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Abeiten bei Siemens

Ein unstillbarer Wissensdurst

Wie sehr beeinflusst unsere Kindheit die Wege, die wir in der Zukunft gehen? Teresa Collis, Globale Leiterin des Bereichs Recruitment Marketing & Kompetenzentwicklung, erzählt, wie ihr Großvater vor vielen Jahren ein Feuer in ihr entfacht hat, das seither nicht erloschen ist – mit Hilfe einer Bibliothek in der hintersten Ecke seines Gartens. Heute ist sie ihm dafür unendlich dankbar.

„Ich erinnere mich an einen Sommertag, an dem wir so viele Kirschen gegessen hatten, dass uns schlecht wurde“, erzählt Teresa Collis. Den Fehler hat sie seitdem nicht noch einmal begangen. Ihr Elternhaus lag 30 Kilometer vom australischen Melbourne entfernt an einer Landstraße zwischen zwei anderen Häusern. Sie weiß noch, wie sie mit ihren Freunden im Kirschgarten spielte (und viel über Selbstkontrolle lernte) und wie sie über verwilderte Wege zu ihrem Großvater lief. Dort angekommen, saß sie am liebsten mit ihm in der hintersten Ecke seines Gartens, wo in einem Gartenhaus hunderte – wenn nicht tausende – Bücher gestapelt waren.

 

Diese verträumte Kulisse, die wie eine Szene aus einem Roald-Dahl-Roman anmutet, hat in Teresa Collis einen unstillbaren Wissensdurst geweckt.

Die Bibliothek im Gartenhaus

Ihr Großvater war der Rektor ihrer Schule am Stadtrand von Croydon, einer Vorstadt von Melbourne. Die beiden verbrachten viele Stunden in der selbstgebauten Gartenhaus-Bibliothek zwischen Regalen, die sich durch die Masse an Büchern in den Jahren verbogen hatten.

 

Teresa Collis erinnert sich noch, wie ihr Großvater seine Bücher in seinem Arbeitsraum stapelte, bis ihre Großmutter irgendwann die Nase voll hatte: „Das ist doch lächerlich! Wir können hier nicht wohnen, wir müssen irgendetwas mit all diesen Büchern machen!“ Sich von ihnen zu trennen war für ihn undenkbar. So kam er auf die Idee, eine eigene Bibliothek im Garten zu bauen – eine Entscheidung, die die Großmutter beruhigte und in Teresa Collis eine Leidenschaft für das Lesen und einen enormen Wissensdurst entfachte. „Er war großartig und hat mir so viel beigebracht“, sagt sie, während sie in Gedanken in sein freundliches und warmes Gesicht blickt. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit nur sechs Jahren jeden einzelnen Baum in unserem Busch benennen konnte. Dank ihm.“

Die Nachtsittiche

Die Themengebiete, die die Bücher umspannten, waren so vielseitig wie ihre eigenen Interessen, doch eine Geschichte, besser gesagt eine Illustration, hat sich ihrem Gedächtnis besonders eingeprägt: Sie stammte von John Gould, einem Vogelkundler und -maler aus dem 19.

Jahrhundert. Auf ihr zu sehen waren lebhafte grüne und gelbe Nachtsittiche zu sehen, eine seltene Spezies, die seit 1912 nicht mehr lebend gesehen worden war. „Es war das schönste Buch überhaupt“, erinnert sich Teresa Collis.

 

Jahrzehnte später, im Jahr 2013, erhielt sie eine Nachricht von ihrem Vater, dass „ihre und Großvaters” Vögel zum ersten Mal in über 100 Jahren gesichtet wurden. Die Erkenntnis, dass eine der seltensten Tierarten Australiens wiederentdeckt worden war, weckte viele Erinnerungen an ihren Großvater – an den Mann, der ihre nicht zu bändigende Neugier entfacht hatte.

Vielleicht werden Menschen mit einem Neugier-Gen geboren. Wenn das der Fall ist, wurde meines sicherlich von meinem Großvater genährt.

Teresa Collis

Das Neugier-Gen

Teresa Collis’ Wissensdurst war weit mehr als nur eine Phase. Während die meisten Schulkinder davon träumen, aus den Klassenräumen in Richtung Freiheit zu laufen, war ihr Traum ziemlich genau das Gegenteil. Schon vor ihrer Einschulung schmuggelte sie sich heimlich in Unterrichtsstunden ihres Großvaters, um so viel Wissen wie nur möglich aufzusaugen. Um zu verstehen, was in all ihren geliebten Büchern steht, musste sie natürlich auch das Lesen lernen – etwas, das sie bereits vor ihrem ersten Schultag geschafft hatte.

 

Ihr Großvater verstarb, als sie elf Jahre alt war. Er war der Grund für Teresa Collis’ Begierde, immer mehr lernen zu wollen. „Ich kann mit Langeweile nicht besonders gut umgehen“, gibt sie zu. Mit zwölf Jahren las sie „The Web of Life“, ein komplexes Buch, in dem unkonventionelle Ansichten über Evolution stehen, auf Universitätsniveau.

 

„Es hat mich total fasziniert“, sagt sie. So sehr, dass sie mit 18 Jahren beschloss, Medizinwissenschaften zu studieren. Sie war die erste in ihrer Familie, die ein Studium absolvierte.

 

Es steht außer Frage, dass Teresa Collis ihren Wissensdurst von ihrem Großvater „geerbt“ hat. „Vielleicht werden Menschen mit einem Neugier-Gen geboren. Wenn das der Fall ist, wurde meines sicherlich von ihm genährt.“

 

Wer mit Teresa Collis spricht, glaubt schnell, dass ihr Wissensdurst in ihrer Psyche vorprogrammiert ist. Sie sammelt Informationen wie andere Münzen für ihr Sparschwein. Mit dem Unterschied, dass die Münzen irgendwann ausgegeben werden, ihre „Sammlung” gibt sie jedoch nie wieder her. 40 Jahre später erinnert sie sich heute immer noch an den Namen jedes Baumes in ihrer Heimat.

Wissen hat viele Berufe

Auch wenn es um ihre Karriere geht, hat Teresa Collis viel ihrem Großvater zu verdanken. Rückblickend ist sie der Meinung, dass er ihr das Selbstvertrauen gegeben hat, auch Stellen anzunehmen, die nicht zu ihrer akademischen Ausbildung passten. Sie weiß, dass man so gut wie alles lernen kann. Diese Selbstsicherheit hat Teresa Collis dazu verholfen, ihren eigenen Weg zu gehen.

 

Ihre Laufbahn war abwechslungsreich. Nachdem sie ihre Ausbildung am Royal Melbourne Institute of Technology (mit Auszeichnung) in der Tasche hatte, arbeitete sie elf Jahre als Medizinwissenschaftlerin. Danach war sie im Sales-Bereich als Produktmanagerin tätig, bevor sie ihre Karriere bei Siemens anfing – wo sie in den letzten zehn Jahren in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hat.

 

Ihr Titel ist heute „Globale Leiterin des Bereichs Recruitment Marketing & Kompetenzentwicklung“, sie hat Verantwortung in den Bereichen Personalwesen und Rekrutierung. Wie wird aus einer Medizinwissenschaftlerin eine Personalerin? „Ich glaube, meine Neugier ist der Grund, weswegen ich all diese unterschiedlichen Bereiche erforschen wollte. Ich liebe es einfach, viel zu wissen. Sobald ich etwas verstehe, will ich etwas Neues lernen“, sagt sie.

 

Hat ihr der Wissensdurst zu einer erfolgreichen Karriere verholfen? Mit einer eindeutigen Antwort zögert sie. („Was Erfolg wirklich bedeutet, muss jeder für sich selbst definieren.“) Aber schließlich fasst sie zusammen: „Wenn du nicht neugierig bist, wirst du dich nie kennenlernen. Und ich denke nicht, dass man erfolgreich wird, wenn man sich nicht mal selbst versteht.“