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„Jetzt ist der beste Zeitpunkt, um in die digitale Ära zu starten!“ Jan Mrosik

Zukunft der Industrie

Den digitalen Wandel starten

Oft braucht es nicht einmal eine Stunde, bis Anlagen an MindSphere angebunden sind, sagt Jan Mrosik, CEO der Division Digital Factory.

Herr Dr. Mrosik, Sie sind seit Juni neuer CEO der Division Digital Factory. Wie sehen Sie die Industrie der Zukunft?

Jan Mrosik: Die Industrie von morgen wird durchgehend digitalisiert und über die Cloud vernetzt sein. Sie wird neue Produkte um ein Vielfaches schneller entwickeln und fertigen können als heute – exakt zugeschnitten auf die individuellen Wünsche der Kunden. Das gilt für Turnschuhe oder Smartphones ebenso wie für Autos oder andere Produkte. Dabei werden Unternehmen gleichzeitig mit deutlich weniger Ressourcen- und Energieeinsatz auskommen als heute – ohne Kompromisse bei der Produktqualität.

Also besser schon heute als morgen den digitalen Wandel starten?

Jan Mrosik: Die Digitalisierung ist der entscheidende Hebel für Unternehmen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in den kommenden Jahren zu sichern. Das gilt für kleinere Betriebe gleichermaßen wie für große, global agierende Firmen. Immer kürzere Innovationszyklen erfordern, dass Industrieunternehmen ihre Entwicklungs- und Produktionszeiten stetig reduzieren. Dazu bedarf es einer nahtlosen datentechnischen Integration der Wertschöpfungskette – von der Idee bis zum realen Produkt und dem Service. Wer jetzt die Chancen der Digitalisierung nutzt, um schneller und flexibler auf Kundenwünsche zu reagieren, verschafft sich einen Vorsprung im Markt. Jetzt ist daher der beste Zeitpunkt, um in die digitale Ära zu starten!

Woher nehmen Sie die Überzeugung, dass Siemens der richtige Partner auf diesem Weg zum Digital Enterprise ist?

Jan Mrosik: Wir kennen die Welt unserer Kunden ja nicht nur von außen, sondern sind auch selbst ein produzierendes Unternehmen. Dadurch wissen wir aus eigener Erfahrung, wie Kunden ihre Produkte schneller, flexibler, in hoher Qualität und mit maximaler Effizienz in den Markt bringen können – nämlich durch die Verbindung der virtuellen Welt der Produktentwicklung mit der realen Welt der Produktion. Wir sind heute das einzige Unternehmen im Markt, welches modernste Software für das Product Lifecycle Management sowie leistungsstarke Automatisierungstechnologien und Dienstleistungen unter einem Dach integriert. Unsere Digital Enterprise Software Suite bildet alle Schritte in der industriellen Produktion digital ab und verzahnt sie. Mit Siemens als Partner profitieren Kunden von einem fundierten Branchen-Know-how, einem umfangreichen Service-Angebot und unserer führenden technologischen Kompetenz.

Können Sie uns ein Beispiel geben?

Jan Mrosik: Nehmen wir unser eigenes Unternehmen: Viele unserer Werke haben die durchgehende Integration bereits realisiert – von der Produktidee über die Produktion bis zum realen Produkt und Service. Unsere Simatic-Steuerungen S7-1500, die Nanobox Industrie-PCs und viele andere Produkte entstehen dort als digitaler Zwilling am Computer, werden simuliert, optimiert und anschließend mithilfe durchgängig vernetzter Automatisierungssysteme hoch flexibel gefertigt. Natürlich haben wir auch schon zahlreiche Kunden bei der durchgängigen Digitalisierung ihrer Wertschöpfungskette unterstützt – etwa im Automobilbau. Das Ergebnis waren bis zu 40 Prozent kürzere Entwicklungszeiten oder eine deutliche Steigerung der Fertigungszahlen ohne Qualitätsabstriche. Und dies in einer Branche, bei der jedes Produkt ein Einzelstück ist: gefertigt nach den individuellen Wünschen des Autokäufers.

»Es ist unser Ziel, unsere Kunden, wie beispielsweise Maschinenbauer, bei der Einführung neuer Services und Applikationen auf ihren Maschinen durch unsere Plattform MindSphere zu unterstützen.« Jan Mrosik

Angenommen, alle Unternehmen ziehen in puncto Integration nach – wie können sie dann noch weitere Wettbewerbsvorteile erzielen?

Jan Mrosik: Ich denke, die Industrie steht in manchen Bereichen erst am Anfang der digitalen Transformation, nicht zuletzt bei datenbasierten Services und Cloud-Lösungen. Siemens ist auch dafür bestens gerüstet: Unser Betriebssystem für das Internet der Dinge, „MindSphere“, nimmt gerade richtig Fahrt auf. Es erlaubt Endkunden ebenso wie OEMs ganz neue Einblicke in ihre Systeme und Anlagen.

Das versprechen aber auch viele andere Anbieter. Was macht MindSphere so besonders?

Jan Mrosik: Als einziges Unternehmen bietet Siemens das komplette Betriebssystem an: von der Konnektivität, der Plattform als Dienstleistung – der PaaS –, bis hin zu Apps und digitalen Services. Damit können Kunden die enormen Datenmengen ihrer Anlagen schnell und effizient auswerten und Schwachstellen aufdecken – und Leistung und Verfügbarkeit ihrer Produktion nochmals deutlich steigern. In die Entwicklung des MindSphere-Betriebssystems ist natürlich von Anfang an auch unser ganzes Wissen um Fertigungsprozesse und Automatisierungstechnik eingeflossen.

Trotzdem kennen unsere Kunden ihr eigenes Werk und ihre eigenen Maschinen besser als jeder andere. Deshalb war es uns wichtig, MindSphere als offenes Betriebssystem für das Internet der Dinge zu konzipieren. So können Kunden zum einen aus einem bestehenden Angebot an Applikationen und Services von Siemens wählen – oder diese für ihre individuellen Anforderungen selbst auf der MindSphere-Plattform entwickeln und vermarkten. Es ist unser Ziel, unsere Kunden, wie beispielsweise Maschinenbauer, bei der Einführung neuer Services und Applikationen auf ihren Maschinen durch unsere Plattform MindSphere zu unterstützen. Dabei legen wir Wert darauf, nicht mit ihnen in Konkurrenz zu treten.

Wie funktioniert der Weg in die neue Datenwelt denn konkret?

Jan Mrosik: Siemens bietet mit MindConnect einen schnellen und sicheren Anschluss von Maschinen und Anlagen an MindSphere. MindConnect Nano beispielsweise ist eine Plug-and-Play-Lösung, die sämtliche für den Kunden relevanten Daten erfasst und in festgelegten Zeitabständen an MindSphere überträgt. Das können etwa die Zustandsdaten eines einzelnen Antriebs oder einer Förderanlage sein. Für diese Anbindung über MindConnect Nano ist in vielen Fällen nicht einmal eine Stunde Zeitaufwand notwendig. In MindSphere werden die Daten dann mithilfe der entsprechenden Apps analysiert. Am Ende erhält der Kunde klare Handlungsempfehlungen zur Optimierung seiner Systeme.

Für welche Unternehmen ist eine solche Lösung überhaupt relevant?

Jan Mrosik: Jedes produzierende Unternehmen, egal welcher Größe, kann von Cloud-basierten Anwendungen enorm profitieren. Ich denke da beispielsweise an Themen wie Energiedatenmanagement, Ressourcenoptimierung oder vorausschauende Wartung. Hier lässt sich eine kleinere Industrieanlage ebenso an die Cloud anbinden wie eine weltweite Fertigungslandschaft. Aus den gesammelten Daten lassen sich dann mit den passenden Apps und Services wertvolle Erkenntnisse zur Performance ziehen. Und wenn Anlagen vergrößert oder neue Analytikfunktionen benötigt werden, ist MindSphere problemlos erweiterbar.

Trotzdem scheinen viele Unternehmen noch zurückhaltend zu sein. Bedenken wegen der Sicherheit ihrer Daten halten viele von einem Einstieg in die Cloud ab.

Jan Mrosik: Die Datensicherheit hat bei uns oberste Priorität. Selbstverständlich berücksichtigen wir die aktuelle Rechtslage in den verschiedenen Ländern. Alle Daten sind auf Basis heutiger technischer Verfahren umfassend geschützt und werden nur verschlüsselt übertragen. Wir arbeiten bei MindSphere ausschließlich mit anerkannten und erfahrenen Partnern aus dem IT-Umfeld zusammen. Klar ist auch: Der Kunde entscheidet allein, wer Zugang zu seinen Daten erhält.

Picture credits: Siemens AG