Ägypten sagt 2015 Stromausfällen den Kampf an und erteilt Siemens den größten Auftrag aller Zeiten. Die Mission: Strom für 45 Millionen Menschen erzeugen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Siemens für die schnelle und zuverlässige Abwicklung derartiger Megaprojekte schon immer der richtige Partner ist.

Wie Megaprojekte entstehen

Irland – die Geburt einer Idee

Als Irland 1922 unabhängig wird, ist der größte Teil des Landes noch ohne Elektrizität. Abgesehen von einigen größeren Städten wie Dublin und Cork ist das Land „elektrisch gesprochen, gänzlich unberührt“. Die Gesamtleistung aller öffentlichen Elektrizitätswerke beläuft sich auf rund 27.000 Kilowatt (kW). Damit wird deutlich, dass der irische Freistaat (heute: Republik Irland) zu Beginn der 1920er-Jahre weit hinter der Entwicklung der übrigen westeuropäischen Staaten hinterherhinkt. Es wird also Zeit, dass sich etwas ändert.

 

Die Ausgangssituation ist nicht einfach, denn der Freistaat besitzt kaum eigene Kohlevorkommen. Auf der Suche nach Alternativen  findet der irische Physiker und Elektroingenieur Thomas McLaughlin – Mitarbeiter der Siemens-Schuckertwerke (SSW) in Berlin – Ende 1922 die geeignete Lösung: die bisher ungenügend genutzte irische Wasserkraft. Genauer ist es die Idee, den etwa 370 Kilometer langen Fluss Shannon für die Elektrifizierung und damit wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Landes zu nutzen. Das mit Strom zu versorgende Gebiet wird in dieser Zeit von rund drei Millionen Menschen bewohnt und entspricht mit seinen 70.000 Quadratkilometern etwa der Größe Bayerns. Und McLaughlin bleibt dran. Gemeinsam mit seinem Arbeitgeber entwickelt er einen ausführlichen Projektplan, der die Regierung des irischen Freistaats überzeugt. Jetzt geht es los: Am 13. August 1925 wird der „Shannon-Vertrag“ geschlossen; Generalunternehmer und Lieferant der elektrischen Ausrüstung sind die Siemens-Schuckertwerke.

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Siemens als verlässlicher Partner – Das aktuell größte Projekt zur Verbesserung der ägyptischen Energieversorgung ist das Egypt Megaproject.

Ägypten auf dem Weg zur Energieeffizienz

Rund 90 Jahre später stellt sich in Ägypten erneut eine ähnlich gewaltige Aufgabe. Mit ungefähr 99,6 Prozent Zugang zur Energieversorgung ist Ägypten das am stärksten elektrifizierte Land in Afrika. Doch die bevölkerungsreichste arabische Nation steht 2010 vor einer schweren Energiekrise. Hauptauslöser ist nicht der Mangel an fossilen Brennstoffen, sondern sind wirtschaftliche und regulatorische Faktoren. Nach 2011 herrschen politische, ökonomische und gesellschaftliche Unsicherheit und die landeseigenen Währungsreserven fallen Anfang 2013 auf den bis dato niedrigsten Stand von 13 Milliarden US-Dollar. In der Folge führen Engpässe bei der Finanzierung zu einem Einbruch der inländischen Gasproduktion. Ägypten kämpft jahrelang mit einer unberechenbaren Welle von Stromausfällen – ein Land, dessen Bevölkerung alljährlich um zwei Prozent wächst und dessen Stromverbrauch rasant steigt.

 

Zeit zu handeln. Und so entscheidet die ägyptische Regierung im Jahr 2015, sich diesen großen Herausforderungen zu stellen. Nichts weniger als die künftige Energieversorgung des gesamten Landes steht auf der nationalen Agenda. Und für diese gewaltige Aufgabe braucht es einen starken Partner mit Erfahrung in solchen Megaprojekten: Siemens. Bereits am 3. Juni 2015 wird ein Vertrag zwischen Ägypten und Siemens sowie den ägyptischen Konsortialpartnern Elsewedy und Orascom unterzeichnet. Dieser umfasst den Bau und die schlüsselfertige Übergabe von drei 4,8-Gigawatt-Gas- und Dampfturbinenkraftwerken sowie zwölf Windparks mit rund 600 Windkraftanlagen und einer installierten Leistung von zwei Gigawatt in Burullus, New Capital und Beni Suef – der bis dato größte Auftrag in der Geschichte von Siemens.

Von der Vision zur Wirklichkeit

Schnittmaterial vom Bau des Wasserkraftwerks am Shannon in Irland, 1928

Ein neues Irland

Im Laufe des 52-monatigen irischen Megaprojekts wird deutlich, welche gewaltigen organisatorischen und technischen Herausforderungen alle Beteiligten zu bewältigen haben. Faktoren wie das feuchte Klima Irlands, problematische Bodenverhältnisse sowie geologische Formationen beeinträchtigen immer wieder den Fortschritt der Tiefbauarbeiten.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass in Irland keine nennenswerte Bauindustrie existiert. Dies bedeutet, dass viele der rund 3.500 auf Wunsch der Regierung überwiegend einheimischen Arbeitskräfte wenig Erfahrung im Tiefbau haben. So gut wie alle Maschinen und sämtliche Materialien müssen mit eigens gecharterten Dampfern vom Kontinent  nach Irland transportiert werden. Und allein das ist eine logistische Meisterleistung, bringen es Baumaschinen und Geräte bereits auf etwa 30.000 Tonnen.

Doch davon lässt man sich nicht beunruhigen: Nach und nach nimmt das Großprojekt am Shannon Gestalt an. Vom Fluss aus wird der gesamte Irische Freistaat über ein Leitungsnetz für 110 Kilovolt (kV), 37,5 kV und 10 kV mit einer Gesamtlänge von 3.400 Kilometern sowie zahlreichen Schaltstellen und Transformatorenstationen mit Strom versorgt – so, wie es Thomas McLaughlin vorgesehen hatte. Diese Erfolgsgeschichte ist nicht nur fester Bestandteil der Siemens-Geschichte, sondern er gehört auch nach wie vor zum kollektiven Bewusstsein der irischen Bevölkerung.

Sie haben mein Land elektrifiziert!

Taxifahrer zu einem Siemens-Mitarbeiter in Irland, 2008
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Jedes der drei Kraftwerke Beni Suef (im Bild), New Capital und Burullus wird nach Fertigstellung die größte Gas- und Dampfkraftwerksanlage der Welt sein.

Die Kraft eines Versprechens

2018 schreibt Siemens erneut Geschichte. Nach ihrer Fertigstellung werden die drei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke des Egypt Megaprojects die leistungsfähigsten der Welt sein. Mehr als 43.500 Arbeitern machen das möglich. Zusammen mit Orascom Construction und Elsewedy Electric sorgt Siemens für eine solide Finanzierung des Projekts. 

 

Ähnlich wie in Irland steht man während der Bauphase auch in Ägypten vor einigen logistischen Herausforderungen. Die Projektleitung hat auch hier mit schlechten Bodenverhältnissen, dem Mangel an Fachpersonal sowie dem aufwendigen Transport  von Maschinen- und Baumaterial zu tun. Vor Ort müssen einzelne Fischerhäfen ausgebaut und Unterkünfte für die mehrere Tausend Arbeitskräfte errichtet werden. Witterungsbedingt kommen die Arbeiten zeitweise sogar zum Erliegen. Statt der ursprünglich geplanten 2.800 Fundamentpfeiler müssen 18.400 zur Stabilisierung des Baugrunds im morastigen Boden der Baustelle versenkt werden. All die Herausforderungen halten die Beteiligten jedoch nicht von der erfolgreichen Umsetzung des Projekts ab, wie Peter Ullrich, Siemens’ Gesamtprojektleiter des ägyptischen Megaprojekts, nach Abschluss der ersten Bauphase im April 2017 stolz verkündet: „Gemeinsam machten wir das Unmögliche möglich – und wir blieben im Zeitplan.“ Tatsächlich wird sogar mehr geleistet, da aufgrund eines Vorsprungs die Lieferung einer zusätzlichen Gasturbine vorverlegt werden kann. Im Klartext: Zusätzliche 400 Megawatt Strom können in das ägyptische Netz eingespeist werden – weit mehr als erwartet. 

 

Ob das Megaprojekt am Nil in ähnlicher Weise wie das Shannon-Projekt auch knapp 100 Jahre später noch im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung sein wird, bleibt abzuwarten. Doch schon heute sprechen alle Anzeichen dafür. Und wieder einmal zeigt das Unternehmen, wie

Das ägyptische Volk kann sich auf Siemens verlassen. Das war schon vor über 150 Jahren so, als Siemens erstmalig in Ägypten tätig wurde, und dieses Engagement bekräftigen wir heute noch.

Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG

Sham Jaff | Sabine Dittler

Weiterführende Informationen

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