Werner von Siemens, 1872
Werner von Siemens hat als Erfinder und visionärer Unternehmer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der damals jungen Elektrotechnik wichtige Impulse verliehen und die Entwicklung der Elektroindustrie entscheidend gefördert. Mit der Konstruktion seines Zeigertelegrafen schuf er die Basis für die 1847 gegründete „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“, die sich schnell zu einem international operierenden Unternehmen entwickelte. 1866 entdeckte Werner von Siemens das dynamoelektrische Prinzip, seine für die Elektrotechnik wohl bedeutendste Leistung, mit der er der Idee, die Elektrizität zur Kraftversorgung zu nutzen, zum Durchbruch verhalf. Darüber hinaus machte die erfolgreiche Durchführung technisch anspruchsvoller und unternehmerisch äußerst risikoreicher Projekte, wie die Verlegung großer transatlantischer Seekabel oder der Bau der Indo-Europäischen Telegraphenlinie von London nach Kalkutta das Unternehmen weltweit bekannt. In Anerkennung seiner Verdienste für Wissenschaft und Gesellschaft wurde Werner Siemens im Jahr 1888 von Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben.
Sir William Siemens, 1875
Wilhelm Siemens, der sieben Jahre jüngere Bruder von Werner von Siemens, trug durch sein Engagement in England wesentlich dazu bei, das Unternehmen auf internationalen Märkten zu etablieren. Seit 1850 war Wilhelm als Agent für Siemens & Halske in London tätig. Für die Herstellung und Legung von Seekabeln wurde 1858 unter seiner Leitung die selbstständige englische Niederlassung "Siemens, Halske & Co." gegründet. Mit erfolgreichen Kabelverlegungen im Mittelmeer gelang der Durchbruch auf dem hart umkämpften englischen Telegrafenmarkt. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit machte sich Wilhelm - der sich in England einbürgern und seitdem William nennen ließ - durch wissenschaftliche Forschungen, Publikationen und seine Verbandstätigkeit einen Namen. Wenige Monate vor seinem Tod im November 1883 wurde er von der englischen Queen Victoria in den Adelsstand erhoben.
Carl von Siemens, um 1860
Carl von Siemens, der jüngere Bruder des Firmengründers Werner von Siemens, machte sich vor allem durch sein unternehmerisches Engagement in Russland einen Namen. 1853 reiste er nach St. Petersburg, um den Bau des bei Siemens & Halske in Auftrag gegebenen russischen Telegraphennetzes zu überwachen. Dabei bewährte er sich schnell als entscheidungsfreudiger und kompetenter Unternehmer. 1855 wurde das russische Geschäft unter seiner Leitung in eine Zweigniederlassung umgewandelt und etablierte sich als wichtige Stütze des Berliner Stammhauses. 1869 ging Carl nach England, wo er über ein Jahrzehnt das Geschäft seines Bruders Sir William unterstützte. Anfang der 1880er Jahre kehrte er nach St. Petersburg zurück und gab dem russischen Geschäft neuen Auftrieb. Nach dem Rückzug Werner von Siemens’ aus der Unternehmensleitung übernahm Carl von Siemens zu Beginn der 1890er Jahre die Rolle des Seniorchefs von Siemens & Halske; in dieser Funktion leitete er die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft ein. Für seine Verdienste in Russland wurde Carl Siemens 1895 vom Zaren Nikolaus II. in den Adelsstand erhoben.
Johann Georg Halske, um 1855
Der am 30. Juli 1814 in Hamburg geborene Feinmechaniker Johann Georg Halske führte seit 1844 mit seinem Partner F.M. Böttcher eine eigene Werkstatt in Berlin. 1847 gründete Halske gemeinsam mit Werner von Siemens die "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske". Halske hatte an der Konstruktion und Formgestaltung elektrotechnischer Geräte wie der Guttaperchapresse zur nahtlosen Isolierung von Telegrafendrähten, dem Zeiger- und Morsetelegraf sowie von Messinstrumenten wesentlichen Anteil. 1867 zog er sich aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit den Siemens-Brüdern aus der Firma zurück und widmete sich als Stadtrat von Berlin der Verwaltung der Stadt und dem Aufbau des Kunstgewerbemuseums. Mit Werner von Siemens blieb Halske bis zu seinem Tod im Jahr 1890 freundschaftlich verbunden. Er engagierte sich auch nach seinem Ausscheiden für das von ihm mitbegründete Unternehmen, so zum Beispiel durch seine finanzielle Beteiligung an der 1872 gegründeten Siemens-Pensionskasse.
Sigmund Schuckert, 1884
1873 gründete der im Jahr 1846 in Nürnberg geborene Feinmechaniker und Telegrafenbauer Sigmund Schuckert eine kleine Werkstatt für Dynamometer und Messgeräte. Gelungene Beleuchtungs- und Kraftübertragungsprojekte ließen die Firma rasch aufleben. Das Produktionsprogramm umfasste unter anderem Bogenlampen, Schaltgeräte, Zähler, Beleuchtungszubehör, elektrische Bahnen sowie später vor allem Scheinwerfer. Als sich Schuckert 1893 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Unternehmen zurückzog, war die Überführung der bisherigen Kommanditgesellschaft in die "Electricitäts-Aktiengesellschaft vormals Schuckert & Co." aufgrund von steigendem Kapitalbedarf unumgänglich. 1903 wurden die Fertigungsstätten der EAG mit der Starkstromabteilung von Siemens & Halske zu den Siemens-Schuckertwerken zusammengelegt. Wie Werner von Siemens hatte auch Sigmund Schuckert in seinem Unternehmen frühzeitig richtungweisende sozialpolitische Maßnahmen eingeführt, so gab es z.B. die Kranken- und Pensionskasse, Weihnachtsgratifikationen und den Zehn-Stunden-Tag.
Erwin Moritz Reiniger, undatiert
1877 eröffnete der 1854 geborene Universitätsmechaniker Erwin Moritz Reiniger in Erlangen eine Werkstatt für feinmechanische und elektrotechnische Geräte. 1886 gründete er mit seinen früheren Zulieferern Max Julius Gebbert und Karl Schall die Firma Reiniger, Gebbert & Schall (RGS), die bis Mitte der 1890er Jahre medizinische Messgeräte und - nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 - vor allem Röntgenröhren herstellte. 1907 wurde die RGS in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und wuchs im Laufe der folgenden Jahre zu einem Großkonzern heran. Ende 1924 schloss sich die Firma mit Siemens & Halske zu einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft zusammen und 1932 wurde die Siemens-Reiniger-Werke AG gegründet, die vor dem Zweiten Weltkrieg als die größte elektromedizinische Spezialfirma der Welt galt. Erwin Moritz Reiniger hatte sich bereits 1895 aus dem Geschäft zurückgezogen und die Bayerische Glühlampenfabrik in München erworben, die - wie auch eine weitere von ihm gegründete Unternehmung - erfolglos blieb. Reiniger starb am 2. April 1909 in München.
Werner von Siemens
Sir William Siemens