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Arbeiten bei Siemens

Den Militärdienst beenden: warum es schwieriger ist, als man vielleicht denkt

Wir haben mit einer Veteranin und zwei Veteranen gesprochen, die ihren Militär- oder Marinedienst gegen ziviles Arbeiten getauscht haben – eine emotionale Achterbahnfahrt. Finden Sie heraus, welche Hürden sie zu meistern hatten.

Angst, Risiken und eine ordentliche Portion Ungewissheit: Nicht gerade die Worte, mit denen man seinen ersten Arbeitstag beschreiben möchte. Doch für viele, die ihre erste zivile Karriere beginnen, verläuft die Umstellung alles andere als reibungslos.

Der Sturm vor der Ruhe

Dieses Gefühl kennt Phil Jackson aus eigener Erfahrung. Er selbst hat acht Jahre bei der britischen Armee gedient. Seine militärische Laufbahn begann im jungen Alter von 16 Jahren. Was den Anfang seiner „civy street“ (Militär-Slang für ziviles Leben) angeht, war er aber mehr als besorgt. „Ich hatte Angst, dass ich womöglich weder genug Erfahrung noch genug Wissen für diese Rolle vorweisen könnte.“ Doch dann dachte er sich: „Wie soll ich das jemals ändern, wenn ich es nicht einfach mal versuche?“

Auch Victoria Sargeant kann sich mit diesen Sorgen identifizieren. Als Flugzeugbauingenieurin bei der britischen Marine war sie sich unsicher, ob sie in ihren neuen Beruf hineinpassen würde, erzählt sie. „Im Vergleich zu anderen war ich nicht institutionalisiert. Meine Befürchtung war, dass ich ohne meine Freunde etwas verloren sein würde. Während ihrer Zeit bei der Marine teilte sie mit 32 Frauen ein Zimmer – kein Wunder, dass ihr der Neuanfang etwas schwer fiel.

Der Weg ist das Ziel

Gewohnt, Dinge auf eine ganz konkrete Weise auszuführen, tanzte Victoria Sargeant bereits in ihrer ersten Arbeitswoche aus der sprichwörtlichen Reihe. „An einem Freitagnachmittag fing ich an, die Mülleimer zu entleeren. Mein Vorgesetzter kam auf mich zu und fragte, was ich da denn tun würde. Ich erwiderte, etwas überrascht über die Frage: ‚Es ist doch Freitag, wir sollten ein bisschen aufräumen.‘“ Ihr Chef erklärte ihr, dass dafür doch Putzpersonal angestellt wäre. „Mich selbst um meine Sachen und einen sauberen Platz zu kümmern war für mich eine Selbstverständlichkeit.“

Zusätzlich hatte Victoria Sargeant Probleme mit dem Thema Hierarchie. „Wenn bei der Marine ein Offizier den Raum betrat, mussten wir strammstehen. Ich glaube, ich mache das heute immer noch, wenn ich mit meinen Vorgesetzten spreche. Sie stehen nun mal über mir.“ Ihr Mentor ermutigte sie, Rangordnungen und Hierarchien zu vergessen und Kolleginnen und Kollegen als Menschen anzusehen – etwas, das ihr, so gibt sie offen zu, nach den Regeln des Militärs alles andere als leichtfiel.

In einer zivilen Rolle anzukommen bedeutete auch für Paul Bryden eine große Herausforderung. Er verließ das Militär an einem Freitag und hatte seinen ersten Arbeitstag als Betriebsleiter bereits am darauffolgenden Montag. „Ich fing bei einer Immobilien-Einheit an, ohne jegliche vorherige Erfahrung mit Immobilien oder in einer kommerziellen Einrichtung vorweisen zu können.“ Eine seiner ersten Aufgaben war es, sich einen Überblick über das elektronische Bestell- und Verrechnungssystem zu verschaffen. Doch bevor er damit anfangen konnte, musste er erst einmal nachfragen, was das eigentlich ist.

Auch wenn das Ungewisse beunruhigend sein kann, hat Paul Bryden den Sprung ins kalte Wasser gewagt: „Es gab natürlich gravierende Unterschiede, aber ich dachte mir: Ich verstehe es vielleicht heute noch nicht, aber das wird sich schon bald ändern.“

Phil Jackson hat insgesamt zwei Jahre gebraucht, um sich an seine neue Karriere zu gewöhnen. „Die Lernkurve kam Hand in Hand mit einem sehr, sehr steilen Weg für mich, was meinen Lifestyle, meine Arbeitseinstellung, aber auch die Industrie anging – ich musste neue technische Kompetenzen erwerben“, erzählt er.

Meister ihrer Hürden

Genauso wie Victoria Sargeant und Paul Bryden hat es auch Phil Jackson letztendlich geschafft, die Herausforderungen auf seinem neuen Karriereweg zu meistern. „Ich war umgeben von Menschen mit so viel Wissen und Erfahrungen, die sie an mich weitergegeben haben.“ Obwohl Mentorschaft und die Möglichkeit, weiterzulernen, essenziell waren für Phil Jacksons Entwicklung, fühlte er auch die Notwendigkeit, sich akademisch weiterzubilden. „Ich wurde ermutigt, mich stets verbessern zu wollen – für mich selbst“, erklärt er.

Während seiner Militärzeit reiste Phil Jackson um die Welt: von Kuwait über Florida bis nach Sierra Leone – um nur einige der Destinationen zu nennen. An einem Schreibtisch gefangen zu sein, war nicht einfach für ihn. Mit der Zeit gewöhnte er sich aber nicht nur daran, er fand auch Gefallen an seinem neuen Leben: „Einen festen Arbeitsplatz zu haben, bedeutet auch Sicherheit.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt für ihn: Unabhängigkeit. Etwas, das er während seiner Zeit beim Militär, als er nur „ein Teil einer Maschine“ war, vermisste.

Von anderen lernen zu können war der Grund, weshalb Paul Bryden seine Herausforderungen meistern. Er selbst sagt: „Harte Arbeit zahlt sich immer aus. Ich war mir meiner Wissenslücken vollkommen bewusst und habe mich bemüht, sie schnell zu füllen. Ich hatte keine Angst, Fragen zu stellen, und habe mich auch mit den theoretischen Aspekten auseinandergesetzt, um die nötigen Qualifikationen zu erlangen.“

Die richtigen Fähigkeiten

Trotz der schwierigen Übergangszeit hat ihr militärischer Hintergrund Phil Jackson, Paul Bryden und Victoria Sargeant zu Fähigkeiten verholfen, die sie in ihrer zivilen Karriere unterstützt haben. „Teamwork und Führungsqualitäten lassen sich eben auf jede Branche abwandeln“, erklärt Paul Bryden.

Für Victoria Sargeant stechen vor allem die sozialen Kompetenzen heraus. „Die Zeit bei der Marine schweißt zusammen. Ich bin viel unter die Leute gekommen“, erzählt sie. Welches Team auch immer sie heute leitet – sie legt großen Wert auf den sozialen Aspekt und stellt sicher, dass sich die Kolleginnen und Kollegen auch außerhalb ihres Arbeitsumfeldes kennenlernen.

Phil Jackson hebt die Hingabe für die Karriere hervor. „Beim Militär bist du motiviert, ständig besser zu werden. Im Militär gibt es diesen natürlichen Rang, zu dem man sich hocharbeitet. Das ist an mir haften geblieben – stets nach oben zu blicken und bereit für den nächsten Schritt, den nächsten Rang zu sein.“ Welchen Rat würde er jemandem geben, der sein militärisches Leben gegen ein ziviles tauscht? „Haben Sie keine Angst. Im Gegenteil – genießen Sie den Anfang eines neuen Kapitels!“

Veteraninnen und Veteranen haben besondere Fähigkeiten, die in vielen Rollen und Industrien gefragt sind. 2017 unterzeichnete Siemens den Streitkräftevertrag (Armed Forces Covenant) – eine Vereinbarung mit der britischen Regierung und dem Militär, die das Unternehmen verpflichtet, Veteraninnen und Veteranen auf unterschiedlichen Stellen einzusetzen.

Es gab natürlich gravierende Unterschiede, aber ich dachte mir: Ich verstehe es vielleicht heute noch nicht, aber das wird sich schon bald ändern.

Paul Bryden

Fakten

Die Zukunft für Veteraninnen und Veteranen in Großbritannien

  • Geschätzte 85.000 werden bis 2021 das Militär verlassen. (Das entspricht der Anzahl der Menschen, die in Großbritannien im Kreativ-, Kunst- und Unterhaltungssektor angestellt sind.)
  • Eine Studie von Barclays prognostiziert, dass eine/r von fünf Veteranen/innen Schwierigkeiten bei der Anpassung an das zivile Leben haben wird. Das bedeutet gleichzeitig einen Verlust von 1,5 Millionen Pfund in den nächsten fünf Jahren für Großbritanniens Wirtschaft.
  • Die Studie prognostiziert außerdem, dass zwei Drittel der Arbeitnehmer/innen in den ersten fünf Jahren Probleme mit sozialen Kompetenzen haben werden (diese beinhalten Kommunikation, Eigenmotivation und Führerschaft), während über 600.000 Stellen unbesetzt bleiben.
  • Siemens hat eine Strategie entwickelt, wie die Anzahl der Veteraninnen und Veteranen, die bei Siemens angestellt werden, bis Ende 2017 von fünf auf zehn Prozent ansteigen kann.
  • Der Streitkräftevertrag (Armed Forces Covenant) ist eine Vereinbarung zwischen Unternehmen, der Gemeinde und lokalen Wohltätigkeitsorganisationen, um Mitglieder des Militärs zu unterstützen. Durch ihre Unterzeichnung fokussiert sich Siemens auf die Besetzung offener Stellen durch Veteraninnen und Veteranen.
  • Über 1.500 Organisationen haben in Großbritannien diese Vereinbarung unterzeichnet – ein solidarisches Versprechen gegenüber Veteraninnen und Veteranen.