Ansicht des Siemens-Werkes Kemnath, 1967
Die Erfolgsgeschichte von Siemens in Kemnath beginnt 1962: Anfang des Jahres kauft die Siemens-Reiniger-Werke AG (SRW) das über 50.000 Quadratmeter große Gelände der Buntspinnerei Meiler in Kemnath, um hier ein Zweigwerk des Erlanger Stammhauses zu errichten. Schon nach wenigen Monaten läuft am 10. Juni 1962 die Fertigung von einfachen Teilen und Baugruppen an. Insgesamt liefert Kemnath sieben verschiedene Erzeugnisse nach Erlangen und entlastet so die dort ansässige Röntgenfertigung.
Zunächst sind in Kemnath sieben Mitarbeiter beschäftigt. Innerhalb eines Jahres schafft Siemens-Reiniger 120 Arbeitsplätze vor Ort und wird damit zu einem bedeutenden Arbeitgeber in der Region. Auch mit der Lehrlingsausbildung wird bereits 1962 begonnen. Ließen sich anfangs noch neun Jugendliche pro Jahrgang zum Schlosser, Dreher oder Lackierer ausbilden, wächst die Gruppenstärke bis 1970 auf durchschnittlich 20 Lehrlinge.
Die 1970er Jahre stehen ganz im Zeichen des Wachstums: Nach Abschluss der beiden Ausbauphasen 1970 und 1975 umfasst die Nutzfläche über 26.000 Quadratmeter. Die Anzahl der Mitarbeiter ist auf rund 580 Beschäftigte gestiegen; die meisten von ihnen stammen aus der Region. Seit Werksgründung 1962 hat Siemens 40 Millionen DM in den Ausbau von Kemnath investiert. Mit diesem Engagement unterstützt Siemens den Wandel der einstigen Agrarregion Oberpfalz zur Industrieregion.
Von der „verlängerten Werkbank“ zum Kompetenzzentrum
Mit der baulichen Erweiterung verändern sich Aufgaben und Kompetenzen des Standorts. 1972 geht die Verantwortung für Finanz- und Personalthemen an Kemnath über. Und auch die in der Produktion beschäftigten Mitarbeiter übernehmen immer anspruchsvollere Tätigkeiten. Als Konsequenz mausert sich Kemnath von der „verlängerten Werkbank“ Erlangens zum vollwertigen Produktionsstandort: Ab 1982 werden in der Oberpfalz einfache medizinische Systeme für die Röntgendiagnostik gefertigt. Mit den Jahren steigt der Komplexitätsgrad der Produkte kontinuierlich, bis man 1998 schließlich die eigenverantwortliche Fertigung kompletter Systeme übernimmt.
Seit 1994 ist Kemnath auch Entwicklungsstandort. Damals wird die technische Entwicklung von Erlangen nach Kemnath verlagert, um eine prozessoptimierte fertigungsnahe Entwicklung gewährleisten zu können. Der Standort in der Oberpfalz übernimmt die Fertigungsverantwortung für Röntgendiagnostikgeräte, Patientenliegen und Aufnahmeplätze. 1997 wurde das erste, am Standort fertig entwickelte Produkt, der Multix PRO/TOP zum Kunden geliefert. Und im April 2003 wird die Einweihung des neuen F&E-Zentrums gefeiert.
Die Zeit um die Jahrtausendwende ist eine Phase der Restrukturierung mit dem Ziel, die Produktion weiterer Komponenten (z.B. der Angiografie oder Fluoroskopie) in Kemnath zu konzentrieren. Indem man Kompetenzen aus Forchheim, Erlangen, Dresden und Stockholm in der Oberpfalz konzentriert, lassen sich eine Reihe von Synergieeffekten erzielen. Zum Abschluss dieser Jahre wird die Linearbeschleunigerfertigung neuester Generation von Kalifornien nach Kemnath verlagert. Die hochmodernen Produktionsanlagen inklusive der eigens zu diesem Zweck errichteten Betriebs- und Strahlenschutzgebäude werden Ende November 2006 in Anwesenheit des damaligen Mitglieds des Med-Bereichsvorstands Siegfried Russwurm eröffnet.
Globales Kompetenzzentrum für Mechatronik@Healthcare
Im 21. Jahrhundert angekommen nimmt der Healthcare-Standort Kemnath weitere strukturelle Veränderungen in Angriff: Die Effekte aus der Implementierung des Siemens Produktionssystems sind so beeindruckend, dass Kemnath innerhalb der Siemens AG für seine ausgezeichneten Prozessabläufe bekannt wird. Auf Basis dieser Erfolge definiert Siemens Kemnath weitere strategische Maßnahmen wie das Projekt „Footprint“, das dem Standort im Herbst 2011 die Auszeichnung „Fabrik des Jahres“ in der Kategorie „Hervorragendes Veränderungsmanagement“ einbringt.
Heute konzentriert sich Siemens Kemnath konsequent auf seine Kernkompetenzen im Bereich Mechatronik. Aus der einstigen „verlängerten Werkbank“ ist ein weltweit agierendes Kompetenzzentrum für komplexe mechatronische Komponenten geworden.
23. Mai 2012 – Nina Blachut / Sabine Dittler