Bitte benutzen Sie einen anderen Browser

Sie nutzen einen Browser, der nicht vollständig unterstützt wird. Bitte beachten Sie, dass Darstellung und Bedienbarkeit dieser Seite möglicherweise eingeschränkt sind. Zur optimalen Nutzbarkeit empfehlen wir den Download eines unterstützten Browsers in der neuesten Version:

Internet Explorer, Chrome Browser, Firefox Browser, Safari Browser

Mit dem aktuellen Browser fortfahren

Arbeiten bei Siemens

Treffen Sie den abenteurlichen Chef mit einem ungewöhnlichen Werdegang

Treffen Sie einen verrückten Vogel mit einem außergewöhnlichen Hintergrund. Die Weltmeere zu bereisen und Zoologie zu studieren haben Toby Peyton-Jones geholfen, zu verstehen, wie Menschen ticken, und dadurch seine Arbeit zu verbessern.

Toby Peyton-Jones ist ganz ehrlich: Wenn er nur eine Sache macht, wird ihm schnell langweilig. Wer sich mit seiner Lebensgeschichte vertraut macht, versteht, was damit gemeint ist. Vor seinem Job als HR-Direktor in einem globalen Technologiekonzern arbeitete er als Kapitän auf hoher See. Davor besuchte er die Sanhurst Militärschule. Außerdem hat er Zoologie und Psychologie studiert - beides Bereiche, die ihm geholfen haben zu verstehen, wie der Mensch tickt und welche Meilensteine im Leben gemeistert werden können.

Wenn man jemandem aus einem so weitläufigen Feld aus seinem täglichen Leben erzählen lässt, ist es selbstverständlich, dass einige Geschichten aus dem Ärmel geschüttelt werden können. Genau diese Geschichten machen mich neugierig, als ich Toby Peyton-Jones am Freitagnachmittag anrufe. Er ist gerade in Lake District, unweit von seinem Zuhause. Er hat an verschiedenen Projekten in Deutschland, den USA und in Großbritannien gearbeitet, seine Zeit in Peking allerdings, „gerade als sich China angefangen hat dem Weltmarkt aufzuschließen”, nennt er seinen ganz klaren Höhepunkt.

Toby Peyton-Jones erzählt von seinen Fahrstunden in China auf einem ehemaligen Flughafengelände „voller LKWs, Busse und Autos, die den ganzen Tag im Kreis fahren.” Er war mittendrin in einem kleinen Auto mit einem waghalsigen Fahrlehrer an seiner Seite, der sein eigenes Können unter Beweis stellen wollte. Toby Peyton-Jones wird sichtlich enthusiastisch, als er anfängt, von Meetings in eisig kalten Räumen in der Verbotenen Stadt zu sprechen. „Es war einfach fantastisch. Ich saß bei Minus 10 Grad in Meetings mit Regierungsmitgliedern. Keiner zog seine Mütze oder seine Handschuhe aus und unser Atem zeichnete sich in der Luft ab. Es fühlte sich an wie in Sibirien. Damals hat niemand verstanden, warum ich dort sein wollte”.

 

 

 

Im Grunde ist es aber ein gutes Zeichen, behauptet Toby Peyton-Jones, wenn man mit seinen Entscheidungen auf gespaltene Meinungen stößt. „Es zeugt davon, dass es viel Raum für Veränderung gibt. Problematisch wird es nur, wenn die negativen Seiten überwiegen, oder sogar Lebensgefahr besteht.”

Als kleiner Junge verbrachte Toby Peyton-Jones viele Stunden damit, mit seinen Geschwistern auf Felsen herumzuklettern und schon mit sieben Jahren campte er nachts mit seinen Freunden in der freien Wildbahn. Was für viele nach einer idyllischen Jugend klingt, bereitete seiner Mutter regelmäßig Kopfschmerzen. Sein Vater, ebenfalls leidenschaftlicher Abenteurer, nahm es hingegen locker: “Wir haben vier Kinder, da macht eines oder zwei mehr oder weniger nicht viel aus.”

Langsam aber sicher wird klar, woher Toby Peyton-Jones seine Scheu vor Stillstand hat. Seine Wochenenden verbringt er Zuhause in Windermere und geht klettern oder hügellaufen. Auch wenn er nachdenkt, ist er am liebsten in Bewegung und ein bekennender Fan von „talk-and- walk”-Meetings, die durch Fernsehshows wie „The West Wing” und Aaron Sorkin bekannt gemacht wurden. Auf dem Land kann Toby Peyton-Jones seine Ideen zu reflektieren. Arbeiten, und da ist Toby Peyton-Jones konsequent, möchte er aber am Wochenende nicht. „Es ist die Zeit, in der sich die Gedanken sortieren können.”

Ein radikaler Chef

Wenn man sich seine Arbeitsmoral ansieht, wirkt Toby Peyton-Jones wie der Traumboss schlechthin. Wann auch immer etwas schiefgeht, erwidert Toby Peyton-Jones: „Zumindest ist keiner daran gestorben.” - ein Gedanke, den zugegebenerweise jeder mal hat. Die Arbeit ist nur ein Teilaspekt unseres Lebens - und viel wichtiger ist es, dass wir alle seine Facetten genießen.

Diese kleine Alltagsweisheit wirkt in seinem Fall besonders glaubhaft. Das liegt vermutlich daran, dass er seit über zwanzig Jahren in der gleichen Position ist - eine Tatsache, die auch für das Unternehmen spricht.

Eine Sache interessiert mich besonders: Wie bewahrt er auch in aufgeheizten Situationen einen kühlen Kopf? Er beantwortet die Frage erstmal mit einer langen Pause, die mir Sorgen bereitet. (Das macht er während unseres Gespräches übrigens regelmäßig, belohnt die Geduld aber stets mit einer wohlüberlegten Antwort.) „Menschen werden schnell mal wütend oder überemotional. Ich sage immer: „Es gibt viele schwierige Menschen da draußen. Und du bist nur einer von ihnen.” Wenn Toby Peyton-Jones von zwischenmenschlichen Dynamiken am Arbeitsplatz redet, tut er dies mit einer Sensibilität, die andere eher im Gespräch über persönliche Beziehungen an den Tag legen würden. Er gehört sicherlich nicht zu der Sorte Chefs, die Menschlichkeit vergessen haben.

„Wenn du die Überzeugung behältst, dass Menschen generell gute Absichten haben, hilft das enorm, mit schwierigen Situationen besser klarzukommen.” Die positive Grundeinstellung hat Toby Peyton-Jones schon als Jugendlicher vermittelt bekommen. „Meine Mutter hat mich regelmäßig daran erinnert, dass man nie weiss, was im Leben anderer wirklich vor sich geht. Deswegen sollte man immer versuchen, freundlich sein.”

Ich muss vor Toby Peyton-Jones zugeben, dass sein Ansatz meine Sicht auf Personalwesen komplett verändert hat. In meiner Vorstellung bestand HR vorwiegend aus bürokratischer Arbeit, die kreative Arbeit anderer ermöglicht, aber an sich sehr trocken ist.” Das operative Management sieht auch Toby Peyton-Jones als “hiring-and-firing”-Maschine, in der er nicht länger hätte arbeiten können.

Die „öden” prozess-getriebenen Aspekte werden immer weiter automatisiert, Personalwesen bietet aber generell die Möglichkeit, in viele weitere Themen tief einzutauchen. Toby Peyton-Jones erklärt: „Ich bin eher als Geschäftsmann als als Personaler bekannt. Ich versuche meinen Aufgaben-bereich nicht zu beschränken.” Teil seines Berufes ist die Zusammenarbeit mit der Regierung Großbritanniens. Gemeinsam verbessern sie die nationalen Bildungspolitik, und stellen sicher, dass auch die nächsten Generationen ausreichende Arbeitskräfte innerhalb des STEM-Gebietes (Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen, Mathematik) zur Verfügung hat; Toby Peyton-Jones ist der lebende Beweis, dass man auch in einer hohen Positionen arbeiten kann, ohne am Wochenende seine Arbeitsmails checken zu müssen.

Der Freitagabend nähert sich in großen Schritten, es wird also Zeit für die letzten Fragen. Toby Peyton-Jones glaubt, dass Siemens eines der weltweit stärksten Belegschaften hat. Aber was meint er damit konkret? „Im Finanz-, Marketing- oder auch Kunstsektor geht es oft um einzelne  Talente und Persönlichkeiten. Bei uns ist Teamwork ein selbstverständlicher Aspekt unserer Arbeit. Keiner wird ein Stromnetzwerk, eine Bahninfrastruktur oder ein Krankenhaus ganz alleine aufbauen können.”

Die HR-Evolution

Siemens erfindet sich gerade neu - und das nicht zum ersten Mal. Das Unternehmen, wie Toby Peyton-Jones selbst erzählt, gestaltet sich seit seiner Geburtsstunde vor 160 Jahren stets um.

Am Ende der industriellen Revolution gegründet, hat das Unternehmen sowohl die Anfänge  des Kommunikationszeitalters miterlebt als auch das erste Unterwasserkabel zwischen Großbritannien und den USA verlegt. Es hat das Prinzip der Elektrodynamik entdeckt; die Anfänge der Stromenergie und der elektrischen Motoren, wie wir sie heute kennen, begünstigt und zuletzt die elektronische Revolution der Siebziger Jahre „mitgemacht”.

Der letzter Meilenstein, auch „die vierte industrielle Revolution” genannt, ist aber laut Toby Peyton-Jones anders. Technologie und Automatismus führen zu einer global vernetzten Welt. Neben der Digitalisierung, Globalisierung und den demografischen Veränderungen sorgen sie für viele relevante gesellschaftliche Veränderungen.

Er erklärt weiter: “Diese Veränderungen bedeuten, dass existierende Geschäftsmodelle von Organisationen gezielt angegriffen werden können, da die Einstiegsgrenzen sehr niedrig angesetzt sind. Das hat verheerende Konsequenzen für die größere Unternehmen und kann sogar zum Ende führen. Menschen müssen anfangen, ihre Denk- und Arbeitsweisen anzupassen.”

Auf ein so schnelllebiges und unbeständiges Umfeld zu reagieren, bedeutet auch, dass ein Großteil der Unternehmensplanung nicht mehr zentral gesteuert werden kann und auch konventionelle Prozesse nicht mehr nach veralteten, festgefahrenen Prinzipien ablaufen können. Der Fokus muss „auf der Motivationen der Menschen liegen. Sie müssen lernen, schneller agieren und reagieren zu können.”

Kulturelle Veränderungen

So eine neue Kultur zu schaffen, setzt aber auch Veränderungen in allen Bereichen des Unternehmens voraus. Die sogenannten „visionären Führungskräfte” der Vergangenheit, die Potenzial entdeckt und anschließend für die entsprechenden Strukturen gesorgt haben, reichen da nicht mehr aus. Führungskräfte werden zwar immer noch den fundamentalen Bereich definieren, ihre Rolle wird sich aber weg von dem Zuarbeiter der Führungskräfte in Richtung eines kreativeren Mitgestalters entwickeln. Das bedeutet, dass es in ihrer Verantwortung liegt, ihre Mitarbeiter zur Zusammenarbeit zu motivieren, um Ziele erfolgreich umzusetzen. Es geht darum, eine Eigentümerkultur zu etablieren, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das eigenständige Lösen von Problemen beizubringen.

Für diese neue Arbeitsmethode müssen die Menschen lernen das „Was” aber auch das „Wie” in ihrem Prozess neu zu überdenken. Toby Peyton-Jones ist sich sicher: „Veränderungen beginnen mit der richtigen Einstellung.”

Anstelle von Mitarbeiterversammlungen, in denen Führungskräfte ihre Angestellten ansprechen, treten bei Siemens nun sogenannte „conversational forums” und „listening groups”. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter melden sich für Veranstaltungen an, die sie besonders interessant finden, Führungskräfte nehmen Teil, um zuzuhören, Wissen weiterzugeben und neuen Input zu liefern: eine neuartige Struktur, die die Arbeitsdynamik erheblich verändert.

Ein wichtige Voraussetzung ist ein beständiger Wissensdurst sowie die Bereitwilligkeit, auch in anderen Bereichen des Unternehmens einsetzbar sein zu können und langfristig ein weitläufiges Spektrum an Kompetenzen aufzubauen.

Toby Peyton-Jones erklärt weiter: „Als Buchhalter weißt du natürlich alles über Buchhaltung. Wenn du aber auch zusätzlich Ahnung im Gesund-heitssektor hast, wird es schon schwieriger, deinen Kompetenzbereich mit neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz zu automatisieren - insbe-sondere wenn sie auch noch etwas von Projektmanagement verstehen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem ungewöhnlichen Wissensspek-trum werden immer klügere und neue Fragen stellen als die mit einem perfekten Lebenslauf.”