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Arbeiten bei Siemens

Hat sie ihre Werte verraten?

Würde ein wahrer Umweltschützer wirklich in einem der größten Technologiekonzerne weltweit arbeiten? Diese Frage diskutieren Inga Doak und ihr Bruder Sam Doak regelmäßig. Aber – und das ist immer wieder ihr Standpunkt – es gibt viele unterschiedliche Ansätze, wie wir zum Umweltschutz beitragen können.

Man muss vom australischen Inverell in die Landstraße einbiegen – dort, wo die Flüsse aus den New England Tablelands zusammenfließen. Nach der ersten Kurve geht es auf dem Feldweg für etwa fünf Kilometer weiter. Die Szenerie vor dem Autofenster kann sich sehen lassen: grasende Schafe und waldbedeckte Abhänge, so weit das Auge reicht. Mittendrin in dieser Landschaft sind Inga Doak und ihre vier Brüder aufgewachsen, genau wie zuvor ihr Vater mit seinen Geschwistern. Es gibt hier keinen mobilen Empfang. Wer diesen Ort besucht, versteht, was Isolation wirklich bedeutet.

Inga Doaks Bruder ist der Meinung, sie habe ihre Werte verraten. Gerne und oft zieht der lteste von fünf Geschwistern die jüngste liebevoll auf. Als Parkranger in Neusüdwales hegt und pflegt er die Gärten von seinem Reitersattel aus, überwacht wilde Pferde aus dem Helikopter und stattet Dingos mit GPS-Geräten aus. Er macht seine Hände wortwörtlich schmutzig und erfüllt wichtige Aufgaben - davon ist auch Inga Doak überzeugt. Trotzdem neckt sie ihn regelmäßig zurück: „Wenn Sam wieder einmal versucht, meinen Beruf schlecht zu reden, erinnere ich ihn daran, dass sein Alltag auch nicht nur aus Abenteuern in der freien Wildbahn besteht. Auch er kann leider viele seiner Aufgaben nur aus einem Büroraum aus erfüllen,” schmunzelt sie.

Obwohl sie die gleichen Werte teilen, sind die Geschwister komplett unterschiedliche Wege gegangen. Inga Doak ist Sustainability-Managerin eines globalen Konzerns in England, Sam Doak Parkranger am anderen Ende der Welt. Die zentrale Frage ihrer Diskussion ist, wer dem Titel Umweltschützer wirklich gerecht wird, ein Punkt den auch Inga Doak regelmäßig überdenkt.. Man könnte jetzt argumentieren, dass das ohnehin niemand von sich behaupten darf, der nicht direkt in der Natur arbeitet. Oder mit seinen Händen anpackt. Dem widerspricht sie aber entschieden: „Man muss nicht immer den direkten Weg gehen,” sagt sie. „Oft ist es sinnvoller, Probleme in ihrem Kern anzupacken und von innen heraus zu arbeiten.

Es gab auch Zeiten, in denen sie ihre eigenen Werte in Frage stellte. Mittlerweile weiß sie aber, was ihre Arbeit bewirkt: „Wenn wir den globalen Konzernen den Rücken kehren und sie als ‚groß und gierig‘ abstempeln, werden sie mit allem durchkommen.“ Letztendlich zeigen sich die meisten Umweltprobleme in den Städten. Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2030 über 60 Prozent der globalen Bevölkerung in Ballungsräumen leben. Das ist keine Spekulation, sondern eine realistische Einschätzung der Folgen, die unsere heutigen Handlungen in der Zukunft haben werden. Inga Doak glaubt daran, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist – etwas, das sie von Mutter Natur und von der Schäferei in Neusüdwales gelernt hat.

Wenn wir den globalen Konzernen den Rücken kehren und sie als ‚groß und gierig‘ abstempeln, werden sie mit allem durchkommen.

Inga Doak

Die Kindheit von Inga Doak, Sam Doak und ihren drei Brüdern war geprägt von einer ehrlichen und selbstverständlichen Verbindung mit der Natur. Sie haben deren Ressourcen schätzen gelernt und den Zusammenhang zwischen der Lammzeit und dem jährlichen „Wool Cheque“ – dem Ertrag, den die Wolle ihrem Vater einbrachte – erkannt. Beim Frühstück sahen sie ihrer Mutter beim Kühemelken - etwas, das sie jeden Tag vor ihrer Arbeit als Lehrerin erledigte. Während des Scherens half Inga Doak ihrem beim Zusammentragen der Herde.

Als Teenager hat Inga Doak das ländliche Leben nicht immer genossen – vor allem daran, dwenn ihre Freunde sich in der nächstgelegenen Stadt trafen während sie versucht hat die endlosen Stunden auf der Farm totzuschlagen. Heute ist sie froh, diese Erfahrung gemacht zu haben: „Zeit in der Natur hilft, aus deiner Blase auszubrechen.“

Alle fünf Geschwister haben in den Bereichen Umweltschutz und Landwirtschaft gearbeitet. Bart Doak ist die große Ausnahme: Nach einem Karrierewechsel ist er heute im Finanzwesen tätig. Doch auch er kehrt regelmäßig auf die Farm zurück, um sich in der Natur zu erholen.

Ihre Kindheit klingt zwar idyllisch, aber Ingas persönliche Beziehung zur Umwelt ist dennoch realitätsnah. Ihre Vergangenheit sieht sie nicht durch eine rosarote Brille. Sie gibt auch offen zu, nicht auf jede Frage die richtige Antwort zu finden. Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Teil seines Alltags zu machen sollte keine große Herausforderung darstellen, vor allem in einem ohnehin schon so komplizierten Leben.

„Wir leben heute nicht mehr im dunklen Zeitalter: Technologie ist Teil unserer Existenz. Wir verwenden Mobiltelefone aus Edelmetallen, die unter schrecklichen Umständen in Entwicklungsländern gewonnen werden. Trotzdem werden wir sie weiterhin besitzen. Die Welt der Nachhaltigkeit ist voller Gegensätze wie dieser: Wir müssen eine Koexistenz zwischen beiden Seiten schaffen.“

Der Schlüssel zur Veränderung liegt darin, durch diese Gegensätze nicht ins Stocken zu geraten.  „Manche Menschen fragen sich, warum sie Fahrrad fahren oder Müll trennen sollen, während die Welt rasant wächst, konsumiert und in der gleichen Geschwindigkeit Abfall produziert. Die Einstellung “Mein Beitrag wird sowieso nichts großes bewirken” ist nur eine faule Ausrede, nicht vor der eigenen Tür kehren zu müssen. Ob als Unternehmen oder Einzelperson - wir sollten alles tun, was in unserer Macht steht.