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Neues Sicherheitskonzept

Resistent gegen Ausfälle

Automatisierte und zentralisierte Bahnleitsysteme sind eine gute Sache – aber empfindlich, da sie oft an einem Standort konzentriert sind. Siemens und die BLS realisieren ein neues Sicherheitskonzept, welches selbst dem schlimmstmöglichen Notfall einen Teil von seinem Schrecken entzieht.

Iltis heisst das Zauberwort. Es steht für «Integriertes Leit- und Informationssystem». Das System steuert und überwacht auf einem grösseren, durchgehend mit fernsteuerbaren Stellwerken ausgerüsteten Streckenabschnitt (Zelle genannt) den gesamten planmässigen Zugverkehr, solange keine ausserordentlichen Vorkommnisse eintreten. In Ausnahmesituationen greift ein Fahrdienstleiter ein. Die SBB betreiben 37 Zellen, die BLS kommt mit 7 Iltis-Zellen aus. Von diesen sind drei in Frutigen aufgebaut, je zwei in Bern Weissenbühl und in Hasle-Rüegsau. Die Fernbedienung der sieben BLS-Zellen erfolgt aus der Betriebszentrale in Spiez. Für sämtliche Iltis-Zellen der SBB gilt, dass für jede Zelle eine Reservezelle an einem anderen Standort parallel mitläuft. Sollte ein Standort total ausfallen (etwa durch einen Grossbrand oder ein anderes katastrophales Ereignis), übernimmt die Reservezelle dessen Aufgaben.

Intelligentes Halbzellenkonzept

Im Falle einer Katastrophe gehen die am Hauptstandort der Zelle verarbeiteten Prozessdaten, wie zum Beispiel der aktualisierte und mit allfälligen Änderungen versehene Fahrplan (Verspätungen, aussergewöhnliche Kreuzungen usw.), verloren. Das Problem liegt darin, dass für diese Sonderfälle keine Sicherheitskopie geführt wird. Sie müssen somit manuell neu eingegeben werden, was vor allem bei grösseren Regionen mit vielen Zellen schwierig werden und allenfalls auch zu einem nicht ganz optimalen Verkehrsfluss führen kann. Das neue Halbzellenkonzept von Siemens Schweiz, das derzeit für die BLS entwickelt wird, beseitigt diesen Mangel durch eine im Prinzip einfache, in der Realität aber komplexe Modifikation der Systemarchitektur. In einem Satz: Es werden künftig keine Reservezellen mehr betrieben, sondern die Hauptzellen werden geteilt und je hälftig an unterschiedlichen Standorten installiert.

Die Natur als Vorbild

Für eine konkretere Beschreibung wagen wir uns an einen zugegebenermassen unrealistischen, aber leicht verständlichen Vergleich mit der Biologie. Wir nehmen an, dass die Haupt- und ihre Reservezelle (also die heutige Konstellation) eineiige Zwillinge seien: Sie haben die gleichen Fähigkeiten, denselben Charakter und dank identischer Schulbildung auch genau das gleiche Wissen. Aber sie haben nicht die gleiche Kurzzeiterfahrung und können sich deshalb nicht absolut identisch verhalten. Die Halbzelle hingegen ist die Hälfte der Hauptzelle und verhält sich zu dieser wie ein Klon, nämlich immer absolut identisch, auch im Betrieb, auch bei der Bearbeitung von Prozessdaten. Systemtechnisch bilden die beiden eine Einheit, auf zwei Standorte verteilt. Bei einer katastrophalen Störung läuft der Bahnbetrieb ganz normal weiter, einzig die Reservekapazität fällt weg. Das wäre insbesondere dann von grossem Nutzen, wenn eine solche Störung den Lötschberg-Basistunnel betreffen würde. Im heutigen Zustand käme es beim Ausfall der betreffenden Iltis-Zelle zum Stopp aller betroffenen Züge, zum Neustart des Systems von der Ersatzanlage aus und zur gestaffelten Wiederaufnahme des Betriebs. Mit der Halbzellen-Architektur würden sämtliche Züge regulär weiterfahren.

Sepp Moser
Picture credits: BLS