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Arbeiten bei Siemens

Lernen Sie den Flüchtling kennen, der eine neue Zukunft entwickelt

Filmon Debru ist einer von 100 Menschen, die beim Siemens Internship for Refugees-Programm angefangen haben. Das Programm wurde letztes Jahr angestoßen und reflektiert Deutschlands Engagement, tausende Vertriebene in die Gesellschaft zu integrieren.

Wir sitzen in einem Büro in der Münchener Siemens-Zentrale. Während wir Filmon Debru zuhören, wie er über das Leben in seinem Heimatland erzählt, fühlen wir uns sehr weit weg von Eritrea. Es ist leicht, beim Frühstück über Flüchtlinge zu lesen, und wir empfinden es als Privileg, mit jemandem zusammenzusitzen und seine Geschichte aus erster Hand zu hören.


Eine der kleineren Herausforderungen, mit denen sich Filmon Debru auseinandersetzen muss, nämlich die deutsche Sprache, kommentiert er mit einem ironischen Lächeln: “Mir gefällt sie, weil sie in bisschen wie Programmieren ist… die Verben verändern sich je nach Satzbau.”


Filmon Debru ist aus Eritrea geflohen, nachdem er drei Jahre lang zum Militärdienst gezwungen wurde. Seine Reise in sein neues Leben in München hat Jahre gedauert und war teilweise von großer Brutalität geprägt. Es war ihm aber, so erzählt er uns, extrem wichtig, Arbeit zu finden um sich in einem neuen Land zu integrieren.

 

“Ich will mich immer einen Schritt weiterentwickeln,” sagt er. Mit seinem Informatik-Hintergrund hilft ihm die Arbeit in der IT Entwicklungs-Abteilung in München, genau das zu erreichen.

Ehrgeiz fürs Leben

Weil er sich immer auf seine Ziele und die Zukunft konzentrierte, konnte Filmon selbst die turbulentesten Momente der letzten Jahre durchstehen. Auch wenn die Militärschule hart und teilweise brutal war, hat es Filmon trotzdem geschafft, Informatik zu studieren. “Mich hat die Hoffnung motiviert, dass ich die Arbeit weiterführen könnte, die ich liebe. Ich habe mir gedacht, ‘Ich schaffe das auch allein.’”

 

Als Student arbeiteten Filmon und seine Klassenkameraden unabhängig voneinander mit einem Buch über C-Programmierung, und gaben einander Aufgaben, an denen sie außerhalb der Unterrichtszeiten arbeiteten.

 

Als eine Welle von Studentenprotesten an der Militärschule in mehreren Verhaftungen resultierte, begann Filmon, seine Flucht zu planen.

 

“Vielleicht sollte ich mich bei Steve Jobs bedanken,” sagt er über die Zeit, in der er sich in der Hauptstadt Asmara versteckte, und Software ausbesserte, um Geld zu sparen.

“Ich schaffte es, ein Buch über Programmierung zu bekommen, und meine Klassenkameraden und ich stellten uns gegenseitig Aufgaben, an denen wir außerhalb des Unterrichts arbeiteten. Wir analysierten die Lösungen und versuchten, Dinge zu verbessern.”

Filmon Debru, Auszubildender

Die Reise

Als Filmon genug Geld für seine Flucht gespart hatte, machte er sich 2012 zu Fuß auf den Weg Richtung Sudan. “WIr schafften es in ein sudanesisches Flüchtlingslager, von dort wurde ich aber entführt und in Ketten nach Nord-Ägypten gebracht, wo ich auf eine der wichtigsten Routen für Menschenschmuggler verkauft wurde.”

 

Filmon erzählt uns, wie er hier ohne Unterlass gefoltert wurde. Und weil er sich eine Blutvergiftung durch seine Wunden zugezogen hatte, mussten ihm mehrere Finger an beiden Händen amputiert werden.

 

Seine Familie und Freunde schafften es, das Lösegeld aufzubringen, und Filmon wurde freigelassen. “Ich wusste, dass ich ohne medizinische Betreuung sterben würde.” Er wurde in ein israelisches Krankenhaus gebracht, wo er in letzter Minute eine lebensrettende Operation erhielt.

 

Es brauchte verschiedene Anläufe und erfolglose Versuche, sich legal in anderen europäischen Städten niederzulassen, bevor Filmon Deutschland erreichte. Hier nahm ihn eine Familie auf, die von seinem Schicksal gelesen hatte. Sie half ihm, rekonstruktive Chirurgie für seine Hand zu erhalten, Deutsch zu lernen und zum ersten Mal in Jahren Sicherheit und Stabilität zu finden.

Neue Anfänge

Durch seine Teilnahme am Internships for Refugees-Programm bei Siemens kann Filmon seine Fähigkeiten einsetzen und seinen Ehrgeiz, weiter zu studieren, in die Tat umsetzen. Als er herausfand, dass deutsche Universitäten seine eritreischen Qualifikationen nicht anerkennen würden, war es ihm besonders wichtig, wieder arbeiten zu können.
 

Heute teilt er seine Zeit zwischen theoretischen und praktischen Aufgaben und hat bereits an einer neuen App gearbeitet, die das Projektmanagement erleichtert.”Ich musste eine neue Technologie verstehen und lernen, wie man sie einsetzt. Das ist genau das, was ich wollte. Eine neue Programmiersprache zu lernen macht mir immer Spaß.”
 

“Was mir besonders gefällt, ist Code für Mikrokontroller zu schreiben und an Computerplatinen zu arbeiten, die zum Beispiel eine mechanische Hand oder einen Roboter steuern.” Seit seiner Amputation ist es jedoch schwer, kleinteilige Geräte zu handhaben. “Ich versuche, Lösungen dafür zu finden; Ich habe eine spezielle Faserschiene, die in meine Hand passt, so dass ich ein austauschbares Messer oder einen Schraubenzieher benutzen kann. Der nächste Schritt wäre, etwas zu entwickeln, mit dem ich eine Lötpistole und kleine Gegenstände wie Widerstände und Transistoren halten kann.”

 

Das Programm bietet die Möglichkeit, zwischen Abteilungen zu wechseln und mit neuen Teams zu arbeiten, damit Praktikanten wie Filmon den Spielraum haben, um möglichst viel zu lernen. In der Entwicklungsabteilung zu arbeiten hat allerdings bestätigt, wo seine Interessen liegen.

 

Als wir Filmon fragen, was er an Eritrea vermisst, sagt er: “Meine Familie, meine Nachbarn und auch einfach nur die Bäume anschauen zu können.” Er träumt davon, zurückkehren zu können, wenn sich aber die politische Situation in Eritrea nicht ändert, plant er auf lange Sicht in Deutschland und Europa zu bleiben.

 

“Wegen meinen Erlebnissen habe ich aufgehört, langfristige Pläne zu machen, weil man immer überrascht wird”, sagt er. Wenn er über die Torturen seiner Reise nachdenkt, dann glaubt er aber an die menschliche Widerstands- und Anpassungsfähigkeit. “Manchmal überwindet man Dinge, von denen man es nie geglaubt hätte.”

 

Abgesehen von festen Plänen ist sich Filmon in einem Punkt sicher: “Ich will mich auf ein Gebiet konzentrieren. Und ganz vorne dabei sein.”