Frauen bei Siemens

Frauen spielen schon früh eine zentrale Rolle bei Siemens. Analog zur gesellschaftlichen Entwicklung steigt die Bedeutung der Mitarbeiterinnen im Unternehmen stetig. Vom Einsatz der ersten Arbeiterinnen in der Glühlampenproduktion bis hin zu mehr Gestaltungsmöglichkeiten in obersten Managementebenen: Erfahren Sie in unserem History Feature, auf welche Weise Frauen zum Unternehmenserfolg beigetragen haben.

Schon früh in der Produktion unverzichtbar

Verantwortungsvoller Arbeitgeber – Angebote für die weibliche Belegschaft

Traditionell versteht sich Siemens als verantwortungsvoller Arbeitgeber. Zusätzlich zu den bestehenden finanziellen Hilfen kümmern sich ab 1907 firmeneigene soziale Einrichtungen um die Belange besonders hilfebedürftiger Gruppen – wie alleinerziehende Mütter. Außerdem beschäftigt Siemens ab 1911 sogenannte Fabrikpflegerinnen, die im direkten Kontakt mit den Arbeiterinnen stehen und sie unterstützen.

 

1907 beteiligt sich Siemens an der Errichtung eines Arbeiterinnenheims in Berlin-Charlottenburg. Das Heim wird in einer für die diese Zeit sehr fortschrittlichen Art konzipiert – die Bewohnerinnen sollen ihr Leben eigenverantwortlich gestalten und sich selbst versorgen. In der Folge entstehen ein Siemens-Kinderheim (1912), in dem Kinder vor allem lediger Mütter während deren Arbeitszeit beaufsichtigt werden, sowie die Erholungsstätte Siemensgarten für alleinstehende Frauen (1913). 

Tragende Säule gerade in Krisenzeiten

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Drittes Reich – Kapazitätsmangel erfordert Frauenarbeit

Das Frauenbild im Dritten Reich ist der herrschenden Ideologie entsprechend völkisch-nationalistisch geprägt; Hausfrau und Mutter zu sein gilt als vornehmste Aufgabe. Doch die Kriegsvorbereitungen beeinflussen auch dieses Bild: Nach 1936/37 propagiert der Staat die Berufstätigkeit von Frauen, schon allein aufgrund der begrenzten Anzahl von Arbeitskräften.

 

1938 sind die Kapazitäten der deutschen Elektrounternehmen voll ausgelastet. In dieser Situation benötigt Siemens jeden Mann – und jede Frau: Nachdem der Anteil der weiblichen Beschäftigten an der Gesamtbelegschaft konjunkturell bedingt kurzzeitig rückläufig war, steigt er ab 1934 langsam, aber beständig auf gut 30 Prozent. Viele Arbeiterinnen sind in der Großserienfertigung von Konsum- und Investitionsgütern wie Radios, Telefonen, Kleinstmotoren oder Staubsaugern beschäftigt. 

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Ausbildungsgang Elektro-Assistentin – Ein neues Berufsbild entsteht

Die schon zu Kriegsbeginn stark ausgelastete Elektrobranche benötigt mit Fortschreiten des Krieges immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte. Um den Mangel an männlichen Facharbeitern ausgleichen zu können, etabliert das Unternehmen Ende der 1930er-Jahre erstmals eigene Ausbildungsgänge für Frauen.

 

Zunächst bilden einzelne Forschungsabteilungen sogenannte Labor-Assistentinnen aus, deren Profil zur Elektro-Assistentin weiterentwickelt wird. Anforderungen und Ausbildungsinhalte des neuen Berufs sind eindeutig definiert. Es werden vor allem Abiturientinnen gesucht, die eine „besondere Veranlagung und Neigung“ für naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik besitzen. Im Frühjahr 1942 wird dieser Beruf offiziell vorgestellt. Die ersten Elektro-Assistentinnen kommen in den Siemens-Laboratorien zum Einsatz.

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Kriegswirtschaft – Frauen werden zwangsverpflichtet

Nach 1939 geraten die Siemens-Werke – wie die gesamte deutsche Industrie – zunehmend in den Sog der Kriegswirtschaft. Die schrittweise Umstellung der Produktion auf kriegswichtige Güter sowie der Mangel an männlichen Arbeitskräften verändern die Belegschaftsstruktur; der Frauenanteil steigt überdurchschnittlich.

 

Während des Zweiten Weltkriegs wird das Tagesgeschäft bei Siemens von Rohstoffknappheit, Transportproblemen sowie Arbeitskräfte- und Facharbeitermangel beherrscht. Dem steht die von den Behörden geforderte Ausweitung der Produktion gegenüber. Ab 1940 werden verstärkt zivile Arbeitskräfte aus den besetzten Gebieten in Polen, der Ukraine und in Russland beschäftigt. Kamen die Frauen und Männer anfangs noch freiwillig, werden sie im weiteren Kriegsverlauf zwangsverpflichtet.

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Wiederaufbau – Frauen gestalten den Neubeginn

In der unmittelbaren Nachkriegszeit sind die Mitarbeiter mit Reparatur- und Aufräumarbeiten sowie mit der Notfertigung von Gegenständen des täglichen Bedarfs beschäftigt.

 

Erst als die Produktionsanlagen in Berlin und in den westlichen Besatzungszonen funktionstüchtig sind, kann wieder mit der Herstellung einfacher elektrotechnischer Erzeugnisse begonnen werden. Da sich ein Teil der männlichen Kollegen 1946/47 noch in Kriegsgefangenschaft befindet, müssen Frauen deren Aufgaben übernehmen. Damit steigt der weibliche Anteil an der Siemens-Belegschaft.

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Wirtschaftswunder – Fingerfertigkeit und Präzision gefragt

Während der Zeit des Wirtschaftswunders verzeichnet Siemens durchweg zweistellige Wachstumsraten. Das ist vor allem der Verdienst von Frauen, die in der Produktion von Kleingeräten und nachrichtentechnischen Erzeugnissen ihre hohe Fingerfertigkeit und Präzision unter Beweis stellen.

 

Unverändert sind die meisten Frauen an- und ungelernte Kräfte; der Weg in die höheren Hierarchieebenen bleibt ihnen weitgehend versperrt. Entsprechend niedrig sind die Anforderungen an potenzielle Bewerberinnen auf gewerblich-technischem Gebiet. In den Stellenanzeigen jener Jahre wird stets betont, dass die Arbeit „sauber, körperlich leicht, ohne Schwierigkeiten zu erlernen und im Sitzen auszuführen“ ist.

Verändertes Umfeld und neue Aufgaben