Tools


Siemens Worldwide

Pictures of the Future

Contact

Kontakt

sts.components.contact.mr.placeholder Sebastian Webel
Herr Sebastian Webel

Chefredakteur

Tel: +49 89 636-32221

Fax: +49 89 636-35292

Werner-von-Siemens-Straße 1
80333 München

Pictures of the Future
Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Urbane Mobilität

Digitale Pionierfahrt

Die Gornergrat Bahn war die erste, voll elektrifizierte Zahnradbahn der Schweiz. Noch heute setzt sie technische Maßstäbe.

Die Gornergrat Bahn und Siemens Schweiz haben gemeinsam das weltweit erste Bahnleitsystem realisiert, das in einer Cloud betrieben wird. Im Gegensatz zu bisherigen Lösungen wird die Leittechnik mit der gesamten IT-Infrastruktur und Anwendungssoftware bei Siemens aufgebaut und der Gornergrat Bahn virtuell zur Verfügung gestellt. Nach einer mehrmonatigen Testphase wird das System seit Anfang Januar 2017 im Regelbetrieb eingesetzt.

Bereits seit 20 Jahren steuert und überwacht das Integrale Leit- und Informationssystem „Iltis“ von Siemens den Zugbetrieb der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) sowie zahlreicher Schweizer Privatbahnen. So auch bei der Gornergrat Bahn (GGB), die seit 1898 mit ihren Zahnrädern die rund 1.500 Höhenmeter zwischen Zermatt und dem 3.089 Meter hohen Gornergrat erklimmt – wo den Besucher bei gutem Wetter ein Traumpanorama erwartet.

Die Fahrt vom Bahnhof Zermatt direkt auf den Gipfel des Gornergrats dauert 33 Minuten. Dabei überwindet der Zug 1.469 Höhenmeter.

Bei der zweithöchsten Bahn Europas spielen Wolken aber ab sofort nicht mehr nur auf dem Berg eine Rolle, sondern auch beim Betrieb der Züge. Denn hier kommt nun eine virtuelle Iltis-Lösung zum Einsatz – das erste Mal weltweit. Dank dem Cloud-basierten "Iltis as a Service" hat die GGB die Möglichkeit, sämtliche Funktionen ihres Bahnleitsystems als Service per Lizenzgeschäft zu beziehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Teure Investitionen in Hard- und Softwaresysteme entfallen. Zudem können etwaige Wartungsarbeiten direkt bei Siemens vorgenommen werden, ohne dass ein Techniker anreisen muss. Für die Bedienung des Leitsystems, mit dem unter anderem das Gesamtsystem überwacht und die Weichen gestellt werden, ist weiterhin der Fahrdienstleiter in Zermatt verantwortlich; die gesamte dahinterliegende Technologie- und Rechnerleistung ist im Siemens-Datacenter in Wallisellen installiert.

Das Panorama auf dem Gornergrat gilt als eines der schönsten weltweit. Nicht nur wegen des Monte-Rosa-Massivs: Besucher blicken von hier aus auf 29 Berge, die höher als 4.000 Meter sind.

Sicherheit hat Priorität

Um die Iltis-Funktionen gewohnt zuverlässig und sicher anbieten zu können, ist "Iltis as a Service" nach dem "3-Rechner-Prinzip" aufgebaut. Über eine redundante Standleitung sind die Siemens-Server mit den Iltis-Arbeitsplätzen in Zermatt verbunden. Zentral für die Realisierung war der Schutz der Leitungen gegen eventuelle Fremdeinwirkungen. Dieser wird durch den Einsatz neuester Sicherheitstechnologie gewährleistet. Als zusätzliche Sicherheitsebene hat der Fahrdienstleiter bei Bedarf die Option, einen Ersatzcomputer vor Ort zu aktivieren, mit dem die Stellwerke der GGB wieder autonom von Zermatt aus bedient werden können.

Für den erstmaligen Einsatz von "Iltis as a Service" musste beim Bundesamt für Verkehr (BAV) bei Bern eine Bewilligung für den Testbetrieb eingeholt werden, die im Juni 2016 erteilt wurde. Die Erfahrungen aus dem von August bis Dezember 2016 durchgeführten Testbetrieb sind durchweg positiv und haben alle Erwartungen erfüllt. Der seit Anfang 2017 laufende Regelbetrieb unterstreicht die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Cloud-Lösung.

Benno Estermann
Picture credits: von oben: 1. Bild Steffen Schnur/Moment Editrial/Getty Images, 2. Bild mauritius images/hanmon/Alamy, 3. Bild mauritius images/Helene ROCHE Photography/Alamy