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Das im Voralpen-Express zwischen St. Gallen und Luzern pilotierte System für Be-in/Be-out (BiBo)-Ticketing hat sich bewährt © Schweizerische Südostbahn AG

Integrierte Transportsysteme

Bei der Schweizerischen Südostbahn wird eine Vision zur Wirklichkeit

In den letzten drei bis vier Jahren haben sich Konferenzen zu Verkehr und Mobilität in aller Welt mit den Vorteilen und Möglichkeiten integrierter Transportsysteme befasst. Heute werden bereits die ersten Lösungen umgesetzt, so bei der Schweizerischen Südostbahn.

Keine zeitraubende Suche nach dem günstigsten Fahrpreis. Kein Fahrschein. Keine Zugbindung. Kurz: Reisen ohne Mühe. Steigt der Passagier in den Zug, wird sein Smartphone von einem Niedrigenergie-Bluetooth-Sender erfasst und am Ende der Fahrt automatisch wieder ausgecheckt. Selbstverständlich kontaktlos. Die im Hintergrund laufende IT berechnet den jeweils günstigsten Tarif für die gefahrene Strecke. Was vor ein paar Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, ist heute bereits Realität: Seit Ende 2014 pilotiert die Schweizerische Südostbahn (SOB) ein „Be-in/Be-out“-Ticketing-System (BiBo) im Voralpen-Express zwischen St. Gallen und Luzern.

„Der Fahrgast muss sich jetzt nicht mehr im Vorfeld für ein bestimmtes Ticket entscheiden, denn der Preis wird nach Fahrtende einfach nach dem jeweils günstigsten Tarif berechnet“, erklärt Thomas Küchler, Geschäftsführer Südostbahn. „Alles, was man braucht, ist ein Smartphone.“ Die Fahrgäste können sicher sein, immer zum optimalen Preis zu reisen, da auch vorausgegangene ÖPNV-Fahrten einbezogen werden und so der beste Gesamtpreis bestimmt wird. Das ist insbesondere für ÖPNV-Gelegenheitsnutzer ein Segen, denn die Preisoptimierung kann sich über verschiedene Zeiträume – Tag, Woche, Monat – erstrecken. Traditionelle Systeme dagegen zwingen die Fahrgäste, sich im Voraus auf eine Tages-, Wochen- oder Monatskarte festzulegen, und das in oft sehr unübersichtlichen Tarifsystemen.

Für Passagiere und SOB gleichermaßen hat sich der Pilotversuch als Erfolg erwiesen, so dass das Bahnunternehmen Ende 2015 Siemens damit beauftragte, für ihr gesamtes Liniennetz eine nutzerorientierte Mobilitätsplattform zu entwickeln, umzusetzen und zu betreiben. Das BiBo-System wird auf das gesamte SOB-Netz ausgeweitet: Ab Ende 2016 stehen die Grundfunktionen zur Verfügung, ab Mitte 2017 dann eine erweiterte Funktionalität.

Nur die Spitze des Eisbergs

Doch BiBo-Ticketing ist nur ein Aspekt des zwischen Siemens und SOB abgeschlossenen Vertrags über eine integrierte Mobilitätsplattform. Das auf der Idee der Plattform-als-Service beruhende Geschäftsmodell deckt Installation, Betrieb und Systembetreuung entlang der gesamten Wertschöpfungskette ab. Außer dem BiBo-Ticketing umfasst die Cloud-basierte Lösung auch die nötigen Anwendungen wie Smartphone-App und Web-Benutzeroberfläche, die Einbindung der Fahrscheinautomaten und die Backend-Technik.

Zunächst werden über die Mobilitätsplattform hauptsächlich die Routenführung und der Ticketvertrieb für das SOB-Netz abgewickelt. Künftige Erweiterungen werden dann das Ticketing für das gesamte schweizerische ÖPNV-Netz ermöglichen. In Entwicklung ist zudem eine Funktion, die den Passagieren den schnellsten Weg zum richtigen Bahnsteig weist, was besonders bei knappen Umsteigezeiten nützlich ist. Im Endausbau wird das System weitere Transportmittel einbeziehen und intermodales Reisen Wirklichkeit werden lassen. „Dabei denken wir an die Integration von Car- und Bike-Sharing-Angeboten, Park-und-Ride-Plätzen, Taxis und weiteren Mobilitätsservices. Und eines Tages wird man sogar Flüge oder komplette Reisen samt Unterkunft darüber buchen können“, fügt Thomas Küchler hinzu.

Die Mobilitätsplattform für die SOB baut auf dem SiMobility-Portfolio auf. Für den Fahrgast wird das Smartphone zum Reisebegleiter, der sich um alle Details kümmert. Mit proaktiver Bereitstellung von situations- und ortsspezifischen Informationen sorgt die App für eine reibungslose Fahrt und bringt die Nutzer unter Einbezug aller Transportmodi und -anbieter auf dem besten Weg an ihr Ziel. Auch bargeldloses Bezahlen und sonstige Transaktionen wie das Bestellen eines Car-Sharing-Fahrzeugs werden unterstützt. Die Bahnbetreiber wiederum profitieren von genaueren Zahlen zu Passagierströmen ­– für eine optimierte Ressourcenplanung. Und nicht zuletzt stärkt das angenehme und bequeme Reiseerlebnis auch das Ansehen des Unternehmens bei den Fahrgästen. Komplett integriertes, multimodales Reisen ist zwar noch nicht ganz Realität, aber die SOB tut alles, um ganz vorne mit dabei zu sein. Mit der frühzeitigen Nutzung der Mobilitäts-Plattform sammelt die SOB schon heute Erfahrungen in der Bereitstellung intermodaler Reiseangebote und etabliert sich als Mobilitätsexperte.

Alexander Chavez