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Siemens-Organisationsstruktur, 1969

1969: Grundordnung und Unternehmensstruktur der Siemens AG

Mit Gründung der Siemens AG im Jahr 1966 wird der erste Schritt zur Neuordnung des Unternehmens vollzogen. Drei Jahre später, zum 1. Oktober 1969, werden die zentralen Arbeitsgebiete in sechs weitgehend selbstständige Unternehmensbereiche gegliedert: Die Bereiche Bauelemente und Datentechnik gehen nahezu unverändert aus der bisherigen Struktur hervor. Neu entstehen die Bereiche Energie-, Installations- und Nachrichtentechnik. Die Siemens-Reiniger-Werke firmieren fortan als Bereich Medizinische Technik. Flankiert wird diese Bereichsstruktur von fünf übergeordneten Zentralabteilungen, die eine geschlossene Führung des Konzerns sicherstellen sollen. Hinzu kommen 14 inländische Niederlassungen und 38 Auslandsgesellschaften. Eine sogenannte Grundordnung definiert die Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit sämtlicher Unternehmensteile.

 

Parallel zur Gründung der Siemens AG wird an einer neuen Identität für das Gesamtunternehmen gearbeitet. Die bestehenden Firmenmarken werden durch ein einziges Markenzeichen ersetzt. Die künftige Dachmarke setzt sich wie gehabt aus der Wortmarke Siemens und dem seit 1899 verwendeten S&H-Monogramm zusammen, das nun nicht länger für die Firma Siemens & Halske, sondern für das „Haus Siemens“ steht.

 

Dank der neuen Unternehmensstruktur und der Dachmarkenstrategie sieht sich Siemens gut gerüstet, flexibel auf Kundenwünsche und die Herausforderungen eines zunehmend globalen Wettbewerbs reagieren zu können.

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Werbung für Belegschaftsaktien, 1970er-Jahre

1969: Einführung von Belegschaftsaktien

Die Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg hat bei Siemens eine lange Tradition. Bereits 1858 werden die Mitarbeiter von Siemens & Halske erstmals am Gewinn der Firma beteiligt; ab Mitte der 1860er-Jahre wird die Gewinnbeteiligung systematisch ausgebaut. Nach einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs führt Siemens die Erfolgsprämie 1951 wieder ein. Als die jährlichen Zahlungen in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre konjunkturbedingt gekürzt werden müssen, entschließt sich die Unternehmensleitung, die Belegschaft ersatzweise am Produktivvermögen des Hauses zu beteiligen.

 

1969 können die deutschen Mitarbeiter der Siemens AG erstmals Belegschaftsaktien zum Vorzugspreis von 156 DM – dem halben Börsenkurs zum Tag der Beschlussfassung am 23. Januar des Jahres – erwerben. Aus steuerlichen Gründen beschränkt sich der Kauf auf maximal drei Aktien pro Person. Rund 25 Prozent der Beschäftigten gehen auf dieses Angebot ein. Im ersten Jahr gibt Siemens mehr als 135.000 Belegschaftsaktien mit einem Nominalwert von 6,8 Millionen DM aus.

 

Angesichts der positiven Resonanz wird das Aktienprogramm zu einem festen Bestandteil der Mitarbeiterorientierung weiterentwickelt. Heute ist jeder dritte Mitarbeiter Siemens-Aktionär.

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Motorenproduktion im indischen Siemens-Werk Kalwa, 1970

Ab 1960: systematischer Aufbau von Auslandsstandorten

Siemens erkennt zu Beginn der 1960er-Jahre, dass es langfristig nicht gelingt, den Weltmarkt allein über Exporte und den Aufbau ausländischer Vertriebsgesellschaften zu erschließen. Um der angestrebten Position als Global Player gerecht zu werden, beginnt das Unternehmen ab 1960, schrittweise Produktionsstätten im Ausland aufzubauen. Das Hauptaugenmerk liegt zunächst auf Westeuropa, doch schon bald kommen Fertigungsstandorte in Übersee hinzu: In Südafrika beginnt 1961 die Fertigung von Nachrichten- und Schalttechnik. In Indien, wo man bereits seit 1957 produziert, geht fünf Jahre später in Kalwa eine große Drehstrommotoren-Fabrik in Betrieb. Es folgen zusätzliche Werke in Südamerika, Afrika und Asien. Bis 1985 etabliert das Unternehmen insgesamt 154 Fertigungsstandorte in 54 Ländern.

 

Ab den 1970er-Jahren geht Siemens angesichts der fortschreitenden Globalisierung noch einen Schritt weiter und gibt den Grundsatz, die Entwicklung von Produkten immer dort anzusiedeln, wo sich die Firmenzentrale und der Schwerpunkt der Fertigung befinden, auf. Nach und nach werden auch Teile der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ins Ausland verlagert. Zu Beginn der 1980er-Jahre unterhält Siemens Forschungsstandorte in der Schweiz und in Österreich, in Skandinavien und den USA.

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Standort München-Perlach, 1987

Ab 1975: Aufbau des Standorts München-Perlach

Ab den 1960er-Jahren entwickelt sich die Mikroelektronik zur Schlüsseltechnologie für Siemens. Am Beginn des folgenden Jahrzehnts beschleunigt sich der Übergang von der Analog- zur Digitaltechnik in allen Bereichen der Elektrotechnik enorm. Siemens wandelt sich zusehends vom Elektro- zum Elektronikkonzern, die Datentechnik entwickelt sich zum Kerngebiet des Unternehmens.

 

Im Herbst 1975 beginnt Siemens in Perlach ein neues Forschungszentrum aufzubauen. Im Südosten Münchens entsteht bis 1984 eine „Denkfabrik für die Datentechnik“, in deren Gebäuden sowohl der Unternehmensbereich Datentechnik als auch die zentrale Forschung angesiedelt sind. Zwei Jahre nach Baubeginn ziehen rund 4.000 Mitarbeiter, die zuvor auf mehr als 80 angemietete Standorte in ganz München verteilt waren, nach Perlach.

 

Die räumliche Konzentration von Abteilungen, die auf ineinandergreifenden Technologiefeldern arbeiten, erleichtert die Kommunikation und Zusammenarbeit. Im Laufe der Jahre entwickelt sich Perlach zu einem Zentrum der Mikroelektronik, das Ingenieure und Informatiker aus aller Welt anzieht und in dem Siemens wichtige Fortschritte in der Mikrochip-Entwicklung erzielt.

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Hicom-Endgerät, 1984

1980: Einstieg in die digitale Telefonie

Der rasche Fortschritt auf dem Gebiet der Mikroelektronik erweitert das Produktportfolio von Siemens. Die Möglichkeit, große Datenmengen digital schnell verarbeiten zu können, beeinflusst in besonderem Maße die Nachrichten- und Kommunikationstechnik und führt hier zu zahlreichen Innovationen.

 

1980 steigt Siemens mit dem digitalen Elektronischen Wählsystem (EWSD) erfolgreich in die Digitalisierung der Telefontechnik ein. Das System entwickelt sich bald zum weltweit meistverkauften Festnetz-Vermittlungssystem. Vier Jahre später präsentiert das Unternehmen mit dem privaten Kommunikationssystem Hicom eine erste eigene digitale Telefonendgerätlösung, die rasch in Industrie, Wirtschaft und Verwaltung zum Einsatz kommt. Das System ist eine Weiterentwicklung von EWSD und erfüllt den Weltstandard des künftigen digitalen Nachrichtennetzes Integrated Services Digital Network (ISDN).

 

Mit der Digitalisierung des Telefonnetzes werden Kommunikations- und Datentechnik zusammengeführt. Es ist nun dank höherer Übertragungskapazitäten möglich, über die Telefonleitungen digital nicht nur Sprache, sondern auch Texte, Bilder und Daten zu übertragen.

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Chip-Produktion im Regensburger Mega-Werk, 1989

1984: Start des MEGA-Projekts

Mitte der 1980er-Jahre hinkt Siemens wie die gesamte europäische Halbleiterindustrie dem von Amerikanern und Japanern dominierten Wettbewerb hinterher. Mit dem Ziel, den Rückstand von rund zwei Jahren aufzuholen, entschließt sich das Unternehmen zu einem Kraftakt: Gemeinsam mit Philipps und mit staatlicher Unterstützung plant Siemens, innerhalb von fünf Jahren zur Weltspitze der Chipentwicklung aufschließen. 1984 wird das MEGA-Projekt gestartet, das die Entwicklung von 1- und 4-Mbit-Chips vorantreiben soll. Angesichts des Zeitdrucks und des volatilen Halbleitermarkts geht Siemens damit nicht nur finanziell ein hohes Risiko ein: Erstmals in der Unternehmensgeschichte werden Forschung, Entwicklung und Fertigung eines Produkts nicht seriell, sondern parallel geplant.

 

Das Ergebnis ist ambivalent: Rein wirtschaftlich betrachtet ist das MEGA-Projekt sowohl wegen der hohen Investitionen als auch der Kurzlebigkeit der einzelnen Chip-Generationen kein Erfolg. Strategisch jedoch schon, schließlich gelingt der Anschluss an die weltweite Konkurrenz. In Kooperation nunmehr mit Toshiba nimmt Siemens 1987 als erstes Unternehmen der westlichen Welt in Regensburg die Serienfertigung von 1-Mbit-Chips auf, die Produktion von 4-Mbit-Chips beginnt zwei Jahre später.

Schlaglichter aus 170 Jahren Siemens-Geschichte

Informieren Sie sich zu ausgewählte Ereignissen aus der Geschichte des Unternehmens in unseren History News, die wir stetig für Sie erweitern.