Säcke mit bis zu 25 Kilogramm Gewicht manuell in Anlagen zu entleeren, ist für Bedienende körperlich stark belastend. AZO NV entwickelte deshalb für einen Babynahrungshersteller eine automatisierte Lösung: Ein Roboter übernimmt die Entnahme von der Palette, eine nachgelagerte Maschine öffnet die Säcke unter hygienischen Bedingungen. Basis dafür ist eine KI-gestützte Bildverarbeitung von Siemens.
Hygiene steht bei Babynahrung an erster Stelle
Hersteller von Babynahrung produzieren vielfältige Milchpulvervarianten mit unterschiedlichen Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzungen für verschiedene Altersgruppen. Gleichzeitig müssen sie zahlreiche Allergien berücksichtigen. Entsprechend selten kommen große Silos zum Einsatz. Stattdessen wird in kleinen Chargen produziert, und die Rohstoffe werden überwiegend in Säcken angeliefert.
Hinzu kommen sehr hohe Hygieneanforderungen. Das stellt die Automatisierung vor besondere Herausforderungen: Säcke sind schwer, unregelmäßig geformt und anfällig für Beschädigungen. „Ein Kunde hat uns gebeten, eine Maschine zu entwickeln, die Säcke hygienisch öffnet“, erklärt Corné Daane, Sales Branch Manager Vital bei AZO NV.
“Das ist uns gelungen: Die Anlage kommt mit wenigen beweglichen Teilen aus, ist leicht zu reinigen und vollständig gekapselt. Dadurch bleibt die Umgebung staubfrei und wir haben praktisch keinen Produktverlust. Das beim Aufschneiden freigesetzte Pulver saugen wir hygienisch ab, sodass es weiterverwendet werden kann. Anschließend zieht eine Schneckendruckvorrichtung den Beutel sauber wieder aus der Maschine.“

Automatisiertes Entpalletieren
„Die Säcke kommen auf Paletten an. Ursprünglich sollten die Produktionslinien manuell beschickt werden. Mitarbeitende mussten die bis zu 25 Kilogramm schweren Säcke einzeln von der Palette nehmen und in die Anlage einlegen. Das ist körperlich belastend und fehleranfällig. Zudem können Säcke leicht beschädigt werden, was das Risiko für Verluste und Unfälle erhöht. Auch aus hygienischer Sicht ist die manuelle Handhabung nicht ideal. Deshalb haben wir nach einer Lösung gesucht, um auch diesen Prozessschritt zu automatisieren.“
Das erwies sich als anspruchsvoll. „Da es sich um kleine Chargen handelt, befinden sich auf einer Palette oft unterschiedliche Sacktypen und Größen“, erklärt Nick Heuten, Manager Automation bei AZO NV. „Zudem sind sie unsortiert gestapelt. Um sie mit einem Roboter zu entpalettieren, müsste man jede mögliche Variante und Lage in einem CAD-Modell definieren. Das ist in der Praxis nicht umsetzbar. Deshalb haben wir nach einer Lösung auf Basis künstlicher Intelligenz gesucht. Zwar gibt es zahlreiche Start-ups mit interessanten Ansätzen, doch für uns bei AZO standen industrielle Skalierbarkeit und geprüfte Qualität im Fokus. Die Wahl fiel auf Siemens, mit denen wir seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten.“

About AZO
AZO ist ein deutsches Familienunternehmen und spezialisiert auf die Automatisierung von Schüttgutprozessen: vom Wareneingang über Lagerung und Transport bis zu Dosierung, Mischen und Abfüllen. Das Unternehmen ist in mehreren Branchen tätig, darunter Batterien, Kunststoffe, Lebensmittel und Pharma. Weltweit beschäftigt AZO rund 1.200 Mitarbeitende, davon etwa 140 in der belgischen Tochtergesellschaft.



