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Herr Sebastian Webel
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Das Magazin für Forschung und Innovation
 

Innovationen

Open Innovation: Nährboden für Innovationen

Offener Innovationsprozess: Ein Beispiel dafür ist next47, die eigenständige Einheit innerhalb von Siemens. Diese arbeitet eng mit Start-ups zusammen, wie beispielsweise mit der amerikanischen Firma Plethora. Hier wird in selbstgebauten Büros inmitten der eigenen Produktionshalle die Software entwickelt, mit der nebenan digitale in reale Bauteile verwandelt werden.

Wissen nur für sich zu behalten ist längst ein Wettbewerbsnachteil. Mit Open Innovation versuchen Unternehmen, einen offenen Innovationsprozess zu gestalten, der sowohl eigenes Know-how als auch externes Wissen einbezieht, um das eigene Innovationspotenzial zu vergrößern. Siemens hat bereits vor Jahren die Weichen für einen schnellen, offenen und gemeinschaftlichen Innovationsprozess gestellt.

Die Innovationszyklen werden in der globalisierten Welt immer kürzer und die Grenzen auf vielen Gebieten, auch in der Forschung und Entwicklung, immer durchlässiger. Trends und neue Technologien frühzeitig erkennen und aufgreifen, das geht nur mit geöffneten Labortüren. Deshalb nutzen viele Unternehmen heute das Prinzip von Open Innovation (OI). Damit schaffen sie einen offenen Innovationsprozess, in dem Wissen abteilungs- und sogar firmenübergreifend zusammengeführt wird. Bei Siemens hat sich Open Innovation schon lange etabliert. So sind Siemens-Experten heute kaum noch an Wissensgrenzen gebunden – die Community der Forscher und Entwickler ist weltweit vernetzt.

Zum Beispiel über Online-Gemeinschaften („Crowd“), die nicht selten mehrere tausend Experten umfassen. Hier diskutieren Mitarbeiter gemeinsam Probleme, identifizieren die besten Ideen und bringen diese zur Marktreife.

Wettbewerb der Ideen

Siemens fördert gezielt solche Open-Innovation-Ansätze, etwa mit dem Siemens-internen Ideenwettbewerb „Quickstarter“. Bereits zwei Mal fand der offen gestaltete Kreativwettstreit statt; jeweils 500.000 Euro wurden investiert. Das Besondere bei Quickstarter: Nicht das Management – wie sonst üblich – entscheidet, welche Projekte finanziert werden, sondern die Mitarbeiter selbst. Wer eine gute Idee hat, hat vier Wochen Zeit, sie auf einer Online-Plattform vorzustellen. Oft entstehen so bereits im Vorfeld spannende fachliche Diskussionen zwischen Kollegen unterschiedlicher Siemens-Geschäftseinheiten. Anschließend können die Investoren – Mitarbeiter, die sich dafür registriert haben – das zentrale Budget verteilen. Projekte, welche auf diese Weise die nötige Finanzierung bekommen, werden anschließend umgesetzt.

Der Siemens-interne Ideenwettbewerb „Quickstarter“ ist ein Beispiel dafür, wie das Unternehmen gezielt solche Open-Innovation-Ansätze fördert. Der offen gestaltete Kreativwettstreit fand bereits zum zweiten Mal statt.

Innovative Ideen werden Wirklichkeit

Genug gute Ideen gab es bei beiden Quickstarter-Runden: 78 Vorschläge wurden eingereicht. Von insgesamt 26 Projektideen waren die Investoren so überzeugt, dass sie für ihre komplette Finanzierung sorgten; 15 weitere Projekte können bis zu klar definierten Projektmeilensteinen durchgeführt werden. „Die Bandbreite der Vorschläge ist überaus vielfältig“, sagt Dr. Christian Homma, Initiator und Projektleiter von Quickstarter. „Den Schwerpunkt bilden Kernfragen der Digitalisierung, etwa eine generische Treiberplattform für Industrie 4.0 oder neue Ansätze zur IT-Sicherheit.“ Aber auch ausgefallenere Ideen fanden Unterstützer. Etwa das Projekt „Offshore Algae Farming“, das untersucht, wie eine gezielte Algenzucht in der Nähe von Hochsee-Windkraftanlagen dazu beitragen kann, Stromnetze zu stabilisieren. Quickstarter soll in Zukunft regelmäßig stattfinden.

Wissen ist das Einzige, was sich vermehrt, wenn man es teilt.

Siemens-Innovationsfonds

Eine weitere Maßnahme, mit der Siemens aktiv den Open-Innovation-Ansatz verfolgt, ist der Siemens-Innovationsfonds. Mit diesem stellt das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr zehn Millionen Euro in Deutschland für innovative Mitarbeiterideen bereit. Jeder Siemens-Mitarbeiter ist aufgefordert, eine innovative Idee inklusive konkreter Umsetzungsvorschläge einzureichen. Wichtig ist allerdings: Die Ideen sollten innerhalb von drei Jahren umzusetzen sein.

Förderungswürdige Ideen müssen nicht zwingend neue Technologien zum Ziel haben, sie können ebenso auf neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen oder eine bessere Kundenbindung im Vertrieb abzielen. Dabei werden bewusst auch Innovationen gesucht, die außerhalb der heutigen Tätigkeitsfelder der Siemens-Divisionen liegen. Welche Vorschläge tatsächlich realisiert werden, legt eine Jury aus Entscheidungsträgern und Experten fest.

Prototypen aus San Francisco: Die im ehemaligen Hafen der Start-up-Metropole ansässige Firma Plethora produziert aus digitalen Modellen innerhalb von drei Tagen reale Bauteile. Früher mussten Ingenieure oft wochenlang warten, bis aus ihren CAD-Modellen echte Bauteile wurden.

Wertvolle Zusammenarbeit

Es gibt aber auch zahlreiche Beispiele, die zeigen, wie Siemens außerhalb seiner eigenen Wände die Vorteile von Open Innovation nutzt. So arbeitet Siemens Corporate Technology (CT) seit Jahren eng und vertrauensvoll mit Spitzenuniversitäten und Forschungsinstitutionen weltweit zusammen. Und nicht nur das: Durch die Gründung von next47, einer eigenständigen Einheit innerhalb des Unternehmens, sollen disruptive Ideen stärker gefördert und neue Technologien schneller vorangetrieben werden. Mit next47 bündelt das Unternehmen somit sein Engagement bei Start-ups.

Darüber hinaus sucht Siemens ständig nach neuen Ansätzen. 2012 hat die CT ein internes Technologie-Scouting gegründet. Vor etwa zwei Jahren kam das Trendscouting hinzu. Mit diesem unterstützt Siemens interne Forschungsgruppen dabei, die richtigen externen Technologiepartner für ihre Arbeit zu finden, Trends zu identifizieren und sie für die eigene Arbeit nutzbar zu machen.

All dies sind Beispiele für die neuen Wege der Ideengenerierung. Und sie erfordern eine kulturelle Veränderung. Es geht nicht mehr darum, mein Wissen, dein Wissen, mein Schatz. Wissen ist das Einzige, was sich vermehrt, wenn man es teilt. Das Reizvolle daran ist, das riesige Potenzial im Unternehmen konzernübergreifend zu nutzen. Noch dazu zeit- und ortsunabhängig.

Julia Hesse