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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Innovationen: Erfinder des Jahres 2016 - Dr. Roland Gersch

Open Innovation: Start-up Caterva macht Privathäuser zu Energieversorgern

Roland Gersch hat die im Siemens-Konzern geborene Idee des netzdienlichen Photovoltaik-Stromspeichers bei Caterva marktreif gemacht und so die Kommerzialisierung einer völlig neuen Technik ermöglicht. Er erhielt die Siemens-Auszeichnung "Erfinder des Jahres 2016" in der Kategorie Open Innovation.

Open Innovation bedeutet, über Unternehmensgrenzen hinweg Neues zu entwickeln. Caterva hat es geschafft, sich als junges Unternehmen im Umfeld der Dezentralen Energieversorgung zu etablieren – einem umkämpften Markt. Die Technologie von Caterva – einer Siemens-Ausgründung – ermöglicht es, Solarstrom zu speichern und in das Netz einzuspeisen. Dr. Roland Gersch, Technischer Leiter von Caterva, wurde als Erfinder des Jahres 2016 in der Kategorie Open Innovation ausgezeichnet.

Technischer Leiter, Firmengründer, Manager und Softwareentwickler: Der Erfinder Roland Gersch übt mehrere Rollen aus und ist daher viel beschäftigt. Das junge Unternehmen Caterva hat der 37-Jährige zusammen mit zwei Mitgesellschaftern 2013 als eine Ausgründung von Siemens an den Start gebracht. Die Firma ist jetzt Teil von next47, der neuen Unternehmenseinheit von Siemens. Hier werden Start-ups mitgegründet, gecoacht und finanziert. Neue Ideen sollen so schneller und jenseits der Beschränkungen eines großen Konzerns zum Geschäftserfolg gebracht werden.

Caterva ist ein Musterbeispiel dafür, wie Ideen, die bei Siemens entstanden, aber in puncto Geschäftsidee außer- halb des bestehenden Portfolios stehen, dennoch erfolg- reich weiterentwickelt werden: Ein Teil der Caterva-Software wurde von Siemens-Forschern entwickelt und dann der neuen Firma zur Verfügung gestellt. Das Geschäftsmodell: Caterva verfügt über derzeit 65 Solarstromspeicher und bietet flexibel Regelleistung an, um das Stromnetz zu stabilisieren. Das wird von Netzbetreibern lukrativ vergütet. Die Speicher, die wie ein Schwarm (lateinisch Caterva) intelligent gesteuert werden können, werden von Photovoltaik-(PV-) Anlagen gespeist. Im Oktober hat das bayerische Wirtschaftsministerium Caterva dafür  mit  dem Energiepreis 2016 ausgezeichnet.

Die Energie effektiver nutzen: Mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach können Haushalte den Strom selbst nutzen oder einen Teil ihres Batteriespeichers an die Stromnetzbetreiber vermieten.

Gersch entwickelte seinerzeit als Venture Manager bei Siemens neuartige Geschäfts-modelle im Energie- und Automatisierungsbereich. Als Caterva 2013 gegründet wurde, wechselte der Erfinder und übernahm beim Start-up die Aufgabe des Technischen Leiters. Gersch fasziniert dabei die Komplexität des Geschäftsmodells: Seine Firma bietet nicht nur Besitzern von PV-Anlagen, sondern auch Energieversor-gungsunternehmen eine ausgereifte Technologie an. Caterva verdient darüber hinaus Geld, indem es im Schwarm produzierte Regelleistung zur Stabilisierung  des Stromnetzes bereitstellt.

Das im Sommer 2015 gestartete Pilotprojekt mit 65 Privathaushalten hat gezeigt, dass Technologie und Geschäftsmodell funktionieren.

„Wir haben dieses Geschäftsmodell als Erste in Deutschland auf den Markt gebracht“, erklärt Gersch. Dem Erfinder geht es dabei nicht nur um den unternehmerischen und technologischen Aspekt: Damit die Energiewende gelingen kann, müssen dezentrale Erzeuger in viel größerem Maß als bisher zur Regelleistung beitragen. Sie ist notwendig, um die Differenz zwischen Ein- und Ausspeisung auszugleichen und die Netzfrequenz bei 50 Hertz zu halten. Dies übernehmen bisher konventionelle Kraftwerke.

Ein im Frühsommer 2015 gestartetes Pilotprojekt mit 65 Privathaushalten hat gezeigt, dass sowohl die Technologie als auch das Geschäftsmodell funktionieren. Jetzt bietet Caterva sein Speichersystem auf dem Markt an und befindet sich auf einem steilen Wachstumskurs. Den Kunden wird garantiert, dass die Speichersysteme über die gesamte Lebensdauer von 20 Jahren – mindestens so lange läuft auch der Vertrag mit Caterva – voll funktionsfähig sind. Dass dieses Versprechen eingehalten werden kann, haben Härtetests gezeigt, die Holger Wolfschmidt, Experte für chemische Speicher bei Corporate Technology in Erlangen, an den Lithium-Ionen-Akkus vorgenommen hat.

Nach insgesamt einer Million Stunden Messzeit haben die Spezialisten herausgefunden, wie der optimale Betrieb der Speicher aussieht. Von dem Datenschatz, den die Forscher bei den Tests angehäuft haben, wird auch Siemens profitieren. So lässt sich anhand der Daten das Verhalten der Akkus voraussagen. Die Forscher wollen nun weitere Akku-Typen untersuchen, um damit Erkenntnisse für andere Projekte zur Energiespeicherung bei Siemens zu gewinnen.“Ich kenne Roland schon lange. Schön, dass er für seine tolle Arbeit ausgezeichnet wurde“, freut sich Wolfschmidt.

Roland Gersch ist stolz darauf, dass das Unternehmen die komplexe Technologie innerhalb kurzer Zeit zur Marktreife entwickelt hat. „Im ersten Jahr war die Störungsleitstelle nachts auf mein Handy umgeleitet worden, damit ich den Teilnehmern des Pilotprojekts sofort Hilfe leisten konnte“, erzählt Gersch. „Den Einsatz muss man schon bringen, wenn man eine Firma gründet. Aber oft hat es eh nicht geklingelt.“

Katrin Nikolaus