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Zeigertelegraf, 1847

1847: Zeigertelegraf

Für die schnelle Nachrichtenübertragung werden Anfang des 19. Jahrhunderts sogenannte optische Telegrafen mit drehbaren Signalarmen eingesetzt. Ihr Nachteil: Sie funktionieren nur bei Tageslicht und guter Sicht. Hier soll der elektrische Telegraf Abhilfe schaffen.

In der Telegrafenkommission des preußischen Heeres beschäftigt sich Werner von Siemens intensiv mit dem Problem. Er verbessert 1847 den Zeigertelegrafen des Engländers Charles Wheatstone, indem er Sender und Empfänger elektrisch synchronisiert. Dank dieser Innovation ist das Gerät den bis dahin gebräuchlichen Apparaten weit überlegen.

Ein Jahr später erhält die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ ihren ersten Auftrag: Sie soll die bis dato längste Ferntelegrafenverbindung Europas von Berlin nach Frankfurt am Main errichten. Damit ist der „kurze Draht“ zwischen dem preußischen König in Berlin und dem ersten deutschen Parlament in der Stadt am Main hergestellt. Eine Depesche zwischen den beiden Städten benötigt nach Inbetriebnahme der Linie nur noch eine Stunde – eine für damalige Verhältnisse echte Sensation. Diese erste Erfindung steht am Anfang einer langen Reihe von Siemens-Innovationen.  

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Morsereliefschreiber, 1853

Ab 1853: Russisches Staatstelegrafennetz

Mitte des 19. Jahrhunderts existieren nicht nur einzelne Telegrafenverbindungen, sondern auch erste nationale Netze. 1853 bis 1855 errichtet Siemens & Halske das russische Staatstelegrafennetz mit einer Gesamtlänge von rund 9.000  Kilometern. Man setzt nun das gegenüber dem Zeigertelegraphen schnellere Morsesystem ein. Außer einem Seekabel zwischen Oranienbaum und Kronstadt verlegt das Elektrounternehmen ausgedehnte Telegrafenlinien im europäischen Teil Russlands. Für das Großprojekt wird in St. Petersburg eigens ein Baubüro etabliert.

Zusätzlich zum Bau der Strecken übernimmt Siemens & Halske zu einem Festpreis auch deren Instandhaltung. Die Wartungsverträge laufen bis 1867 und tragen wesentlich zum finanziellen Erfolg des Projekts bei. Hierfür ausschlaggebend ist vor allem das neu entwickelte „Tartaren-Galvanometer“, mit dem die Strecke abschnittsweise elektrisch überwacht werden kann. Damit gelingt es, auftretende Fehler rasch zu lokalisieren und zu beheben – und so die eigenen Wartungs- und Instandhaltungskosten zu minimieren.

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Kurbelinduktor mit Doppel-T-Anker, 1856

1856: Doppel-T-Anker

Mit Verlängerung und Zunahme der einzelnen Telegrafenstrecken steigt auch die Anzahl der Batterien, die für deren Betrieb benötigt werden. Da Batterien ebenso teuer in der Anschaffung wie unbequem in der Wartung sind, sucht man nach alternativen Stromquellen.

 

1856 erfindet Werner von Siemens den Doppel-T-Anker: Die Entwicklung kommt erstmals bei einem im Auftrag der Bayerischen Staatsbahn produzierten magnetelektrischen Zeigertelegrafen mit Kurbelinduktor zum Einsatz. Anders als seine Vorgänger braucht dieser „Eisenbahntelegraf“ keine Batterien mehr. Der benötigte Strom wird durch Kurbelbewegung beim Telegrafieren mittels des Doppel-T-Ankers selbst erzeugt. Zehn Jahre später bildet der Doppel-T-Anker den Kern der Dynamomaschine – Werner von Siemens' wichtigster Erfindung. Darüber hinaus findet der Doppel-T-Anker in Magnetzündern für Verbrennungsmotoren Verwendung. So wird 1877 Nicolaus August Ottos berühmter Deutzer Motor, eine der ersten Viertaktmaschinen der Welt, mit einer Siemens-Zündanlage ausgerüstet. Weitere Einsatzgebiete sind unter anderem Schiffstelegrafen und Telefonrufeinrichtungen – sowie der Fahrraddynamo.

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Lochstreifengeber mit Magnetinduktor für Indolinie, 1867

Ab 1868: Bau der Indo-Europäischen Telegrafenlinie

Ostindien ist Ende des 19. Jahrhunderts Großbritanniens wichtigste Kolonie. Allerdings dauert die Übermittlung einer Nachricht von London nach Kalkutta fast 30 Tage. Um diesen Umstand zu beheben, entschließt sich die englische Regierung, eine rund 11.000 Kilometer lange Morsetelegrafenlinie bei Siemens in Auftrag zu geben. Nach nur zwei Jahren Bauzeit geht die Indo-Europäische Telegrafenlinie 1870 in Betrieb.

 

Als Innovation kommt der Tastenschriftlocher zum Einsatz: Er ermöglicht die einfache Erstellung von Lochstreifen zum beschleunigten Senden von Nachrichten – und wird knapp ein Jahrhundert später eines der ersten Speichermedien der Computertechnik. Im Rahmen dieses Projekts erfindet Werner von Siemens auch die „selbstständige Translation“, dank derer das Telegramm automatisch von einem Streckenabschnitt zum nächsten übertragen wird: Entsprechend benötigt die erste Depesche von London nach Kalkutta auf der neuen Strecke nur noch 28 Minuten – Weltrekord!

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Bildtelegrafiesystem Siemens-Karolus-Telefunken, 1927

1927: Bildtelegrafiesystem Siemens-Karolus-Telefunken

1927 geht die erste, bereits die Reichsgrenzen überschreitende Bildtelegrafenlinie mit dem System „Siemens-Karolus-Telefunken“ zwischen Berlin und Wien in Betrieb.

 

Zur Übertragung von Bildern werden diese von einer Fotozelle abgetastet, via Kabel oder Funk übermittelt und beim Empfänger mithilfe einer gesteuerten Lichtquelle auf lichtempfindliches Papier kopiert. Schon Werner von Siemens hat mit lichtempfindlichen Elementen experimentiert. Aber erst jetzt ist es dank neuer Bauelemente wie der Kerr-Karolus-Fotozelle möglich, Bilder so präzise abzutasten, dass auch feine Grauwerte dargestellt werden können.

 

Bei Siemens wird die neue Technik im eigenen Zentrallaboratorium in Berlin gemeinsam mit Telefunken entwickelt. Anfangs gehen die Forscher davon aus, dass das System in erster Linie im Funkverkehr über große Entfernungen zur Anwendung kommt. Tatsächlich interessieren sich aber vor allem die großen Zeitungen für das neue Bildtelegrafiesystem: Es scheint ihnen bestens geeignet, beispielsweise die Regionalauflagen von der Zentrale aus mit aktuellen Bildern wichtiger Ereignisse zu versorgen.

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Telexamt in Berlin, 1933

1933: Telexnetz

In Konkurrenz zur Telefonie folgt auch die Telegrafie dem Weg zur Massenanwendung: Statt Geschwindigkeit stehen nun Preis und Bedienbarkeit im Vordergrund.

 

Zur Vereinfachung des Betriebs erhalten die Telegrafenapparate statt einer Morsetaste eine Schreibmaschinentastatur. Auf diese Weise entsteht die Fernschreibmaschine, die ab 1928 nach und nach alle anderen Telegrafenapparate ablöst. Auf Vorschlag von Siemens startet die Deutsche Reichspost 1933 einen Versuchsbetrieb – das erste öffentliche Fernschreib-Wählnetz der Welt. Da das Fernschreiben (Telex) wesentlich billiger ist als das Telefonieren und außerdem schriftliche Belege liefert, setzt sich die neue Technik rasch durch.

 

Mit der Erfindung des Transistors und der Mikroelektronik wird die Mechanik der Fernschreibmaschine allmählich durch Elektronik ersetzt. Dies führt zu drastischen Kostensenkungen und erhöht den Bedienkomfort. 1976 stellt Siemens den vollelektronischen „Fernschreiber 1000“ vor – vier Jahre später verfügt das Unternehmen bereits über einen Weltmarktanteil von rund 30 Prozent. Erst die Einführung des Fernkopierers (Fax) beendet Mitte der 1990er-Jahre abrupt den Siegeszug des Telex.

Schlaglichter aus 170 Jahren Siemens-Geschichte

Informieren Sie sich zu ausgewählten Ereignissen aus der Geschichte des Unternehmens in unseren History News, die wir stetig für Sie erweitern.