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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Elektromobilität

Purzelnde Rekorde am Himmel

Hoch hinaus: Das Kunstflugzeug Extra 330LE, angetrieben mit einem Siemens-Motor, fliegt derzeit Rekord für Rekord ein.

Das Kunstflugzeug Extra 330LE, ein Elektroflieger, ausgerüstet mit einem Antriebssystem von Siemens, jagt Rekord nach Rekord. Angetrieben wird er von einem Siemens-Motor mit Bestwerten: Bei einer elektrischen Dauerleistung von 260 Kilowatt wiegt er nur 50 Kilogramm und weist damit ein unerreichtes Leistungsgewicht auf. Zusätzlich gelang dem Kunstflugzeug ein Weltrekord im Steigflug – in nur vier Minuten und 22 Sekunden erreichte der Pilot eine Höhe von 3.000 Metern und unterbot den bisherigen Rekord um über eine Minute. Nun gelang dem Flugzeug mit 340 km/h die höchste Geschwindigkeit im Geradeausflug und der weltweit erste Flugzeugschlepp eines Elektroflugzeugs.

Hünxe ist eine beschauliche Gemeinde am unteren Niederrhein – mit kleinem Heimatmuseum und Marktplatz. Eine Gemeinde wie viele andere – wäre in Hünxe nicht ein Flugplatz, der seit dem 25. November 2016 in den Rekordbüchern der Luftfahrt steht. Denn hier gelang dem Piloten Walter Extra mit dem Kunstflugzeug Extra 330LE ein neuer Weltrekord im Steigflug. Mit einem elektrischen Antriebssystem von Siemens erreichte das Elektroflugzeug in nur vier Minuten und 22 Sekunden eine Höhe von 3.000 Metern. Pro Sekunde stieg die Maschine 11,5 Meter in die Luft.

Den alten Rekord um mehr als eine Minute unterboten

Den bisherigen Rekord – aufgestellt vom US-Amerikaner William M. Yates im Jahr 2013 – unterbot Walter Extra um eine Minute und 10 Sekunden. Der Weltluftsportverband Fédération Aéronautique Internationale (FAI) erkannte den Rekordflug an. Nun ist er in der Kategorie „Elektroflugzeuge mit einem Gewicht bis zu 1.000 Kilogramm“ verewigt.

Erst im Juni 2016 gelang, auch auf dem Flugplatz Schwarze Heide in Hünxe, der Erstflug des Antriebssystems. Herzstück ist ein Elektromotor von Siemens, ebenfalls Weltrekordhalter: Er weist ein Leistungsgewicht von 5 Kilowatt pro Kilogramm aus, liefert er doch 260 Kilowatt elektrische Dauerleistung bei einem Gesamtgewicht von nur 50 Kilogramm.

Wieder ein Eintrag in die Rekordbücher: Frank Anton (rechts), Leiter eAircraft in der Start-up-Einheit next47, gratuliert dem Piloten Walter Extra. Ihm gelang am 25. November 2016 ein Weltrekordflug im Steigflug.

Zweifacher Geschwindigkeitsrekord

Die nächsten Rekorde ließen nicht lange auf sich warten: So hat das Flugzeug am 23. März 2017 zwei neue Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Der Elektroflieger erreichte über eine Distanz von drei Kilometern eine Höchstgeschwindigkeit von 337,50 Kilometer pro Stunde. Damit konnte der Pilot Walter Extra den bisherigen Weltrekord des US-Amerikaners William M. Yates aus dem Jahr 2013 um 13,48 km/h überbieten. Der Weltluftsportverband Fédération Aéronautique Internationale (FAI) hat den Rekordflug in der Kategorie „Elektroflugzeuge mit einem Gewicht bis zu 1.000 Kilogramm“ offiziell anerkannt. Auch in der Kategorie „über 1.000 Kilogramm“ konnte die Extra einen neuen FAI-Weltrekord aufstellen: Testpilot Walter Kampsmann trieb den Elektroflieger in leicht angepasster Konfiguration mit einem Gesamtgewicht über einer Tonne auf rund 343 km/h.

Am 24. März 2017, gab die „Extra 330LE“ eine weitere Premierenvorstellung: als weltweit erster Elektroflieger schleppte sie ein Segelflugzeug in die Höhe. Der nahezu lautlose Flugzeugschlepp von Pilot Walter Extra brachte eine LS8-neo in nur 76 Sekunden auf 600 Meter.

Herausragende Leistungsfähigkeit

„Das sind weitere Meilensteine auf dem Weg zur Elektrifizierung der Luftfahrt“, sagte Frank Anton, Leiter eAircraft in der Siemens-Start-up-Einheit next47. „Diese enorme Leistung wurde nur durch digitale Technologien möglich, mit denen wir unseren Antriebsstrang bis ans technische Limit optimieren konnten.“ Die rund 1.000 Kilogramm schwere Extra 330LE dient als Erprobungsträger für den neuen Antrieb.  

Hybrid-elektrische Regionalflugzeuge

Das zweisitzige Flugzeug ist für die nächsten Jahre der ideale Erprobungsträger, wenn es darum geht, das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten zu analysieren und weiterzuentwickeln. Die Technologie bringt Siemens zudem in seine Kooperation mit Airbus zum elektrischen Fliegen ein, die beide Unternehmen im April 2016 vereinbart hatten. Sie wollen bis 2020 die technische Machbarkeit hybrid-elektrischer Antriebssysteme für Regionalflugzeuge mit bis zu 100 Passagieren nachweisen. Dabei geht es um Leistungen bis zu 10 Megawatt. Auf Basis des Rekord-Motors werden die beiden Partner hybrid-elektrische Regionalflugzeuge entwickeln. „Bis 2030 erwarten wir erste Maschinen mit bis zu 100 Passagieren und rund 1.000 Kilometern Reichweite“, erklärt Anton.

Ulrich Kreutzer