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Arbeiten bei Siemens

Wie eine Außenseiterin in Ägypten neue Energiequellen entdeckt

Ihre kompromisslose Arbeitsmoral zeichnete Mai-Britt Søndberg schon in Kindertagen aus. Ein neuer Job in Kairo hat ihr geholfen, sich auch mit ein wenig Chaos anzufreunden.

Als Mai-Britt Søndberg ihren ersten Job in einer Teelicht-Fabrik anfing, war sie erst elf Jahre jung. Ihre Erinnerungen an diese Zeit sind geprägt von Plastikverpackungen und der Freude über einen Gehaltsscheck, der ihr allein gehörte. „Ich bekam so gut wie neue Kleidung. Dafür gab es in meiner Familie einfach kein Geld. Ich sah nur einen Ausweg – mein Schicksal selbst in die Hand nehmen und mein eigenes Geld verdienen.“  

Mai-Britt Søndberg stammt aus einer Industriearbeiterfamilie und wuchs auf der dänischen Insel Fünen auf – die vor allem als Heimat des Märchenautors Hans Christian Andersen bekannt wurde. So war Arbeit für sie eher ein Mittel zum Zweck als eine Lebensweise. „Ich wollte nicht in einer Kleinstadt festsitzen und die üblichen Sachen machen.“

Teelichter verpacken war der erste von vielen Wochenendjobs. Sie trug Zeitungen aus, schuftete in diversen Küchen und versuchte sich sogar als Schmiedin. Nach und nach lieh sie ihren Brüdern Geld und konnte von den Zinsen, die sie berechnete, nachhaltig profitieren. Viele Stunden physischer Arbeit motivierten Mai-Britt Søndberg, sich als Erste in ihrer Familie um einen Studienplatz zu bewerben – und Fünen zu verlassen.

Ihr Einsatz hat sich ausgezahlt: Heute lebt sie 5.000 Kilometer weiter südlich und arbeitet in ihrer Wahlheimat Kairo an einem unglaublich ambitionierten Energieprojekt. Mit drei neuen Kraftwerken – zwei am Nil und das dritte in der noch nicht fertig gebauten Hauptstadt des Landes – durchläuft die Energieversorgung Ägyptens gerade einen Transformationsprozess und ist bereits um 50 Prozent gewachsen. Das bedeutet konkret: genug Elektrizität, um 16 Millionen Haushalte mit Energie zu versorgen. Mai-Britt Søndbergs Arbeit ist dabei entscheidend: Kairo hat die am schnellsten wachsende Bevölkerung weltweit und bereits bis Ende des Jahres soll sie um eine halbe Millionen wachsen. Ihre Aufgabe ist es, die offenen Stellen in drei Kraftwerken zu besetzen und sie hat viele der 23.000 neuen Mitarbeiter eingestellt.

Die Tatsache, dass ihre Mitarbeiter aus allen Ecken der Welt kommen, gehört für Mai-Britt Søndberg zu den schönsten Aspekten ihres Berufs. „Ich war immer an den Geschichten anderer Menschen interessiert“, erzählt sie. Als junges Mädchen wollte sie Journalistin werden, um „den Geschichten, die viel zu selten erzählt werden, eine Stimme zu geben“. Der Spieß hat sich seitdem umgedreht: Heute gehört Zuhören zu ihrem Alltag – das kann sowohl beim Feierabendbier im Camp am Burullus-See sein als auch bei einem Treffen mit einem ihrer potenziellen Angestellten in ihrem Büro in Neu-Kairo. Für ihre Mitarbeiter ist Mai-Britt Søndberg Ansprechpartnerin Nummer eins. „Meine Mutter hat immer schon gemeint, dass ich ein offenes Ohr habe - auch für Außenseiter“

Zu einem „Außenseiter” zählt sie übrigens auch sich selbst: Menschen, die durch viel harte Arbeit erfolgreich wurden. Und von denen gibt es einige in diesem Megaprojekt. Es ist ein Projekt, das Leben verändert – sowohl die von Ägyptens Bevölkerung als auch die von neuen Bürgern, die erst Arabisch lernen und sich an ein neues, schnelleres Leben gewöhnen mussten. „In meiner Heimat ist alles viel strukturierter“, sagt Mai-Britt Søndberg, „hier herrscht dagegen etwas mehr Chaos.“ Anfangs hatte sie Probleme, sich einzugewöhnen. Sie lernte aber schnell den Umgang mit den etwas loseren Strukturen und wurde dadurch auch selbst entspannter.

Sich nicht über Kleinigkeiten aufzuregen, war für Mai-Britt Søndberg eine wichtige Lektion. Ihre Energie steckt sie heute lieber in Dinge, die wirklich zählen. Am Ende des Tages ist sie aber ein äußerst motivierter Mensch. Nur zum Spaß fing sie vor einigen Jahren mit Kanupolo an, zwölf Monate später war sie im Nationalteam. Als sie allerdings mit 30 Jahren aufgrund von Stress ins Krankenhaus eingeliefert wurde, beschloss sie, mehr auf ihren Körper zu hören und ehrlicher zu sich selbst zu sein: „Stress ist es einfach nicht wert“, sagt sie, „Zeit zur Erholung ist mir sehr wichtig.“

Ich denke gar nicht daran, wieder nach Dänemark zu ziehen. Aber erzählt das bloß nicht meinen Kollegen in Dänemark. Die fragen schon, wann ich wieder da bin...

Mai-Britt Søndberg

Die Lebensart in Ägypten  passt gut zu Mai-Britt Søndberg. In Dänemark wird sie nie Mangos vom Baum pflücken oder im längsten Fluss der Welt eine Runde mit dem Kanu drehen können. Sie vermisst die Fahrradkultur Dänemarks, das gibt sie offen zu, aber sie fühlt sich unter der nordafrikanischen Sonne einfach gesünder. Von der heilenden Wirkung der Sonne ist sie so überzeugt, dass sie unlängst sogar ihre Mutter nach einer großen Operation für eine ordentliche Portion Vitamin D und eine schnelle Genesung eingeflogen hat. „In Dänemark ist es oft monatelang dunkel – das kann wirklich deprimierend sein. Seit meine Mutter mich hier besucht hat, ist sie wie neugeboren.“ Ob sie wieder nach Hause geht, wenn ihr Arbeitsvertrag nächstes Jahr ausläuft? „Ehrlich gesagt denke ich gar nicht daran“, sagt sie, ohne mit der Wimper zu zucken. „Aber erzählt das bloß nicht meinen Kollegen in Dänemark. Die fragen mich schon, wann ich endlich wieder da bin ...“

Mai-Britt Søndberg ist HR Business Partner für Megaprojekte in Ägypten. Ihr Aufgabenbereich umfasst die Einstellung von Ingenieuren und anderen Arbeitskräften für drei Energiekraftwerke Beni Suef, Burullus und New Capital Sie lebt mit ihrer Familie in Neu-Kairo.