseits der üblichen Routen reisen und dennoch nicht auf Komfort verzichten: Genau das macht den Reiz des Vanlife-Trends aus. Für die einen ist es die perfekte Auszeit in der Natur, für die anderen ein Lebensstil, geprägt von Minimalismus, Mobilität und der Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten.

Hymer entwickelt und produziert Camper Vans und Reisemobile für unterschiedlichste Ansprüche. Für den neuen Premium-Camper Venture S setzt das Unternehmen unter anderem auf Software aus dem Siemens Xcelerator Portfolio, darunter Solid Edge und NX.

Im Innenraum setzt der Venture S neue Maßstäbe im Van-Segment: mit einem integrierten Arbeitsplatz für mobiles Arbeiten und virtuelle Meetings, einer geräumigen Regendusche, durchdachten Stauraumlösungen für alles von Töpfen und Pfannen bis hin zu Schuhen und Jacken; sowie ein ausfahrbarer Projektor, mit dem Sie Ihre Lieblingsfilme auf eine ausklappbare Leinwand projizieren können.

Auch außen überzeugt der Venture S mit innovativen Details, etwa einer terrassenähnlichen Heckklappe und einer energieeffizienten Karosserie, die die Aufheizung des Fahrzeugs reduziert.

Solarmodule sowie nachhaltige Materialien wie Filz und Bambus im Innenraum greifen aktuelle Wohn- und Reisetrends auf. So bietet der Venture S genau die Flexibilität, die man sich heute von einem mobilen Zuhause erwartet.

Vollständig digitalisierte Produktentwicklung

Für die computergestützte Konstruktion (CAD) arbeiten die Hymer Entwicklungsstandorte in Europa mit der Software Solid Edge. „Solid Edge bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche und lässt sich schnell erlernen. Neue Kolleginnen und Kollegen benötigen daher nur eine minimale Schulung“, erklärt Stefan Ziegler, Leiter der Industrialisierungsforschung und -entwicklung (R&D) bei Hymer.

Die 3D-CAD-Software bietet alles, was zur Erstellung eines umfassenden digitalen Zwillings der Fahrzeuge erforderlich ist. Das ist insbesondere bei komplexen Aufgaben wie der Verlegung von Gas-, Frischwasser- und Abwasserleitungen in beengten Bauräumen von Vorteil. Hier kommt Solid Edge XpresRoute 3D zum Einsatz. In der späteren Fertigung erleichtern die 3D-Modelle zudem die Montage, da sie den Produktionsmitarbeitenden präzise zeigen, wo Leitungen und Rohrsysteme installiert werden müssen.

Hymer-Ingenieure an allen europäischen Standorten verwenden Solid Edge für CAD. Urheberrecht: Hymer GmbH & Co. KG.
Ein Diagramm eines dunkelblauen Lieferwagens zeigt, wie Konstrukteure die FEM-Funktionen von Solid Edge nutzen, um die strukturelle Integrität ihrer Konstruktionen für alltägliche grundlegende Überprüfungen zu überprüfen und eingehendere Belastungsanalysen mithilfe von Simcenter 3D an eine spezialisierte interne Abteilung von EHG (The Team Technology; TTT) auszulagern. Urheberrecht: Hymer GmbH & Co. KG.

Die Konstrukteure überprüfen die strukturelle Integrität ihrer Entwürfe mithilfe von Finite-Elemente-Modellierungsanalysen (FEM), die in Solid Edge integriert sind. Diese grundlegenden Analysen sind einfach durchzuführen und liefern bereits früh wertvolle Erkenntnisse über das Strukturverhalten.

Eingehendere Belastungsanalysen werden an The Team Technology (TTT) ausgelagert, eine interne Automobil-Leichtbauabteilung innerhalb der Erwin Hymer Group. Sie verwenden die Simcenter 3D Software für die FEM-Analyse.

Der zweistufige Überptüfungsprozess schafft bereits in frühen Phasen der Produktentwicklung wertvolle Erkenntnisse und reduziert die Anzahl der benötigten physischen Prototypen.

Simcenter kann noch mehr: Als modulare Softwarelösung bietet Simcenter Komponenten für nahezu jede Konstruktions- und Konstruktionsaufgabe. Ria Kaiser, Leiterin für Leichtbau und neue Materialien bei TTT, untersucht derzeit Möglichkeiten, Simcenter FLOEFD zum Testen der aerodynamischen Form verschiedener Komponenten einzusetzen.

„Ein großer Vorteil ist, dass sich unsere Ingenieurinnen und Ingenieure nicht an eine neue Benutzeroberfläche gewöhnen müssen“, sagt sie. „Das verkürzt die Einarbeitungszeit erheblich und ermöglicht es ihnen, schneller zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.“

Virtuelle Protoypenentwicklung

Hymer setzt Siemens Software auch ein, um Fahrzeugprototypen in virtueller Realität (VR) zu bauen und zu evaluieren. Dafür importieren die Reisemobilspezialisten den mit Solid Edge entwickelten digitalen Zwilling und erstellen digitale Mock-ups des gesamten Fahrzeugs oder einzelner Baugruppen. Mithilfe der virtuellen Prototypenentwicklung kann Hymer die Anzahl physischer Modelle und Prototypen deutlich reduzieren.

„Unsere Produkte wie der Venture S sind inzwischen so komplex, dass klassische 2D-Modelle nicht mehr ausreichen. Die mit Siemens-Software erstellten 3D-Modelle sind entscheidend, um Konstruktionsprobleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben, bevor sie zu kostspieligen Problemen werden“, sagt Stefan Ziegler. Ein unverzichtbares Tool für besonders realitätsnahe 3D-Modelle ist NX. Die Software eignet sich sich besonders gut für die Definition komplexer Oberflächen.

Im Bereich der Oberflächenmodellierung und Freiformflächen arbeitet Hymer mit Siemens NX zusammen. (Urheberrecht: Hymer GmbH & Co. KG.
Ein Mann trägt eine Virtual-Reality-Kopfbedeckung, um einen Van zu entwerfen. Urheberrecht: Hymer GmbH & Co. KG.

Beispiele hierfür sind die Überprüfung des ergonomischen Designs mithilfe von VR-Geräten, um festzustellen, ob die Lösungen praktikabel sind, und Augmented Reality (AR), um die Richtigkeit der Daten bereits in der Bauphase des Prototyps zu überprüfen.

Zu den Anwendungsbeispielen zählen ergonomische Prüfungen mit VR-Technologien, um die Praxistauglichkeit von Lösungen zu bewerten, und Augmented Reality (AR), mit der sich die Richtigkeit der Daten bereits während der Prototypenentwicklung überprüfen lässt.

Künftig könnten AR-Anwendungen auch Service- und Wartungsprozesse unterstützen oder die Nutzerfreundlichkeit für Kundinnen und Kunden weiter verbessern. Bei einem Hackathon mit der Technischen Universität München (TUM) entwickelten Studierende mithilfe der Low-Code-Plattform Mendix bereits einen ersten App-Prototypen für eine interaktive Bedienungsanleitung, die perspektivisch ebenfalls von AR-Funktionen profitieren könnte.

Mit VR-Technologien lassen sich nicht nur technische Arbeitsanweisungen für die Produktion anschaulicher darstellen, sie ermöglichen es auch, Fahrzeuginnenräume für Kundinnen und Kunden sowie Vertriebspartner realitätsnah erlebbar zu machen, selbst wenn sich alle Beteiligten an unterschiedlichen Standorten befinden.

„Ein digitaler Prototyp bietet auch für das Marketing entscheidende Vorteile“, sagt Frank Heinrichsen, Leiter Marketing bei Hymer GmbH & Co. KG.

Dank des detaillierten digitalen Zwillings des Venture S konnte das Marketingteam bereits Kommunikationsmaterialien mit Bildern und Videos erstellen, noch bevor der erste physische Prototyp gebaut war.

Darüber hinaus nutzte Hymer den digitalen Zwilling, um Schulungen für Produktion und Einzelhandel zu initiieren, ohne ein physisches Fahrzeug zur Verfügung haben zu müssen.

Der digitale Zwilling in der Praxis

Nach Abschluss des Designs für den Venture S nutzten die Ingenieurinnen und Ingenieure von Hymer RapidAuthor für Teamcenter, um die Fertigungsdokumentation zu erstellen. Das System generiert insbesondere elektronische Arbeitsanweisungen für die Mitarbeitenden an den Montagelinien in Bad Waldsee.

„Die Mitarbeitenden sind begeistert von den dynamischen Montagehinweisen in den 3D-Modellen“, sagt Stefan Ziegler. „Sie schätzen besonders die Möglichkeit, Modelle zu drehen und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. So werden Details sichtbar, die in Zeichnungen häufig verborgen bleiben.“

Ein zentraler digitaler Zwilling ist zudem besonders hilfreich, wenn ein Produkt in unterschiedlichen Ausführungen angeboten wird, wie es bei Reisemobilen und Camper Vans von Hymer häufig der Fall ist. Deshalb enthält das grundlegende Konstruktionsmodell sämtliche möglichen Varianten, das sogenannte 150-Prozent-Modell.

Möchte ein Kunde eine Bestellung aufgeben, lässt sich die gewünschte Konfiguration mit wenigen Klicks auswählen. Darüber hinaus haben die Hymer Ingenieurinnen und Ingenieure damit begonnen, ihre Modelle um Product and Manufacturing Information (PMI) zu erweitern.

„Durch den Einsatz von PMI wurde aus der Ableitung einzelner Varianten eine Konfiguration“, bestätigt Stefan Ziegler. „Dadurch konnte der erforderliche Aufwand deutlich reduziert werden.“

Dieser Screenshot zeigt, wie die Ingenieure von Hymer Rapid Author für Teamcenter verwenden, um elektronische Anleitungen für Montagelinien zu erstellen. Urheberrecht: Hymer GmbH & Co. KG.

Schluss mit Informationssilos

Die Nutzung des in Solid Edge erstellten digitalen Zwillings als zentrale und verlässliche Datenbasis stellt sicher, dass alle Informationen durchgängig verfügbar und miteinander verknüpft sind. Dadurch konnte Hymer verteilte Informationssilos beseitigen und typische Fehlerquellen vermeiden, die durch getrennte Datenbestände entstehen. Darüber hinaus können alle Beteiligten nach Änderungen die Arbeit auf der Grundlage gültiger, aktueller Informationen sofort wieder aufnehmen.

Mit dem Venture S hat Hymer eine völlig neue Fahrzeugkategorie geschaffen. Das Reisemobil zeigt, wie das Unternehmen mobiles Reisen, Vanlife und flexibles Arbeiten heute versteht. Solarmodule, Sonnendeck, ein ausziehbares Badezimmer, herausnehmbare Leuchten, cloudbasierte Heizungssteuerung und ein klappbarer Schreibtisch sind nur einige der Ausstattungsmerkmale, von denen Nutzerinnen und Nutzer profitieren. Möglich werden sie durch die digitale Entwicklungsstrategie, mit der der Venture S realisiert wurde.

Juni 2023
Kontakt: Susann Kunz
Redaktionsteam: Industry Stories
weiterarbeiten.

Über Hymer

Die Hymer GmbH & Co. KG mit Sitz in Bad Waldsee zählt zu den Pionieren der Freizeitfahrzeugbranche. Das Unternehmen produzierte 1957 seinen ersten Wohnwagen und brachte 1961 das erste deutsche Reisemobil auf den Markt.

Als Teil der Erwin Hymer Group entwickelt und produziert Hymer auch Wohnwagen unter der Marke Eriba. Die Erwin Hymer Group gehört zu der Unternehmensfamilie Thor Industries, die einen Großteil der europäischen und nordamerikanischen Hersteller von Freizeitfahrzeugen unter ihrem Dach vereint.