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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Die Zukunft der Mobilität

Mehr Stadt statt Auto

Im Kommen: Nicht zuletzt dank des Pedelec-Trends steigen immer mehr Stadtbewohner aufs Fahrrad um.

Das Idealbild der autogerechten Stadt hat ausgedient. Mobilität in Ballungsräumen heißt heute: Verkehrsträger intelligent vernetzen – auch für den explodierenden Wirtschaftsverkehr.

2050 werden 70 Prozent der Menschen in Städten leben. Es drohen noch mehr Raumknappheit, verschmutzte Luft und überlastete Infrastrukturen. Die Zahlen der Urbanisierung mahnen, dass sich der Erfolg der Verkehrswende in den Ballungsräumen entscheiden wird.

Die gute Nachricht: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO haben Städte die Möglichkeit, ihre Luftqualität durch lokale Maßnahmen deutlich zu verbessern – sei es mittels moderner und effizienter Lösungen für eine smarte Infrastruktur oder aber auch mit einfachen, kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen wie Verkehrsregelungen oder attraktiven Angeboten für Fußgänger und Radfahrer.

Und tatsächlich: In vielen großen Städten dieser Welt geht die Nutzung privater Pkws zurück, dagegen werden mehr Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß zurückgelegt. Das frühere Idealbild der autogerechten Stadt hat zum großen Teil ausgedient.

Zukunft auf Rädern: Der StreetScooter ist ein elektrisch betriebener Lieferwagen – entwickelt und genutzt von der Deutschen Post.

CO2-neutrales Amazonpaket – in Zukunft möglich?

Dass weniger Autoverkehr bessere Luft bedeutet, beweist zum Beispiel London. Die britische Hauptstadt führte vor zehn Jahren im Innenstadtbereich die City-Maut ein, die mithilfe von ausgeklügelter Siemens-Technik erhoben wird. Der Lohn: 20 Prozent weniger Verkehr, zwei Drittel weniger Staus und 150.000 Tonnen CO2 weniger pro Jahr.

Allerdings steigt derzeit der Wirtschaftsverkehr, vorwiegend mit Dieselfahrzeugen, stark an, vor allem durch Paketlieferungen des stets wachsenden Onlinehandels – und dieser macht auch vor Mautzonen nicht halt. Ein klimaneutraler Wirtschaftsverkehr wäre aber dennoch möglich, etwa durch den Einsatz elektrischer Nutzfahrzeuge – wie der von der deutschen Post entwickelte StreetScooter, bei dem auch Siemens mitgearbeitet hat.

Alternativen zur Straße: Riad plant das größte Metroprojekt der Welt.

Attraktiver Nahverkehr ist ein Muss

Das Beispiel zeigt: Einfach Autos zu verbieten, das ist keine Lösung. Es müssen vielmehr Alternativen angeboten werden – nicht nur für die Straße, sondern auch im Schienenverkehr. Welch große Anstrengungen manche Städte hier unternehmen, zeigt das Beispiel Riad. Die Fünf-Millionen-Stadt in Saudi-Arabien wächst rasant und plant nun mit 175 Kilometern das größte Metroprojekt der Welt. Die Züge dafür kommen von Siemens, das zuvor schon fahrerlose U-Bahnen für die Stadt gebaut hat.

Riad wächst rasant und plant nun mit 175 Kilometern das größte Metroprojekt der Welt. Die Züge dafür kommen von Siemens.

Freie Fahrt fürs Rad

Aber: Metros fahren nicht bis vor die Haustür. Die Vernetzung von Mobilität muss auch in der Fläche geschehen – Integrated Mobility, die clevere Kombination mehrerer Verkehrsmittel, lautet hier das Stichwort. Das Fahrrad hat dabei eine zunehmende Bedeutung, auch weil der Erfolg der E-Bikes für viele Städter den Einstieg in die Elektromobilität bedeutet. Gefördert werden könnte der Umstieg aufs Rad durch Lösungen wie die Smartphone-App SiBike von Siemens, die Fahrradfahrern eine Grüne Welle ermöglicht. Nähert sich der Radler einer Kreuzung, kommuniziert die App mit der Ampel, die automatisch auf Grün schaltet.

Grüne Welle für Radfahrer: Die App SiBike von Siemens.

Solche Infrastrukturprojekte sind sichtbare Maßnahmen, um die Verkehrswende in Städten zu bewältigen. Die eigentliche Revolution ist indes unsichtbar: die Digitalisierung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Stadtplaner und Verwaltungen genügend Informationen bekommen, um nachhaltige Entscheidungen treffen zu können. Städte könnten sogar so smart werden, dass sie sich automatisch auf Effizienz trimmen.

Digitale Infrastrukturen

Ein Vorzeigeprojekt läuft gerade in Singapur an. Der Stadtstaat will sich zur Smart Nation entwickeln und setzt dazu MindSphere ein. Dabei handelt es sich um ein Betriebssystem von Siemens für das Internet der Dinge – ein gigantischer Werkzeugkasten, um die Leistungsfähigkeit städtischer Infrastrukturen zu verbessern, im Falle Singapurs von der Energieversorgung über Gesundheitsdienstleistungen bis hin zur Mobilität.

Auch wenn manches futuristisch sein mag: Die Stadt von morgen wird nicht grundlegend anders aussehen. Das sagt Carlo Ratti, Professor am MIT Department of Urban Studies and Planning in Cambridge, Massachusetts, in den USA. Ändern werde sich der Einsatz digitaler Technologien. Laut dem Experten werden unsere Städte „zu einer Art Open-Air-Computer“. Dieser vernetzt Verkehrsträger intelligent – für mehr Nachhaltigkeit und eine höhere Lebensqualität.

Bernd Müller
Picture credits: von oben: gettyimages, Imago, gettyimages