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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

3D-Druck

Ab in die Lüfte

3D-Druck - bereit zum Abheben: In Zukunft soll die Additive Fertigung verstärkt in der Luftfahrtindustrie Fuß fassen. Die Airline Etihad lässt sich bereits erste Bauteile drucken. Im Bild: Ein Etihad Airbus A330-343 in Frankfurt am Main.

Ob Brennerspitzen für Gasturbinen, Armlehnen für Straßenbahnen oder Klemmkästen für die Hochgeschwindigkeitszüge der Deutschen Bahn – dank Siemens wird die Additive Fertigung bereits in vielen Gebieten angewendet. Nun folgt die Luftfahrt: Zusammen mit dem Flugzeugteilehersteller Strata druckt Siemens das erste Bauteil für die Passagierflugzeuge von Etihad. Es ist der Beginn einer langfristigen Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten.

In einem Passagierflugzeug müssen alle Teile der Kabinenausstattung perfekt sitzen. Bei der Fluggesellschaft Etihad passten die Rahmen für die Monitore bisher nicht ohne Nachbearbeitung dazu  – ein Umstand, der bei Etihad viel Aufwand verursachte.

Siemens Middle East unterstützt nun den Flugzeugteilehersteller Strata mit technologischem Know-how und Beratung dabei, einen solchen Rahmen mittels 3D-Druck herzustellen. In diesem Verfahren, auch bekannt als Additive Fertigung, werden Bauteile auf Basis von 3D-Konstruktionsdaten Schicht für Schicht (additiv) aufgebaut – aus Kunststoffen, Metallen und anderen Werkstoffen.

Im Visier: Als nächstes wollen die Kooperationspartner ein Außenteil aus Metall zu drucken.

Partnerschaft mit Zukunft

Die Zusammenarbeit zwischen Strata und Siemens ist erst der Anfang. Neben dem Monitorrahmen planen Strata und Siemens bereits, ein Außenteil aus Metall zu drucken. Das Ziel: eine erfolgreiche „Co-Kreation mit dem Kunden“. Sprich: gemeinsam mit Strata in diesem innovativen Markt Fuß zu fassen sowie wettbewerbsfähiger und damit in dem Geschäft erfolgreicher zu werden.

Dahinter steckt die Intention der Vereinigten Arabischen Emirate, künftig verstärkt auf die digitale Industrie als drittes Standbein zu setzen – neben der Erdölförderung und dem Tourismus. Hierfür haben der arabische Staatsfonds Mubadala Development Company und Siemens auch bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Neues wagen

Siemens unterstützt zum ersten Mal einen Kunden dabei, additiv gefertigte Teile für die Luftfahrt herzustellen. Eine Herausforderung: „Bevor der Rahmen verbaut werden darf, muss er von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA abgenommen werden“, erklärt Assem Khalaili, Leiter von Industry Customer Services Middle East. „Für diese Zertifizierung gibt es noch keinen Prozess bei Siemens, aber zum Glück können wir hier auf die Erfahrungen von Mobility zurückgreifen. Denn Teile für den Zugbetrieb müssen ebenfalls in der höchsten und somit vergleichbaren Schutzklasse zertifiziert sein."

Blick in die Kabine: Innenansicht einer Etihad-Boeing 777-300.

Der Grund, warum der Vertrag mit Strata überhaupt zustande kam, war der Erfahrungsaustausch zwischen den Siemens-Divisionen: Power Generation Services nutzte 3D-Druck als Erstes, um Brennerspitzen für Gasturbinen herzustellen. Die Experten gaben ihr Wissen an den Kundenservice von Mobility weiter, der heute Ersatzteile für die Bahnindustrie herstellt. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich das Siemens-interne Programm „Industrialization of Additive Manufacturing“, in dem die Siemens-Divisionen und Corporate Technology Additive Fertigung gemeinsam vorantreiben.

Schließlich erfuhr Strata von dieser Initiative und bat Siemens für die Herstellung besagter Bauteile um Unterstützung in puncto additiver Fertigung

Deren erster Einsatz ist auch bereits terminiert: Der Monitorrahmen und das Außenteil aus Metall werden im März auf dem „Global Manufacturing and Industrialization Summit Middle East“ offiziell vorgestellt, ehe sie verbaut werden und ihren Flugbetrieb aufnehmen. Spätestens damit hat der Höhenflug der additiven Fertigung offiziell begonnen.

Ursula Derichs
Picture credits: von oben: 1. Bild imago, 4. gettyimages