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Aufbau und Querschnitt der Dynamomaschine, 1866

1866: Werner von Siemens entdeckt das dynamoelektrische Prinzip

1866 gelingt Werner von Siemens seine für die Elektrotechnik bedeutendste Leistung. Aufbauend auf Arbeiten Michael Faradays entdeckt er das dynamoelektrische Prinzip und konstruiert den Wegbereiter moderner Großgeneratoren: die Dynamomaschine. Im Unterschied zu anderen, parallel an diesem Thema arbeitenden Forschern erkennt Werner von Siemens die wirtschaftliche Bedeutung seiner Erfindung und sichert sich 1867 deren Verwertung durch Patente.

 

Nach rund zehn Jahren Entwicklung und Erprobung ist der Dynamo 1875 serienreif. Damit beginnt ein neues Zeitalter in der Geschichte der Elektrotechnik. Die Möglichkeit, elektrische Energie in großen Mengen wirtschaftlich erzeugen und verteilen zu können, beflügelt die Wirtschaft. Die Starkstromtechnik tritt ihren Siegeszug an.

 

Erste Anwendungsfelder sind die elektrische Beleuchtung und der Antrieb mit Elektromotoren. Am 1. März 1879 wird die Siemens-Villa in Charlottenburg als erstes Privathaus Deutschlands elektrisch beleuchtet. Wenige Wochen später präsentiert Siemens & Halske auf der Berliner Gewerbeausstellung die erste elektrische Eisenbahn der Welt.

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Verlauf der Indo-Europäischen Telegrafenlinie, 1870er-Jahre

Ab 1868: Bau der Indo-Europäischen Telegrafenlinie

1868 wagt sich Siemens & Halske an ein gleichermaßen kapitalintensives wie technisch und logistisch herausforderndes Projekt: den Bau einer Telegrafenlinie von Europa nach Indien.

 

Dem Vorhaben gehen langwierige Verhandlungen voraus. Dabei ist es von Vorteil, dass die Siemens-Brüder und ihre Firmen multinational aufgestellt sind. So kann William die Verhandlungen in London führen, Werner in Berlin, Carl in St. Petersburg und Walter in Teheran.

 

Die Arbeiten im Auftrag der Indo-European Telegraph Company beginnen auf russischem Territorium und werden in drei Bauabschnitten von der preußisch-russischen Grenze bis Teheran durchgeführt. Für den ersten Teil der Strecke zwischen London und der preußisch-russischen Grenze kann man auf bereits bestehende Linien zurückgreifen.

 

Nach nur zwei Jahren Bauzeit nimmt Siemens die „Indolinie“ im April 1870 in Betrieb. Die Übertragung einer Depesche von London nach Kalkutta dauert statt 30 Tagen nur noch 28 Minuten.

 

Die erfolgreiche Realisierung des Großprojekts sorgt für internationales Prestige und markiert einen Höhepunkt in der Geschäftstätigkeit der Siemens-Brüder.

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Arbeiter an der Stechuhr, 1900

Ab 1872: Erste betriebliche Sozialleistungen

Anlässlich des 25. Unternehmensjubiläums im Oktober 1872 gibt Werner von Siemens die Gründung einer Pensions-, Witwen- und Waisenkasse für die Beschäftigten bekannt. Die Arbeiter haben von nun an Anspruch auf Zahlung einer Pension, deren Höhe sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richtet. Solche Leistungen bieten zu dieser Zeit erst wenige Unternehmen. Gerade für hoch qualifizierte Arbeitskräfte besteht mit den Pensionsansprüchen ein starker Anreiz, bei Siemens & Halske zu arbeiten und beim Unternehmen zu bleiben. Und mit den betrieblichen Sozialleistungen verfolgt Siemens & Halske ein weiteres Ziel: Sie sollen dazu beitragen, die Akkordarbeit im Unternehmen durchzusetzen und dem Einfluss der aufkommenden sozialdemokratischen Bewegung auf die Belegschaft entgegenzuwirken.

 

1873 führt Siemens & Halske in Berlin den Neun-Stunden-Arbeitstag ein. 1891 wird das tägliche Arbeitspensum erneut um eine halbe Stunde reduziert. Während die meisten anderen Unternehmen ihre Belegschaft zu zehn Arbeitsstunden pro Tag verpflichten, hat ein Arbeitstag bei Siemens fortan 8,5 Stunden.

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Kabeldampfer Faraday, 1874

1874/75: Verlegung eines Transatlantikkabels

Zu Beginn der 1870er-Jahre drängt Carl von Siemens darauf, durch den Bau eines interkontinentalen Seekabels einen neuen, lukrativ erscheinenden Markt zu erschließen. Zwischen Europa und den USA existieren damals bereits drei Telegrafenkabel, die äußerst profitabel von einem Kartell des britischen Unternehmers John Pender betrieben werden. Mit dem Ziel, dieses Monopol zu brechen, gründen die Siemens-Brüder 1873 eine Trägergesellschaft für ihr neues Großprojekt, die Direct United States Cable Co. Ltd.

 

1874 beginnt mithilfe der „Faraday“, eines eigens für diese Zwecke konstruierten Kabeldampfers, die Verlegung von Irland über Neufundland bis an die amerikanische Küste. Immer wieder droht die Unternehmung zu scheitern. Außer Kabelrissen und Havarien gefährden lancierte Falschmeldungen und gezielte Sabotageakte der Konkurrenz das Projekt.

 

Im September 1875 wird die Telegrafenlinie in Betrieb genommen. Dank der hervorragenden Qualität der Verbindung erhält Siemens zahlreiche Folgeaufträge. Bis Ende des 19. Jahrhunderts werden neun der insgesamt 16 Transatlantikkabel von Siemens & Halske verlegt.