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ÖPNV-Passagier mit Smartphone: Nur wenn sich die Verkehrslast gleichmäßiger auf die Transportmodi verteilt, bleibt die mobile Gesellschaft in Bewegung © istock/xijian

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Und es bewegt sich doch

Bereits seit Jahren gilt Multimodalität als Schlüssel zu effizienter Mobilität. Entscheidend verändert hat sich der Modalsplit allerdings bisher nicht. Doch jetzt kommt Bewegung ins Spiel – durch ein intelligentes IT-basiertes System, von dem Reisende genauso profitieren wie Verkehrsbetriebe und Kommunen.

Der Leidensdruck ist ziemlich hoch, bei fast allen Beteiligten: Die meisten Verkehrsteilnehmer können die Stunden gar nicht mehr zählen, die sie im Stau vergeuden – und die sich in den Industrienationen in ihrer Gesamtheit zum echten volkswirtschaftlichen Desaster summieren. Die Kommunen sorgen sich angesichts chronisch überlasteter Straßen um ihre Anziehungskraft im Wettbewerb um Investoren und qualifizierte Arbeitskräfte; gleichzeitig sitzen ihnen die Grenzwerte in Sachen Schadstoffemission im Nacken. Und die öffentlichen Verkehrsbetriebe sind nicht viel glücklicher: Sie schaffen es kaum, ihre Kapazitäten auszulasten, weil der größte Teil der potenziellen Passagiere trotz allem lieber mit dem Auto fährt.

Nur so kann die mobile Gesellschaft in Bewegung bleiben

Den Ausweg aus dem Dilemma haben Experten schon vor Jahren ausgeflaggt. Er führt über Multimodalität. Denn nur wenn sich die Verkehrslast deutlich gleichmäßiger auf die verschiedenen Transportmodi verteilt, hat die mobile Gesellschaft eine Chance, in Bewegung zu bleiben. „Das Thema steht seit geraumer Zeit auch weit oben auf der Agenda der Kommunen“, sagt Markus Schlitt, Leiter der Siemens Straßenverkehrstechnik. „Trotzdem ist der Modalsplit in den meisten Großstädten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, natürlich immer noch viel zu autolastig.“

Markus Schlitt: „Nahtlos mobil telefonieren kann man völlig problemlos auf der ganzen Welt – nahtlos mobil sein meist nicht einmal in derselben Stadt.“ © Siemens AG

Die Ursachen dafür liegen für ihn auf der Hand: „Zum einen sind wir Menschen Gewohnheitstiere, die ein lange praktiziertes Verhalten selbst dann ungern ändern, wenn es sich als ineffizient erwiesen hat.“ Um Autofahrer zu multimodalen Verkehrsteilnehmern zu machen, wäre deshalb nach Schlitts Auffassung ein Weckruf von außen hilfreich – etwa durch Einführung einer vom Verkehrsaufkommen abhängigen, innerstädtischen Maut. „Zum anderen sind es aber auch ganz praktische Gründe, die die Bereitschaft zum Umstieg im Keim ersticken: Viele verlieren einfach die Lust, wenn sie sich für eine einzige multimodale Fahrt mit drei, vier, fünf verschiedenen Anbietern und deren Buchungs- und Abrechnungssystemen auseinander setzen müssen. Nahtlos mobil telefonieren kann man völlig problemlos auf der ganzen Welt – nahtlos mobil sein meist nicht einmal in derselben Stadt.“

Rainer Czerwinski: „Bisher gibt es keinen organisatorischen Rahmen dafür, die Idee der Multimodalität wirklich voran zu bringen.“ © Siemens AG


Das hat sicherlich nicht zuletzt damit zu tun, dass für die Metro-, Tram- und Buslinien oft unterschiedliche Betreiber zuständig sind. „Zumindest im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs gibt es keinen organisatorischen Rahmen dafür, die Idee der Multimodalität wirklich voran zu bringen“, meint Rainer Czerwinski, Senior Strategy Consultant bei Siemens Mobility. Dazu kommt die angespannte finanzielle Lage bei den Schienenverkehrssystemen. „Die meisten davon arbeiten nicht profitabel und müssen durch Steuermittel subventioniert werden“, resümiert Czerwinski. „Das heißt: Selbst wenn der politische Wille da ist, Konzepte zur Förderung der Multimodalität umzusetzen, endet das häufig in Kompromissen, weil letztlich eben doch das Geld fehlt.“

Die aktuelle Dynamik auf dem Markt bedroht die Etablierten

Ganz anders stellt sich die budgetäre Situation inzwischen bei den neuen Playern dar, die auf den Mobilitätsmarkt drängen. „Nach einer längeren Phase des Experimentierens mit kleineren, überschaubaren Projekten nimmt das Thema seit etwa drei Jahren zunehmend Fahrt auf“, berichtet Dr. Steven Ahlig, der als Innovationsmanager bei Siemens die aktuelle Marktentwicklung im Bereich Mobilitymanagement stets im Blick hat. „Achtstellige Investitionen etwa in trendige Start-Ups wie moovit oder Citymapper sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.“

Dr. Steven Ahlig: „Achtstellige Investitionen etwa in trendige Start-Ups wie moovit oder Citymapper sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.“ © Siemens AG


Gerade in dieser Dynamik sieht Dr. Ahlig eine ernste Gefahr für die etablierten Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen. Und er ist damit keineswegs allein: „Rüdiger Grube, der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG, hat vor kurzem gesagt, sein größter Alptraum sei es, dass sich Firmen wie Uber, moovit oder moovel sozusagen als Vertriebsscharnier zwischen die Reisenden und sein Unternehmen zwängen. Auch deshalb sind viele ÖPNV-Betreiber jetzt aktiv und suchen nach Möglichkeiten, ihre Position im Vertriebsprozess zu stärken – zum Beispiel durch die Einbindung zusätzlicher Angebotselemente.“

Die Überlegung ist so einfach wie stringent: Wenn man mit der komfortablen Smartphone-App einer Metrolinie auch völlig problemlos Carsharing-Autos und Leihfahrräder buchen, eine Taxifahrt organisieren und einen Parkplatz fürs eigene Auto reservieren kann, wird aus einem ganz normalen ÖPNV-Betreiber plötzlich ein ganzheitlicher Mobilitätspartner. Und für den Reisenden sinkt angesichts solcher Services die Hemmschwelle, die ihn derzeit noch von multimodalen Fahrten abhält und ihn stattdessen Teil des täglichen Staus bleiben lässt.

SiMobility eröffnet eine neue Dimension der Multimodalität

Der Schlüssel für das Tor zu einer neuen Dimension in Sachen Multimodalität ist SiMobility: ein intelligentes Spektrum an IT-basierten Lösungen, die sämtliche Transportdienstleistungen sowohl der konventionellen als auch der innovativen Anbieter zu einem großen integrierten Mobilitätssystem vereinen. Den Nutzer versorgt das Portfolio mit Echtzeitinformationen und ermöglicht ihm die Abwicklung von Transaktionen vor, während und nach der Fahrt. Für Betreiber und Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen verringert es die Komplexität der Verwaltung inter- und multimodaler Transportangebote.

Reisende mit SiMobility-App: Multimodale Services machen aus konventionellen ÖPNV-Betreibern ganzheitliche Mobilitätspartner © Siemens AG


Stand heute besteht das modulare System im Wesentlichen aus drei Elementen:

  • SiMobility Connect ist für Informationsbereitstellung und Transaktionen zuständig
  • SiMobility Flow löst unterwegs die Anzeige transport- und bedarfsbezogener Nahbereichsinformationen aus
  • Und SiMobility JustGo macht das Reisen angenehmer durch berührungsloses „Be-in/Be-out“-Ticketing

Viele ÖPNV-Betreiber suchen nach Möglichkeiten, ihre Position im Vertriebsprozess zu stärken.
Dr. Steven Ahlig, Innovationsmanager Mobilitymanagement, Siemens AG

Je nach Anwendung lassen sich fast alle Transportmodi integrieren

Das Herz von SiMobility Connect ist eine B2B-Plattform mit Systemschnittstellen sowohl zu diversen Dienstleistern wie auch zu Mobilitäts-Händlern. Welche Transportmodi jeweils abgedeckt werden, hängt vom konkreten Anwendungsfall ab. Möglich sind öffentlicher Personentransport sowie Individualverkehr im Rahmen von Car- oder Bike-Sharing-Modellen, Taxis, bedarfsorientierte Transportleistungen, Fähren, Gondeln sowie Leistungen im Bereich Parken.

Der Schwerpunkt von SiMobility Flow liegt in der Bereitstellung kontextsensitiver Informationen für Fahrgäste, die bereits unterwegs sind, zum Beispiel an Bushaltestellen, in Bahnhöfen, in Fahrzeugen. Betreiber können von gezielten Datenanalysen profitieren, um ihre Infrastruktur und Angebote aufgrund echter Fahrgastdaten zu optimieren und ihre Flotten effizient zu managen.

Mit Hilfe von SiMobility JustGo wird das Smartphone durch berührungsloses „Be-in/Be-out”(BiBo)-Ticketing zur Fahrkarte. Das System funktioniert auf Basis von niederenergetisch funkenden Beacons und einer innovativen App. Das Smartphone wird erfasst, sobald es sich in einem fahrenden Fahrzeug befindet. Der Nutzer muss also keine Einzeltickets mehr kaufen und sich auch nicht mehr mit komplexen Tarifstrukturen, Kleingeldsuche oder Warteschlangen herumschlagen. Den Betreibern erlaubt das leistungsstarke Backend eine höchst effiziente Ticketing-Verwaltung.

Peter Rosenberger