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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Die Zukunft der Mobilität

Multimodales Reisen einfacher machen

Schon länger gibt es umweltfreundlichere Alternativen zum eigenen Auto. Was es aber bisher kaum gab, ist eine komfortable Möglichkeit, die Angebote verschiedener Verkehrsbetriebe mittels einer Plattform miteinander zu vernetzen und für die Reisekette optimal zu nutzen. Erst das macht den Umstieg auf Bus und Bahn attraktiv.

Sparsame Elektroautos allein führen nicht dazu, die Emission von Treibhausgasen deutlich zu verringern. Angesichts des weltweit steigenden Verkehrsaufkommens sind wirksamer Klimaschutz und Stauvermeidung nur möglich, wenn weniger Kilometer im eigenen Auto zurückgelegt werden. Siemens-Technologie soll das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel noch einfacher machen.

Das Auto am Bahnhof stehen lassen, mit dem Zug fahren und am Zielort mit dem Bus oder einem Leihfahrrad pünktlich zum Termin oder zur Arbeit kommen – theoretisch ist es so einfach, zeitweise auf das eigene Auto zu verzichten. In der Praxis jedoch scheitert das multimodale Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln häufig an Kleinigkeiten. So ist es oft notwendig, auf einer Reise mehrere Apps zu nutzen, bei denen man sich einzeln vorab registrieren muss. Allein daran kann der spontane Umstieg etwa auf ein Leihfahrrad scheitern. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus der Schweiz. Die Südostbahn (SOB) aus Sankt Gallen hat mit Unterstützung von Siemens die neue Mobilitätsplattform „abilio“ aus der Taufe gehoben. Eine Besonderheit der zugehörigen Smartphone-App: Sie berücksichtigt bei der Routenwahl anhand des Nutzerprofils auch das eigene Auto des Nutzers als Teil der Reisekette und ermöglicht es sogar, automatisch die Parkgebühren am Bahnhof zu bezahlen. Die Partner erproben derzeit auch ein neues Ticketsystem: Statt die Fahrkarte vorab zu lösen, wird die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegte Strecke anhand des Smartphones über eine Bluetooth-Verbindung automatisch ermittelt und anschließend abgerechnet.

„abilio“ berücksichtigt bei der Routenwahl auch das eigene Auto und bezahlt sogar automatisch die Parkgebühren am Bahnhof.

Dass nahtloses multimodales Reisen noch nicht überall so reibungslos funktioniert, liegt an fehlender Integration auf verschiedenen Ebenen. Steven Ahlig, Leiter Innovative Technologies bei Siemens Mobility Management, erläutert: „In der Regel müssen Angebote verschiedener Verkehrsbetriebe miteinander vernetzt werden. Die für die Integration notwendige IT-Plattform stellen wir zur Verfügung.“ Im Idealfall merkt der Kunde davon gar nichts. Was er jedoch wahrnimmt, ist die Qualität der Routenführung. „Die Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Routing-Technologien sind erheblich“, sagt Ahlig. Mit der Akquisition des Softwareanbieters HaCon aus Hannover hat Siemens eines der besten Routenplanungssysteme übernommen. Und nicht nur das: „Wir haben unsere Kompetenz bei der Gestaltung nutzerfreundlicher Apps deutlich ausgebaut“, so Ahlig. Dass damit tatsächlich mehr Menschen zum Umsteigen bewegt werden können, zeigt ein Beispiel aus Frankreich. Nach Einführung eines neuen Routingsystems und der zugehörigen Nutzeroberflächen konnte ein führender französischer Transportbetreiber seinen Umsatz für Reisen mit mehreren Segmenten um mehr als fünf Prozent steigern. An immer mehr Orten in der Welt sorgt künftig Software von Siemens für nahtloses Reisen. So gehen in Kürze neue Mobilitätsplattformen für Dubai und den Münchner Flughafen an den Start. Letztere bietet eine Funktion, die gestressten Flugreisenden höchst willkommen sein dürfte: Der digitale Reiseassistent begleitet sie von der Haustür bis zum Gate – auch wenn sich dieses in letzter Minute noch einmal ändert.

Weniger Berufspendler – dank der Digitalisierung

Zudem, so die Hoffnung vieler Experten, könnte sich durch die Digitalisierung der Arbeitswelt die Zahl der Berufspendler insgesamt verringern. Entsprechende Verfügbarkeit von Breitbandnetzen vorausgesetzt, könnte das gelegentliche „Home Office“ für viele Arbeitnehmer zum Normalfall werden. Angenehmer Nebeneffekt ist die gesparte Lebenszeit: Im Schnitt wenden US-Amerikaner 79 Minuten pro Tag für den Weg zum Arbeitsplatz und zurück auf, in Deutschland sind es immerhin 60 Minuten. Ein effizienteres Verkehrsmanagement, vor allem in den stark belasteten Metropolen, stellt einen weiteren Baustein höherer Effizienz dar – der sich zudem auszahlt. Allein für Deutschland rechnet der Branchenverband BITCOM, der in Deutschland mehr als 2.500 Unternehmen der digitalen Wirtschaft vertritt, mit Einsparungen in Höhe von 4,4 Milliarden Euro, die durch einen besseren Verkehrsfluss zu erzielen sind.

Johannes Winterhagen
Picture credits: Panthermedia