Von der Energiewende zur Verkehrswende

Eine Mobilitätsrevolution – das ist es, was die Welt braucht, um den Klimawandel massiv eindämmen zu können: autonome Pkws, Elektroantriebe, digital vernetzte Fahrzeuge und Carsharing. Doch noch ist der Umsturz nicht da: Elektroautos sind vorerst die Ausnahme auf den Straßen, autonome Fahrzeuge befinden sich noch in der Testphase und die gemeinschaftliche Nutzung von Pkws hat sich auf breiter Front bislang nicht durchgesetzt.

Verkehrswende
Stau in Mumbai, Indien

Der Status quo: Steigende CO2 -Emissionen

Lange darf der Wandel auf Straßen und Schienen, auf Wasserwegen und in der Luft aber nicht mehr auf sich warten lassen, will die Weltgemeinschaft Treibhausgasemissionen in diesem Jahrhundert noch nennenswert reduzieren. Denn die entstammen beileibe nicht nur dem Energiesektor – der Verkehr ist nach der Stromproduktion global der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen.


Das belegt ein ernüchternder Blick auf die Zahlen: 7,5 Milliarden Tonnen CO2 schickten Fahrzeuge, Züge, Schiffe und Flugzeuge 2015 in die Atmosphäre, fast ein Viertel aller weltweiten CO2-Emissionen. Ist schon diese Zahl an sich alarmierend, bereitet der Trend, dem die CO2-Werte folgen, noch mehr Sorgen: Die verkehrsbedingten Emissionen liegen heute bereits rund 60 Prozent höher als noch 1990, auch verursacht durch die drastisch wachsenden Fahrzeugzahlen in den Entwicklungs- und Schwellenländern.


So hat sich der Kraftfahrzeugbestand in Indien zwischen 2008 und 2015 verdoppelt – von 105 Millionen auf 210 Millionen Fahrzeuge. In China hat sich die Zahl zwischen 2005 und 2017 auf rund 200 Millionen Fahrzeuge mehr als vervierfacht. Und auch in den Industrieländern steigen die Zahlen an, wenn auch nicht so dramatisch: In Deutschland befanden sich Anfang 2017 62,6 Millionen Fahrzeuge auf der Straße, immerhin rund eine Million mehr als im Vorjahr. Und in den USA waren im Jahr 2015 263,6 Millionen Fahrzeuge registriert – ein Plus von 3,2 Millionen gegenüber 2014. Noch drastischer zeigt sich die Zunahme, wenn man sie ab dem Jahr 1980 aufzeigt (siehe Infografik). Schreibt man diese Entwicklung fort, ergeben sich wenig rosige Perspektiven: Projektionen sagen voraus, dass der verkehrsbedingte CO2-Ausstoß bis 2050 um weitere zwei Drittel steigen wird. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels ein Grund, alarmiert zu sein. Die Staatengemeinschaft muss daher entschieden handeln, um eine Verkehrswende herbeizuführen.

Staugefahr!

Die Entwicklung des Straßenverkehrs in China, Indien und den Vereinigten Staaten – von 1980 bis heute.

Verkehrswende für den Klimaschutz

StreetScooter, © imago sportfotodienst GmbH
Der StreetScooter – elektrisch betriebener Lieferwagen der Deutschen Post.

Viele Länder der Welt wollen den Verkehr reformieren. Das erste große Hindernis, das die internationale Staatengemeinschaft zu überwinden hatte, war bis vor einigen Jahren das Fehlen einer verbindlichen internationalen Vereinbarung. Die gibt es seit 2016 mit dem Pariser Klimaabkommen.


Der Vertrag macht es nach einer Analyse des Forums „Paris Process on Mobility and Climate“ nötig, den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß bis 2050 von heute sieben auf vier bis drei Milliarden Tonnen zu reduzieren; bis 2100 strebt das Abkommen zudem die komplette Dekarbonisierung der Weltwirtschaft an. 2016 hat das EU-Parlament deshalb beschlossen, die Verkehrsemissionen bis 2050 60 Prozent unter das Niveau von 1990 zu bringen.


Doch der Vereinbarung steht ein Hindernis gegenüber: die derzeit noch relativ hohen Kosten emissionsarmen Verkehrs. Dem begegnen Länder vor allem mit ihrem regulatorischen Instrumentarium, indem sie steuerliche Anreize bieten, Elektrofahrzeuge zu kaufen, und Verbote für die Neuzulassung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ankündigen.


So beabsichtigt Norwegen, den Verkauf von Benzin- und Dieselfahrzeugen ab 2025 gänzlich zu verbieten. In Frankreich und Großbritannien sollen ab 2040 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. In China wiederum sollen 2030 immerhin 40 bis 50 Prozent aller Neuwagen E-Fahrzeuge sein. All das kurbelt zwangsläufig die Massenproduktion für die neuen Antriebstechnologien an – und sollte ihre Kosten bei kontinuierlich verbesserten Technologien deutlich senken.

Windräder
Emissionsarme Stromerzeugung: Ausreichende Mengen sind ein Muss.

Handlungsbedarf: