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Mobil mit Big Data

Gründergeist trifft Konzerndenke: die vernetzte Organisation

Die deutsche Gründerszene ist stark. Und Siemens Mobility ist mittendrin. Es gilt, neue Geschäftsfelder für die Mobilität der Zukunft auszuloten und die eigene Gründerkultur zu stärken. Gleichzeitig läuft die unternehmensinterne Vernetzung durch Arbeitsmittel wie den „Digital Twin“ auf Hochtouren. 

„Wir müssen gar nicht ins Silicon Valley schielen. Wir haben hier in Berlin eines der spannendsten Start-up-Ökosysteme weltweit vor der Haustür und eine Smart City mit der Bereitschaft für viele neue Ideen der Mobilität der Zukunft“, stellt Siemens Mobility-Stratege Nico Gramenz klar und meint damit die neue Kooperation mit der „Factory Berlin“ – dem Dreh- und Angelpunkt in Sachen Internet der Dinge der deutschen Bundesregierung. „IoT hub“ nennen es die Eingeweihten. Gründerszene und Konzerndenke treffen hier aufeinander, mit dem Ziel, voneinander zu lernen und zu profitieren, in neuer Umgebung auf neue Ideen zu kommen und kreative Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen. Es ist das Labor, in dem das neue Mobilitätsuniversum entsteht und das die Art und Weise, wie wir reisen, revolutionieren wird.

Start-ups und etablierte Konzerne lernen voneinander 

Dafür bewarb sich die Mobilitätssparte von Siemens als erste Einheit des Unternehmens bei „Factory Berlin“, wurde aufgenommen und hat sich Anfang November 2017 im Hauptsitz der „Factory“ im Berliner Brunnenviertel eingemietet. Die Partnerschaft gilt zunächst für eineinhalb Jahre. Zehn Siemens-Mitarbeiter haben dort einen festen Arbeitsplatz bekommen, zehn weitere Plätze sind frei und werden alle paar Monate rotierend besetzt. Doch was genau ist die „Factory“? Sie versteht sich als Gemeinschaft mit sehr heterogenen Teilnehmern, die ganz unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen. In sogenannten „Matches“ (Treffern) bringt sie Start-Ups mit in der Factory ansässigen Unternehmen in Kontakt. Grundlage für diese Treffen sind Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten, bei denen beide voneinander profitieren könnten. „Genau von diesem Zusammenspiel lebt die Community“, erklärt Gramenz. Kleine, wendige und innovative Start-ups liefern neue Denkanstöße und Ideen für kreative Geschäftsmodelle. Davon profitiert Siemens Mobility Management und bringt im Gegenzug seine langjährige Erfahrung, seine professionelle Infrastruktur und sein globales Netzwerk als Branchenprimus in der Schienen- und Straßeninfrastruktur ein. Am Ende profitiert der Kunde von diesem Austausch der Ideen: Sie können die gestiegenen Bedürfnisse ihrer Fahrgäste mit neuen Service-Angeboten gezielter und individueller als bisher erfüllen.

Neue Geschäftsfelder entwickeln

Die Ideen der Start-ups für digitale Dienstleistungen reichen über das Internet der Dinge bis in die virtuelle und augmentative Realität und begeistern den zielstrebigen Strategen. Intermodales Reisen sei ein klarer Trend, aus dem neue Geschäfte entstehen. Zentraler Bestandteil davon sei, laut Gramenz, das Fahrgasterlebnis. Die Transportleistung an sich werde in den Hintergrund rücken. Mobilität müsse mühelos und selbstverständlich werden; das während der Reise Erlebbare wie zum Beispiel das Arbeiten oder das Einkaufserlebnis werde wichtiger. Dafür bedarf es etwa flexibler W-LAN-Lösungen.

Aufbruchstimmung reißt mit 

Die Factory-Idee hat Gramenz gleich zu Beginn mitgerissen: „Wenn ich in der Factory gewesen bin, komme ich jedes Mal mit einem ganz anderen Blick zurück in mein Büro. In der Factory herrscht eine besondere Aufbruchsstimmung. Die Menschen sind kreativ, handeln eigenverantwortlich mit kurzen Entscheidungswegen und arbeiten – wie wir – an der Zukunft des Reisens. Mit unserer Mitgliedschaft öffnen wir uns für dieses neue Ökosystem und tragen seinen Geist in unsere Organisation und zu unseren Kunden.“

Neben diesem Gefühl, ein Teil von etwas Neuem, Wichtigen zu sein, hat sich Siemens ganz klare Ziele gesetzt: In den ersten Monaten soll das Team in einen Arbeitsmodus finden. Alle Geschäftsbereiche wie Nahverkehr, Fernverkehr und Frachtlösungen dürfen und sollen sich mit Workshops und eigenen Anwendungsfällen in Berlin ausprobieren. „Hackathons“ werden organisiert, um neue Hard- und Software zu entwickeln. „Gerade entsteht etwas ganz Neues, von dem wir oft noch gar nicht wissen, wohin es führt“, beschreibt Gramenz sein Verständnis des Mobilitätsuniversums. Allerdings sei schon jetzt sicher, dass auf Daten basierende Kreativität die Mobilität revolutionieren werde – im Hinblick auf die effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen, erhöhte Verfügbarkeit der Transportmittel und das Fahrgasterlebnis. Ein „Business Ticker“, der die mit der Factory verdienten Euros anzeigt, hängt schon im neuen Büro. Noch steht er auf „Null“ und wird das Team täglich daran erinnern, die Leistungen im Auge zu behalten.

Bereits heute Wirklichkeit: Die vernetzte Organisation als Ideenschmiede für Mobilitätslösungen der Zukunft

Betreiber und Technologieunternehmen nutzen dieselben Daten 

Mindestens ebenso wichtig wie die Vernetzung nach außen, ist die Konnektivität innerhalb der Organisation. Das Arbeitsumfeld verändert sich durch die Digitalisierung mit rasender Geschwindigkeit. Je mehr digitale Prozesse und Arbeitsmittel die Mitarbeiter nutzen, desto schneller und effizienter können sie sich auf der ganzen Welt vernetzen. Ein wichtiger Schritt ist der digitale Zwilling. Er soll in naher Zukunft ein vollständiges digitales Abbild der realen Produkte und Lösungen für die Mobilitätsinfrastruktur geben, auf das auch die Betreiber zugreifen können: Straßen, Schienen, Signalsysteme, Stellwerke inklusive. Jens Goetz ist bei Siemens Mobility zuständig für die Einführung digitaler Prozesse und weiß, worauf es ankommt: „Für den digitalen Zwilling brauchen unsere ‚Ingenieure der Zukunft‘ ebenso wie unsere Kunden zuallererst eine gemeinsame Datenbasis.“ Die Einheit führt aus diesem Grund derzeit das neue, integrierte Entwicklungstool Entegro weltweit ein. „Damit können wir alle Engineering-Daten in einer zentralen Datenbank speichern, verwalten und unseren Kunden zur Verfügung stellen“, sagt Goetz. Darüber hinaus arbeitet Mobility an digitalen Testzentren, die mit Hilfe sicherer VPN-Tunnelverbindungen virtuell zusammengeschaltet werden. So könnte man beispielsweise ein Stellwerk in Madrid mit dem Zugsicherungssystem, das sich in Braunschweig befindet, verknüpfen und automatisiert testen. Goetz: „Auch das spart enorm viel Zeit, die wir für unsere Kunden nutzen können, um den Verkehr schneller auf die Straße oder die Schiene bringen.“ Bisher können diese Tests nur manuell und zeitaufwändig ausgeführt werden.

Weniger Stillstandzeiten bedeuten niedrigere Kosten

Die Vorteile der um sich greifenden, globalen Vernetzung liegen also auf der Hand: Eine neue digitale Geschäftswelt benötigt neue Ideen, die Projekte wie die Factory Berlin liefern können. Mit Hilfe von 3D-Visualisierungen in digitalen Zwillingen vereinfachen sich die Planung, Konzeption, das Testen und letztlich auch die tägliche Arbeit für die Mitarbeiter, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können, anstatt Fehler zu beheben. Je sicherer die Datenbasis ist, desto weniger Reibungsverluste entstehen durch manuelle Schnittstellen, desto geringer sind ungeplante Projektkosten. So kann Siemens Projekte nicht nur effizienter bewältigen und Kosten sparen, sondern auch die Qualität der Produkte und Lösungen erheblich verbessern. Der Kunde profitiert durch mehr Transparenz. Er erhält den Überblick über seine eigenen Systeme, neue Geschäftsideen für seine Endkunden – die Reisenden – und spart Geld durch längere Wartungszyklen und weniger Stillstand etwa auf den Gleisen.

Nina Terp arbeitet als freie Fachjournalistin in Detmold.