In Berlin hat alles begonnen. Vor 171 Jahren gründen Werner von Siemens und Johann Georg Halske in einem Kreuzberger Hinterhof das Unternehmen, das seit Langem in der gesamten Welt zu Hause ist. Aus dem – wie man heute sagen würde – Start-up in der Schöneberger Straße 19 wird innerhalb weniger Jahrzehnte ein Konzern, der Ende des 19. Jahrhunderts mit den Planungen für einen neuen, viel größeren Standort beginnt: Siemensstadt. Die Firma zieht hinaus in eine „Wildnis am Rande Berlins“, wie es in der Unternehmenschronik heißt. 

 

Der Umzug dauert bis 1913. Auf den Nonnenwiesen entsteht ein blühender Stadtteil: mit Tausenden von Arbeitsplätzen, mit Wohnungen, mit kulturellen und sozialen Einrichtungen, und vor allem mit einer klaren Vision vor Augen: die Zukunft zu gestalten – ganz dem Motto folgend, das Werner von Siemens bereits 1854 seinem Unternehmen ins Stammbuch schreibt.

In dem ‚Ich will!' liegt eine mächtige Zauberkraft, wenn es ernst damit ist und Tatkraft dahintersteckt!

Werner von Siemens an seine Frau Mathilde, 1854

Und diese Vision soll nun auf historischem Grund erneut mit Leben erfüllt werden. Die Siemens AG plant auf dem Firmengelände in Berlin-Spandau eine der größten Einzelinvestitionen in der Unternehmensgeschichte. In den kommenden Jahren sollen bis zu 600 Millionen Euro in eine neue Arbeits- und Lebenswelt investiert werden: Siemensstadt 2.0

Das Gründungskonzept der Siemensstadt 1897 bestand darin, Arbeiten, Forschen und Wohnen zu vereinen und damit eine intakte Symbiose für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. [...] Genau darum geht es uns auch in der Siemensstadt 2.0.

Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG

Das Projekt erstreckt sich über eine Fläche von 70 Hektar und hat ein ehrgeiziges Ziel: Es wird das großflächig denkmalgeschützte Industrieareal im Berliner Westen in einen modernen und von vielfältiger Nutzung geprägten urbanen Stadtteil der Zukunft verwandeln. Im Zusammenwirken von Wissenschaft und Wirtschaft sollen ausgewählte Schlüsseltechnologien und Innovationsfelder gestärkt werden, indem Forschungs-, Fach- und Gründungszentren sowie außeruniversitäre und wissenschaftliche Einrichtungen und deren Partnerunternehmen vor Ort aufeinandertreffen. Alle Beteiligten sollen hier, an diesem wichtigen Platz der Unternehmensgeschichte, eine neue Heimat finden.

 

Anders ausgedrückt: Siemensstadt soll wieder zu dem Kiez Berlins werden, der attraktiv ist für Menschen aus aller Welt. Doch wie hat alles begonnen? Werfen Sie mit uns einen Blick zurück und damit zugleich auch nach vorne.

Aus einer „Wildnis am Rande Berlins“ entsteht die Siemensstadt

Nachdem Siemens Ende des 19. Jahrhunderts für den schnell wachsenden Konzern innerhalb des Berliner Stadtgebiets keinen Platz mehr sieht, bricht man auf zu neuen Ufern. Auf den Nonnenwiesen, einer entlegenen Gegend nördlich der Spree zwischen Charlottenburg und Spandau, soll künftig das Herz des Unternehmens schlagen. 

 

1897 schreitet man zur Tat und erwirbt mehr als 200 Hektar Baugrund. Diese Flächen entwickeln die Siemens-Architekten Karl Janisch und Hans Hertlein nach und nach zu einem modernen Industriecampus, der keine Wünsche offenlässt – auch nicht im Hinblick auf die Verkehrsinfrastruktur, soziale Einrichtungen und die Nutzung als Wohngebiet. Das Areal erhält zu Jahresbeginn 1914 den offiziellen Namen „Siemensstadt“. Die Bebauung ist in den 1930er-Jahren im Wesentlichen abgeschlossen und macht den Standort weit über Berlin hinaus zum Symbol moderner Arbeitswelten.