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Unternehmenssitz von Siemens & Halske am Wittelsbacherplatz, München 1949

1945–1949: Siemens nach Ende des Zweiten Weltkriegs

Ein Grund für den erfolgreichen Wiederaufbau von Siemens nach dem Zweiten Weltkrieg ist die frühzeitige Dezentralisierung des Unternehmens. Bereits Anfang 1945 bildet der Vorstand sogenannte Gruppenleitungen. Diese bestehen aus rund 20, mit Handlungsvollmacht ausgestatteten Führungskräften, die an unterschiedlichen Standorten im Westen und Süden Deutschland Quartier beziehen und von dort aus wichtige Zentralfunktionen wahrnehmen. Die dezentrale Leitung der Siemens-Schuckertwerke befindet sich in Hof, ab Sommer 1945 im unzerstörten Erlangen, wo die Siemens-Reiniger-Werke seit den 1930er-Jahren medizintechnische Geräte produzieren. Die Gruppenleitung von Siemens & Halske wiederum ist in München ansässig.


In der Nachkriegszeit erweist sich diese Entscheidung angesichts der folgenden Teilung des Landes und der politisch heiklen Lage am Traditionsstandort Berlin als strategisch richtig.


Nach einer Phase des Übergangs und der Konsolidierung wird München zum 1. April 1949 der Sitz von Siemens & Halske, Erlangen der der Siemens Schuckertwerke. Berlin bleibt jeweils als zweiter Firmensitz erhalten.

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Maschinenraum des Kraftwerks San Nicolàs, Argentinien, 1956

Ab 1948: Wiederbelebung des Auslandsgeschäfts

Wie nach dem Ersten Weltkrieg steht Siemens auch nach 1945 vor der Aufgabe, die frühere Weltmarktstellung zurückgewinnen. Nachdem die Alliierten ab 1948 die strikten Außenhandelsbeschränkungen für Deutschland lockern, kehrt der Elektrokonzern nach und nach an die Weltmärkte zurück. Im Zuge des Wiederaufbaus kauft man konfiszierte Vertriebs- und Produktionsgesellschaften zurück und gründet neue Auslandsniederlassungen. Zusätzlich investiert Siemens erhebliche Summen in den Rückkauf von Patenten, Namens- und Markenrechten. Zwischen 1952 und 1962 können Siemens-Gesellschaften, -Vertretungen und -Stützpunkte in 30 Ländern (wieder-)aufgebaut werden. Der regionale Schwerpunkt des Auslandsengagements liegt in Europa und Südamerika.


Trotz starker, global agierender amerikanischer Wettbewerber gewinnt Siemens bald prestigeträchtige Großaufträge, die wesentlich zur Belebung des Überseegeschäfts beitragen. Dazu gehören das 1956 fertiggestellte 300-Megawatt-Kraftwerk San Nicolàs in Argentinien, das im selben Jahr errichtete Landesfernmeldenetz für Saudi-Arabien oder der 1957 erteilte Auftrag zur energietechnischen Ausstattung eines Stahlwerks im indischen Rourkela mit Antriebsmotoren und Umspannstationen.


Im Geschäftsjahr 1956/57 trägt das Exportgeschäft von Siemens bereits mit rund 25 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

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SIMATIC-Bauteil, 1959

Ab 1953: Engagement auf neuen Geschäftsfeldern

Zu Beginn der 1950er-Jahre konzentriert sich die Unternehmensleitung darauf, sowohl die traditionellen Kerngebiete zu stärken als auch in zukunftsträchtige und wachstumsstarke Geschäftsfelder zu investieren.

 

Das Erschließen neuer Portfoliobereiche setzt eine aktive Forschungs- und Entwicklungstätigkeit voraus. Dies ist jedoch aufgrund eines in der Nachkriegszeit verhängten alliierten Forschungsverbots für Technologieunternehmen nur eingeschränkt möglich. 1953 gelingt es Siemens-Wissenschaftlern dennoch, ein spezielles Verfahren zur Herstellung von hochreinem Silizium für die Halbleitertechnik zu entwickeln und zu patentieren. Das Unternehmen revolutioniert damit die gesamte Elektrotechnik und steigt erfolgreich in die Mikroelektronik ein. Und es erschließt sich damit eine Schlüsseltechnologie, die auch in andere Produktionsbereiche hineinreicht.


1954, ein Jahr bevor die alliierten Forschungsbeschränkungen vollständig aufgehoben werden, beginnt Siemens sich am bis dato von der amerikanischen IBM dominierten Markt für Datenverarbeitung zu engagieren. 1957 startet man mit dem Digitalrechner 2002 die erste Serienfertigung eines mit neuartigen Transistoren ausgestatteten Computers. Die Mikroelektronik prägt auch die Entwicklung der Automatisierungstechnik. 1958 führt Siemens mit SIMATIC das erste transistorierte Steuerungssystem ein und legt damit den Grundstein für die elektronische Industrieautomatisierung und eines der größten Erfolgsprodukte des gesamten Unternehmens.

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Werbung für Siemens-Waschmaschinen, 1959

1957: Gründung der Siemens Electrogeräte AG

Während des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders in den 1950er- und 1960er-Jahren symbolisieren Waschmaschinen und Kühlschränke oder Radio- und Fernsehgeräte den zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach derlei Konsumgütern, die Siemens seit Anfang des 20. Jahrhunderts produziert.

1957 beschließt Siemens, sämtliche Aktivitäten auf den Geschäftsfeldern Unterhaltungselektronik und Hausgeräte zu bündeln. Infolgedessen werden die Bereiche Rundfunk und Fernsehen aus der Siemens & Halske AG und die Hausgeräteproduktion aus der Siemens-Schuckertwerke AG ausgegliedert und zum 1. Oktober des Jahres in der neu gegründeten Siemens-Electrogeräte AG zusammengefasst.

In den folgenden Jahren verschärft sich der Konkurrenzdruck; allen voran drängen Wettbewerber aus Italien und Japan an den bundesdeutschen Hausgerätemarkt. Während der 1960er-Jahre kommt es zu einem Konzentrationsprozess, in dessen Verlauf die großen deutschen Elektrokonzerne viele der kleinen und mittleren, bis dato unabhängigen, Konsumgüterhersteller aufkaufen. Angesichts dieser Entwicklung sondieren die beiden Marktführer Siemens und Bosch ab 1963 mögliche Formen der Zusammenarbeit. Schließlich fassen sie ihre Hausgeräteaktivitäten 1967 in der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) zusammen.

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Aktie der Siemens AG, 1966

1966: Gründung der Siemens AG

Zum 1. Oktober 1966 wird die Siemens AG gegründet, in der die Siemens & Halske AG, die Siemens Schuckertwerke AG und die Siemens-Reiniger-Werke AG rechtlich und organisatorisch aufgehen. Mit diesem Schritt ist zugleich der Prozess des Wiederaufbaus und der unternehmerischen Konsolidierung nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen.

Mit der Gründung der Siemens AG reagiert die Unternehmensleitung auf strukturelle Veränderungen: Die expansive wirtschaftliche Entwicklung der Firma im In- und Ausland seit Beginn der 1950er-Jahre legt eine Bündelung sämtlicher Geschäftsaktivitäten der drei Stammgesellschaften ebenso nah wie der technologische Fortschritt auf den Siemens-Arbeitsfeldern. Ein erhöhter Investitionsbedarf, allen voran in den vergleichsweise neuen Geschäftsfeldern Halbleiter- und Computertechnik, macht eine einheitliche Führung des Gesamtkonzerns unerlässlich. Ziel der grundlegenden Neuordnung ist es, eine effektivere und kostengünstigere Unternehmensstruktur zu schaffen. Kern der Neuordnung sind sechs überschaubare, in sich geschlossene und überschneidungsfreie Geschäftsbereiche.

Schlaglichter aus 170 Jahren Siemens-Geschichte

Informieren Sie sich zu ausgewählte Ereignissen aus der Geschichte des Unternehmens in unseren History News, die wir stetig für Sie erweitern.