Tools


Siemens Worldwide

Das Magazin

Contact

Kontakt
Das Magazin
Abonnieren

Intermodale Mobilität

Das Ticket der Zukunft

Der Schweizer ÖV erlebt durch die Digitalisierung einen Wandel. Eine Antwort darauf ist die intermodale Mobilitätsplattform abilio, die Siemens mit der Schweizerischen Südostbahn entwickelt hat. Sie ermöglicht Fahrgästen in Zukunft eine nahtlose Mobilität von Tür zu Tür.

Das öffentliche Verkehrsnetz der Schweiz gehört zu den bestausgebauten und pünktlichsten der Welt. In keinem anderen Land werden pro Jahr und Einwohner mehr Kilometer zurückgelegt als in der Schweiz. Nur bei der Nutzungshäufigkeit wird die Schweiz von Japan übertroffen. Betrieben wird das System hauptsächlich von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB), und zudem durch Postautos (Buslinien der Schweizerischen Post) und regionale Bahnunternehmen wie zum Beispiel die Schweizerische Südostbahn (SOB). Zusammen stellen sie eine flächendeckende Versorgung bis in entlegenste Regionen und Täler sicher. 

Der ÖV in der Schweiz bildet heute ein offenes System, in dem durchgehende Fahrausweise ausgestellt werden und Zugtickets auf allen öffentlichen Verkehrsmitteln gültig sind. Mit Streckenausbauten und dichteren Fahrplänen wird außerdem laufend auf das steigende Mobilitätsbedürfnis reagiert.

„Durch die stetigen Investitionen in den ÖV ist in der Schweiz ein qualitativ hochwertiges System mit sehr gut aufeinander abgestimmten Fahrplänen des Nah- und Fernverkehrs entstanden, das für einen Großteil der Bevölkerung praktisch alle Mobilitätsbedürfnisse abdeckt, sei es für Arbeit, Schule oder Freizeit“, sagt Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher und Leiter des Studiengangs Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). 

So hat die Schweiz als kleines Land (Fläche: ca. 40.000 km²; 8,4 Millionen Einwohner) nicht nur weltweit den effizientesten öffentlichen Verkehr. Sie bietet mit ihrer Verkehrsstruktur auch ideale Rahmenbedingungen für neue Wege in der Mobilität, die von Transportbetreibern wie der Schweizerischen Südostbahn SOB und deren Technologieprovidern wie Siemens beschritten werden. Denn die steigende Nachfrage nach Mobilität und die Digitalisierung der Gesellschaft machen den ÖV zu einer wichtigen Zukunftsbranche.

Hohe digitale Affinität

Mit einer Bevölkerung, die eine hohe digitale Kompetenz aufweist, verfügt die Schweiz über sehr gute Voraussetzungen, um auch beim digitalen Wandel eine Pionierrolle einzunehmen. So belegt die Schweiz gemäß der aktuellen EY Digital Nations Studie unter den europäischen Ländern den fünften Platz im Networked Readiness Index (NRI). Dieser Index misst die Möglichkeiten, die sich einem Land durch Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnen.

Standortvorteil: Die Schweiz ist durch ihre hohe Affinität für Digitalisierung im Alltag bereit für die Zukunft.

Neben Sicherheit, Stabilität, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit bietet die Schweiz eine erstklassige digitale Infrastruktur: 91 Prozent der Haushalte haben einen Internetzugang. 90 Prozent der Schweizer Erwachsenen nutzen ein Smartphone, 80 Prozent einen Laptop. „Die Digitalisierung wird es ermöglichen, verschiedene Transportarten wie Auto, Taxi oder öffentlicher Verkehr einfacher und individueller zu kombinieren“, sagt der Verkehrsexperte Sauter-Servaes. So werde der Kunde einfach online und über eine entsprechende Plattform ein Mobilitätsangebot von Tür zu Tür kaufen. 

Die Digitalisierung wird es ermöglichen, verschiedene Transportarten einfacher und individueller zu kombinieren.
Thomas Sauter-Servaes, Mobilitätsforscher, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften

Mit wenigen Klicks von Tür zu Tür

Doch mit welcher Lösung wird man sich auf die digitale Reise begeben? „Die Technik entwickelt sich rasant“, meint Sauter-Servaes: „Der öffentliche Verkehr steht vor großen Veränderungen, es gibt immer mehr Akteure aus der IT-Branche wie Google oder Amazon, welche auf der digitalen Seite des ÖV-Service in der Schweiz in den Markt einsteigen werden.“ Warum solle ein Kunde das Ticket beispielsweise bei der SBB kaufen, so Sauter-Servaes, wenn er sein restliches Leben mit Google organisiere und die komplette Reise von Tür-zu-Tür mit wenigen Klicks auch über die vertraute Google-Oberfläche kaufen könne?

Dichte Infrastruktur: In keinem anderen Land werden pro Jahr und Einwohner mehr ÖV-Kilometer zurückgelegt als in der Schweiz.

Dieser technologische Wandel bietet Chancen, die auch ÖV-Betreiber nutzen. Verschiedene Schweizer Transportunternehmen wie zum Beispiel die SBB testen derzeit digitale Mobilitäts-Lösungen und Apps, die auf dem „Later-Pay“-Prinzip basieren: Die Fahrgäste checken zu Beginn einer Reise im ÖV auf ihrem Smartphone ein. Auf der Basis von Ortungsdaten wird die Fahrt registriert. Am Zielort melden sich die Passagiere wieder ab. Die Fahrkosten der gefahrenen Strecke werden zum günstigsten Tarif berechnet. 

abilio: Das Gesamtpaket

abilio bietet Zugriff auf alle Verbindungen und Tickets des Schweizer ÖV.

Einen darüber hinaus gehenden Ansatz verfolgt die Schweizerische Südostbahn (SOB), die mit Siemens die App abilio entwickelt hat. Mit der intermodalen Mobilitätsplattform der SOB und der damit verbundenen App können die Nutzer alle Verbindungen und Tickets des gesamten Schweizer ÖV-Streckennetzes abfragen und kaufen. 

„Aktuell kann man mit abilio auch Dienstleistungen rund ums Reisen wie Parkgebühren oder das Taxi buchen, und weitere Dienstleistungen werden folgen“, sagt Thomas Küchler, CEO der SOB. „abilio bietet das Gesamtpaket für komfortables Reisen im öffentlichen Verkehr und die Ergänzung mit anderen Verkehrsmitteln.“

Entscheidend wird es sein, die Kunden bei ihren individuellen Bedürfnissen abzuholen. Mit welchem Verkehrsmittel der Kunde reist, ist letztendlich nebensächlich.
Thomas Küchler, CEO, Schweizerische Südostbahn


Für das Ticketing im ÖV bietet das System die automatische Erfassung von Beginn und Ende einer Reise, auch als „BiBo“ (Be-in/Be-out) oder „Walk-in“ bezeichnet – ohne Interaktion mit dem Reisenden. Vorausgesetzt, die Passagiere haben die App auf ihrem Smartphone aktiviert, erkennt diese im Fahrzeug angebrachte Beacons. Die Fahrten werden durch diese Sensoren automatisch erfasst und der günstigste Tarif für zurückgelegte Reisen berechnet. Die zugrundeliegende Siemens-Technologie wird im Jahr 2018 in allen SOB-Zügen integriert sein.

„Entscheidend wird es sein, die Kunden bei ihren individuellen Bedürfnissen abzuholen“, so Küchler. Mit welchem Verkehrsmittel, sei letztendlich nebensächlich. „Wichtig ist, dass der Kunde über unsere Plattform gereist ist.“

Die Journalistin Irena Ristic arbeitet in Zürich und schreibt zu Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen.
Picture credits: Schweizerische Südostbahn; Verband öffentlicher Verkehr Schweiz; EY Sweeney