Werner Bolton, undatiert
Werner Bolton, der Erfinder der Tantal-Lampe, begann seine Laufbahn bei Siemens & Halske als Praktikant während seines Chemie-Studiums in Berlin und Leipzig. 1896 trat er als Leiter eines Laboratoriums im Glühlampenwerk der Firma ein. Als Bolton 1902 im Tantal das geeignete Material zur Herstellung von metallischen Glühfäden erkannte, gab es am Markt lediglich die Kohlefadenlampe. Im Jahr 1905 begann die Auslieferung der ersten Metallfaden-Glühlampe, von der bis 1914 weltweit über 50 Millionen Stück nach Boltons Verfahren hergestellt wurden. Ebenfalls 1905 erhielt er die Leitung des ersten zentralen Laboratoriums des Unternehmens, das bald in Physikalisch-Chemisches Laboratorium umbenannt wurde. Hier wurde der Wolframdraht als nächste Generation von Metallglühfäden hergestellt.
Bodo von Borries, 1939
Bevor Bodo von Borries 1934 als Laboratoriumsleiter im Schaltwerk der Siemens-Schuckertwerke in Berlin-Siemensstadt anfing, hatte er bereits zusammen mit Ernst Ruska grundlegende Versuche zur Elektronenmikroskopie an der Technischen Hochschule Berlin durchgeführt. Bis 1937 war er im Siemens-Schaltwerk auf dem Gebiet Überspannungsschutz tätig. Danach zeichnete er sich für den Aufbau und die Leitung des Laboratoriums für Elektronenoptik von Siemens & Halske verantwortlich. Hier entwickelten Bodo von Borries und Ernst Ruska das Elektronenmikroskop zur Serienreife, das der Forschung bis 1945 in etwa 35 Geräten zur Verfügung gestellt werden konnte. Bodo von Borries war unter anderem Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie.
Dennis Gabor, undatiert
Dennis Gabor trat 1927 in das Physikalische Laboratorium des Wernerwerks M (Messtechnik und Medizinische Technik) ein. In den folgenden sechs Jahren forschte der promovierte Physiker u. a. auf den Gebieten Gasentladung und Plasmaphysik. Außerdem arbeitete er an der Nachweisbarkeit mitogenetischer Strahlung bei der Zellteilung im Organismus und war an der Entwicklung von Kathodenstrahl-Oszillographen und Cadmium-Hochdruckbrennern beteiligt. 1933 emigrierte der gebürtige Ungar nach England, wo er als Forschungsingenieur für die British Thomson-Houston Company Ltd. tätig war. Dort entwickelte er 1948 im Rahmen seiner Versuche, das Auflösungsvermögen des Elektronenmikroskops zu verbessern eher zufällig die Holographie. Für die Erfindung und Weiterentwicklung dieses Verfahrens erhielt Dennis Gabor 1971 den Nobelpreis für Physik. Von 1949 bis 1967 arbeitete er als Hochschullehrer am Londoner Imperial College of Science and Technology. Nach seiner Emeritierung arbeitete Gabor in den Forschungslaboratorien bei Columbia Broadcasting System (C.B.S.) in Stanford, Connecticut, USA sowie in London und Rom. Darüber hinaus gehörte er zu den Mitbegründern des „Club of Rome“. Dennis Gabor starb 1979 in London.
Friedrich von Hefner-Alteneck, 1870
Mit der Erfindung des Trommelankers gelang es 1872 dem Chefkonstrukteur von Siemens & Halske, Friedrich von Hefner-Alteneck, eine wirtschaftliche Form der Dynamomaschine zu entwickeln, die im Wesentlichen bis heute bei elektrischen Maschinen Verwendung findet. In der Beleuchtungstechnik setzte er 1878 mit der selbstregulierenden Differentialbogenlampe, die eine äußerst helle und zugleich sichere und wirtschaftliche Straßenbeleuchtung ermöglichte, völlig neue Maßstäbe. 1884 konstruierte er die nach ihm benannte Hefner-Kerze, eine Lampe mit exakt reproduzierbaren physischen Abmessungen. Zusammen mit Carl Hoffmann entwickelte von Hefner-Alteneck 1886 eine Gleichstrom-Innenpolmaschine, die für gut ein Jahrzehnt die Entwicklung im Kraftwerkbau wesentlich mitbestimmte. Mit Werner von Siemens' Rückzug aus der Firmenleitung schied auch Friedrich von Hefner-Alteneck 1889 als einer seiner engsten und langjährigsten Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus. Er war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften und erhielt 1897 die Ehrendoktorwürde in München.
Gustav Hertz, 1913
Als Neffe von Heinrich Hertz, dem Entdecker der elektromagnetischen Wellen, studierte Gustav Hertz ebenfalls Physik und wurde 1911 Assistent am Physikalischen Institut der Berliner Universität. Er führte schon in jungen Jahren zusammen mit James Franck Untersuchungen an Elektronenstrahlen beim Zusammenstoß mit Gasmolekülen aus. Für ihre Entdeckung der Anregung von Atomen durch Elektronenstoß erhielten Franck und Hertz 1925 den Nobelpreis für Physik. Von 1935 bis 1945 leitete Gustav Hertz das eigens für ihn gegründete Siemens-Forschungslaboratorium II. Dort wurde in dieser Zeit u.a. mit den Entwicklungsarbeiten für ein Zyklotron mit einem 80-Tonnen-Magneten begonnen. Außerdem führte Hertz Ende der 1930er Jahre bei Siemens grundlegende Forschungen auf dem Gebiet der Elektroakustik durch. 1945 baute er mit früheren Schülern und Mitarbeitern ein Institut in der damaligen UdSSR auf und übernahm 1954 die Leitung eines Universitätsinstituts in Leipzig.
Ernst Ruska, 1939
Schon als Student entdeckte Ernst Ruska das Prinzip der Elektronenmikroskopie. Er fand heraus, dass man Elektronenstrahlen beugen kann wie das Licht in einer Linse. Seine Elektronenlinse war ein Magnet, in dessen Feld die elektrisch geladenen Elementarteilchen von ihrer Bahn abgelenkt wurden. 1931 baute er zusammen mit Bodo von Borries und Max Knoll an der Technischen Hochschule in Berlin das erste funktionierende Mikroskop nach diesem Prinzip. 1939 führten Ruska und von Borries das Elektro enmikroskop im Siemens-Laboratorium für Elektronenoptik und Übermikroskopie zur Serienreife. Nachdem von Borries 1948 das Laboratorium verlassen hatte, trat Ruska seine Nachfolge als dessen Leiter an. In den folgenden Jahren leistete er immer wieder wesentliche Beiträge zur Verbesserung des Mikroskops. Ernst Ruska, der für seine wegweisende Leistung bereits mehrfach ausgezeichnet worden war, erhielt 1986 den Nobelpreis für Physik.
Walter Schottky (1886-1976)
Walter Schottky bei einem Vortrag im Fritz-Haber-Institut, Berlin 1953
Der Physiker Walter Schottky beeinflusste durch seine theoretischen Untersuchungen ab 1912 maßgeblich die Entwicklung der Nachrichtentechnik. Die Erfindung der Raumladungsgitterröhre und der Schirmgitterröhre, das Aufstellen der Theorie des Schroteffekts und die Erfindung des Überlagerungsempfängers gehen auf Schottky zurück, der sich von 1915 bis 1919 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schwachstromkabel-Laboratorium von Siemens & Halske mit diesen Arbeiten beschäftigte. Nach einer Lehrtätigkeit an den Universitäten Würzburg und Rostock war Schottky von 1927 bis 1951 wieder im Forschungslaboratorium bei Siemens & Halske und den Siemens-Schuckertwerken in Berlin und Pretzfeld tätig. Neben anderen wichtigen Arbeiten entwickelte er 1938 seine Randschichttheorie (auch Raumladungstheorie der Sperrschichten genannt), die sich als bahnbrechend für die Halbleitertechnik erwies. Schon zu Lebzeiten erhielt der 1976 gestorbene Wissenschaftler zahlreiche Ehrungen.
Ferdinand Trendelenburg, um 1965
Ferdinand Trendelenburg trat nach seiner Promotion 1922 in das Siemens-Forschungslaboratorium ein und gehörte dem Unternehmen praktisch bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1962 an. Er beschäftigte sich überwiegend mit grundlegenden Arbeiten auf den Gebieten Akustik und Strukturanalyse. Trendelenburgs Untersuchungen bildeten die Voraussetzung für die Einführung der objektiven Klangaufzeichnung. Ein weiteres Fachgebiet war die Entwicklung besonderer Verstärker für die Herzdiagnostik. 1951 wurde Trendelenburg Leiter des neu gegründeten Allgemeinen Laboratoriums der Siemens-Schuckertwerke in Erlangen, das ab 1953 in "Forschungslaboratorium" umbenannt wurde. Hier war er an Forschungen auf den Gebieten Halbleitertechnik, Plasmaphysik und Radiochemie beteiligt. Seine Veröffentlichungen, darunter "Klänge und Geräusche" (1935) und "Einführung in die Akustik" (1939) fanden in internationalen Fachkreisen hohe Anerkennung.
Heinrich Welker, 1970
Nach zahlreichen wissenschaftlichen Tätigkeiten trat Heinrich Welker 1951 als Leiter der Abteilung Festkörperphysik in das Allgemeine Laboratorium der Siemens-Schuckertwerke in Erlangen ein. Im gleichen Jahr entdeckte er die III-V-Verbindungen (aus der 3. und 5. Gruppe des Periodensystems) und sagte deren Halbleitereigenschaften voraus. Seine Erkenntnisse führten zu breiter Ausnutzung galvanomagnetischer und optoelektrischer Effekte sowie zu neuen Schaltkreisen der Mikroelektronik. Zusammen mit der von ihm aufgebauten Forschungsgruppe war Welker Wegbereiter für Mikrowellen-Halbleiterbauelemente sowie Lumineszenz- und Laserdioden. Von 1961 bis 1969 leitete er das Forschungslaboratorium der Siemens-Schuckertwerke in Erlangen und übernahm von 1969 bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand 1977 die Leitung der Forschungslaboratorien des Gesamtunternehmens.