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Digitales Stellwerk Warnemünde

„Wir vertrauen Siemens“

Die Schiene wird digital. Das hat sich auch die Deutsche Bahn (DB) auf die Fahnen geschrieben. Wichtiges Element der Strategie ins Digitale: die sogenannten Vorserienprojekte, in denen sich mehrere Hersteller in der digitalen Stellwerkstechnik gemeinsam beweisen sollen. Eines davon, das zweite digitale Stellwerk Deutschlands, setzt Siemens Mobility jetzt als einziger Hersteller um. Ein Vertrauensbeweis an den Technologieführer.

Die deutsche Bahn positioniert sich als Vorreiter einer ganzen Branche, wenn es um die Digitalisierung der Schiene geht. Zentrales und größtes Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Unternehmens: das digitale Stellwerk (DSTW). Nach dem Piloten in Annaberg-Buchholz folgt ein weiteres DSTW-Projekt. Das alte Relaisstellwerk am Bahnhof Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern ersetzt Siemens durch ein Stellwerk der neuesten Generation.

Sicherer Betrieb mit weniger Störungen

Fast die Hälfte der 3.000 von der DB betriebenen Stellwerke in Deutschland sind in den 1950er Jahren in Betrieb genommene Relaisstellwerke. Elektronische Stellwerke, als bislang jüngste Generation, machen in der Statistik mit 361 Anlagen 13 Prozent aus. Nun sollen digitale Stellwerke sukzessive die Arbeit der älteren Maschinen, die zunehmend störanfällig und in unzähligen Bauarten über die Republik verteilt sind, übernehmen – und Kosten sparen. So erwartet die DB bessere Diagnosemöglichkeiten und Einsparungen durch einfachere Wartung. Der Vorteil für Bahnreisende: sicherer Betrieb mit deutlich weniger Störungen.

Warnemünde voll im Zeitplan

Die Bahntochter DB Netz AG betreibt als Eisenbahninfrastrukturunternehmen etwa 87,5 Prozent des deutschen Schienennetzes. Sie treibt die Umstellung auf die neue Technologie, die auf standardisierten Schnittstellen und einer neuen Plattformarchitektur beruht, in fünf sogenannten Vorserienprojekten voran – mit dem Ziel, die DSTW-Technologie zur Serienreife zu bringen. „In diesen Projekten arbeiten üblicherweise verschiedene Ausrüster in unterschiedlicher Kombination miteinander und sollen so ihre Erfahrung und Expertise im digitalen Zeitalter gemeinsam beweisen“, erklärt André Lisker, zuständiger Vertriebsleiter bei Siemens Mobility. Eines davon ist das DSTW Warnemünde. Es wird nahe Warnemünde Werft neu errichtet und termingerecht in Betrieb gehen. Damit wird es das zweite digital betriebene Stellwerk in Deutschland werden. Lisker: „Hier haben wir uns sehr gut geschlagen.“

Bahnhof Warnemünde

Alleinverantwortung für neues DSTW

Das sieht auch die DB Netz AG so. Mitte 2018 beauftragte sie das Unternehmen, die Umsetzung des DSTW Warnemünde komplett aus einer Hand abzuwickeln. „Siemens hat sich in der bisherigen Zusammenarbeit als zuverlässiger Partner erwiesen und dabei explizit seine Erfahrung und technische Expertise als Technologiepartner unter Beweis gestellt“, sagt Ingo Buhlke, Projektleiter bei der DB Netz AG, Großprojekte Ost.

Darüber hinaus habe man während des Projekts entschieden, so Lisker, dass Siemens auch den für das DSTW vorgesehenen zentralen Technikstandort (TSO) errichten soll. Dieser wird für dieses Projekt nun temporär in Rostock-Warnemünde errichtet.

„Einen größeren Vertrauensbeweis kann ich mir insgesamt kaum vorstellen“, erklärt der Vertriebsexperte. Das DSTW Warnemünde wird in mehreren Baustufen umgesetzt: Bis September 2019 erfolgt die Inbetriebnahme des ersten Streckenabschnitts; bis Mai 2020 folgt die Reststrecke inklusive des Personenbahnhofs Warnemünde.

Siemens Mobility errichtet bei Warnemünde das zweite digitale Stellwerk Deutschlands. Die Strecke des Vorzeigeprojektes ist übersichtliche neun Kilometer lang.

Überschaubare Strecken

Die anderen vier Vorserienprojekte befinden sich im Harz-Weser-Netz (HWN), in Braunschweig-Süd sowie auf den Strecken Kiel-Trier und Mertingen-Meitingen. Es sind allesamt überschaubare Verkehrspunkte, bei denen neue Technologie gut erprobt werden kann. Warenmünde sei mit 22 Weichen und 66 Signalen auf einer Strecke von neun Kilometern ebenfalls kein Riesenprojekt, jedoch von besonderer Bedeutung – für beide Unternehmen, so Lisker. Schließlich gibt es bisher erst ein einziges in Betrieb genommenes DSTW in Deutschland, das der Erzgebirgsbahn in Annaberg-Buchholz, ebenfalls von Siemens Mobility ausgerüstet und umgesetzt. Warnemünde ist also auf bestem Wege, das zweite digitale Vorzeigeprojekt dieser Art zu werden.

    

Signaltechnik 4.0

„Technologisch entspricht das DSTW Warnemünde im Grunde unserem Piloten in Annaberg-Buchholz“, erklärt Lisker. Das Herzstück bildet auch hier Trackguard Sinet. Informationsübertragung und Stromversorgung sind bei dieser neuen Technik voneinander getrennt. Der Datenaustausch zwischen Stellwerk und Feldelemente wird via Ethernet erfolgen. Die große Herausforderung ist es dabei, die Sicherheitsanforderungen der Deutschen Bahn für Infrastrukturtechnik zu erfüllen. „Dafür sind unter anderem unsere Steuerungsgeräte eigensicher und werden permanent vom Stellwerk aus überwacht“, sagt Lisker. Größtmögliche Sicherheit bei zeitgemäßer Mobilität: „Trackguard Sinet bietet uneingeschränkte Fernüberwachung, eine funktionale Outdoor-Ausrüstung, standardisierte Schnittstellen, IP-basierte Kommunikation und ist obendrein sofort einsatzbereit. Wir nennen das Signaltechnik 4.0.“ Ergänzend dazu setzt Siemens auch Trackguard Sigrid ein – ein modernes und dezentrales Energieversorgungskonzept.

Digitale Stellwerke dagegen übermitteln Stellbefehle mit IP-basierter sicherer Netzwerktechnik. Die Vorteile: eine deutlich größere mögliche Stellentfernung und weitaus weniger Kabel, da die individuelle Kabelverbindung entfällt.

Weniger Kosten bei höchster Sicherheit

Das DSTW Warnemünde ist der Ausgangspunkt eines konsequenten über die kommenden Jahre geplanten Erneuerungsprogramms im Netzbezirk, das auch den Seehafen miteinschließt. In einer dritten und letzten Baustufe will die Bahn ein integriertes Bediensystem einführen, um eine standardisierte Bedienung und einheitliche Bedienoberfläche für das Fern- und Ballungsnetz einzuführen – im Fachjargon „design-integrierte Bedienplätze“ genannt.

„Die in Annaberg-Buchholz und Warnemünde verwendeten Lösungen sind ein wichtiger Schritt zum Stellwerk in der Cloud", betont Michael Peter, CEO von Siemens Mobility, „erstmals erteilt das Stellwerk seine Steuerungsbefehle IP-basiert an die angeschlossenen Feldelemente wie Weichen und Signale. Dies führt zu einer völlig neuen Flexibilität der Planung, ermöglicht intelligente Feldelemente und wird längerfristig positive Kosteneffekte generieren. Das alles natürlich unter Erfüllung höchster Sicherheitsanforderungen im Betrieb.“

 

Picture credits: Siemens Mobility GmbH