Tools


Siemens Worldwide

Pictures of the Future

Contact

Kontakt

Herr Sebastian Webel
Herr Sebastian Webel

Chefredakteur

Tel: +49 89 636-32221

Fax: +49 89 636-35292

Werner-von-Siemens-Straße 1
80333 München

Pictures of the Future
Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Die Zukunft der Mobilität

Vollautomatisch bis vor die Tür

Das Smartphone: es wird zu einem integralen Bestandteil des individuellen und zugleich gemeinschaftlichen Verkehrs.

Autonome Fahrzeuge können den Straßenverkehr künftig deutlich entlasten, wenn sie verstärkt gemeinschaftlich genutzt werden. Dazu gehören etwa Sammelfahrzeuge, die sich per Smartphone an die Haustür rufen lassen. Und auch der öffentliche Nahverkehr kann dank Automatisierung und Vernetzung flexibler werden.

Vielleicht wird der automatische Chauffeur schon in einigen Jahren Alltag sein. Ein Tippen auf das Smartphone genügt, und schon kommt ein fahrerloses Gefährt herangerollt – um den Fahrgast zum Bahnhof oder zum Einkaufen zu bringen. Ganz so automatisch geht es heute noch nicht. Aber moderne Carsharing-Dienste zeigen, dass sich in den Großstädten vor allem jene Mietfahrzeuge zunehmender Beliebtheit erfreuen, die man flexibel irgendwo in der Stadt nutzen und wieder abstellen kann. Ein öffentlicher Fuhrpark automatischer Fahrzeuge ist da ein sinnvoller nächster Schritt. Simulationen für die Städte Lissabon, Pittsburgh und Singapur zeigen, dass sich durch die Automatisierung des Nahverkehrs und eine stärkere gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen mit nur 10 bis 30 Prozent des heutigen Fahrzeugbestands die gegenwärtige Nachfrage nach Mobilität decken lässt.

Es ist erforderlich, dass der öffentliche Verkehr künftig das Bedürfnis nach individueller Mobilität stärker erfüllt als heute.

Das Smartphone: Schlüssel zur individuellen Mobilität

In derartigen Szenarios wird das Smartphone zu einem integralen Bestandteil des individuellen und zugleich gemeinschaftlichen Verkehrs. Voraussetzung ist, dass Fahrzeuge tatsächlich verstärkt gemeinschaftlich genutzt werden. Andernfalls könnte die Automatisierung des Personentransports in den nächsten Jahren auch zu höherem Verkehrsaufkommen führen – beispielsweise, wenn Autobesitzer ihr autonomes Fahrzeug in der Stadt zirkulieren lassen, um Parkgebühren zu sparen. Oder auch, weil man künftig im selbstfahrenden Auto unterwegs anderen Tätigkeiten nachgehen kann, sodass lange Fahrzeiten nicht mehr schrecken. Das könnte Reisende dazu verleiten, von der bisher stark fahrplanabhängigen Bahn auf das flexible Auto umzusteigen.

Die bayerische Gemeinde Freyung zeigt, dass "On-Demand-ÖPNV" schon heute funktioniert.

Insofern ist es erforderlich, dass der öffentliche Verkehr künftig das Bedürfnis nach individueller Mobilität stärker erfüllt als heute. Und auch, dass ein schnelles Reisen von Tür zu Tür realisiert wird. Dazu kann die Automatisierung des öffentlichen Nahverkehrs beitragen. So werden Busse oder Sammelfahrzeuge dank der Vernetzung per Smartphone künftig auch von den festen Routen abweichen und sich vor die Haustür rufen lassen. Dass das funktioniert stellt die bayerische Gemeinde Freyung mit ihrem „On-Demand-ÖPNV“ derzeit schon unter Beweis. Eine Fahrt wird sich zudem per Smartphone-App einfach buchen und bezahlen lassen, wobei man Carsharing, Nahverkehr oder das Mietrad nahtlos miteinander verknüpfen kann. Siemens entwickelt gemeinsam mit Städten, öffentlichen Verkehrsbetrieben und Forschungsinstituten solche Verkehrskonzepte der Zukunft.

Ungewohnte Perspektive: Vollautomatische U-Bahnen – wie diese in Paris – verbessern die Streckenauslastung deutlich.

Attraktiver Nahverkehr: die Alternative zum Auto

Nahverkehrsunternehmen werden ihre Flotte an dieses Bedürfnis nach mehr Individualität anpassen müssen. Dafür wären selbstfahrende Kleinbusse bestens geeignet, die die Lücke der letzten Meile zwischen Haustür und beispielsweise der U-Bahn schließen. Diese Kleinbusse werden künftig fahrerlose U-Bahnen ergänzen, die es heute bereits gibt. In Barcelona etwa verkehrt die Linie 9 auf einer 20 Kilometer langen Strecke vollautomatisch. Die von Siemens entwickelte U-Bahn verfügt über eine automatische Zugsteuerung, die permanent Daten über die genaue Position und die aktuelle Geschwindigkeit liefert. So wird die Auslastung der Strecke verbessert und die Züge können bei Bedarf in engerem Takt fahren. Auch bei der S-Bahn, die in Istanbul seit drei Jahren unter dem Bosporus verkehrt, wird dank Siemens automatisch permanent die Position gemessen. Diese wird von Sensoren an der Strecke erfasst und an die Zentrale gesendet. Zwar ist die Bahn nicht fahrerlos, doch dank der ausgeklügelten Technik können die Züge je nach Auslastung der Strecke schneller und im Zweiminutentakt fahren. Pro Stunde passieren so in beiden Fahrtrichtungen bis zu 75.000 Menschen die Pendlerstrecke unter der Meerenge – ganz ohne Stau.

Wie man sieht, ist die Automatisierung des gemeinschaftlichen Verkehrs bereits in vollem Gange. Mit dem autonomen Auto wird sie noch einmal einen großen Schritt machen – hin zu einem vernetzten Gesamtsystem, das im Idealfall mit deutlich weniger Fahrzeugen auskommt.

Tim Schröder
Picture credits: von oben: Panthermedia, door2door, AFP