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Oliver Rhein und Raimund Kurtzke von Calvatis sind begeistert von der Möglichkeit einen einfachen Überblick über alle wesentlichen Daten der installierten Waschanlagen zu haben

Prozessüberwachung

Sparsame Putzfee dank Big Data

Daten sind das digitale Gold, heißt es. Doch wie schürfen Unternehmen die für sie so wichtigen Informationen aus der Datenflut in der Cloud? Der Reinigungs- und Desinfektionsmittelhersteller Calvatis analysiert und visualisiert Daten aus industriellen Waschanlagen in der MindSphere.  

In Reih und Glied gleiten die verschmutzten Lebensmittelkisten in die Maschine. Einige Meter weiter hinten verlassen sie die Durchlaufwasch­anlage blitzblank, trocken und wie neu. So geht das täglich zehntausende Male an vier deutschen Standorten eines großen Handelsunternehmens. Sauberkeit ist oberstes Gebot im Lebensmittelhandel, denn frische Produkte wie Obst und Gemüse sind sehr empfindlich und verderben leicht.

Mit Geschirrspülmaschinen aus dem privaten Bereich haben die Anlagen der Unternehmen der Lebensmittelindustrie nur entfernt zu tun – zu groß sind ihre Dimen­sionen. Zudem steckt in ihnen ausgefeilte Technik für die optimale Dosierung der Reinigungsmittel: Sensoren ermitteln die Leitfähigkeit der Mischung aus Schmutzwasser und Spülmittel sowie den Chemikalienverbrauch und die Temperatur in der Anlage. So lässt sich der Prozess auf einen minimalen Verbrauch an Energie und Reinigungsmitteln trimmen.

Die durch Sensoren ermittelten Daten tragen einen Teil zur Transparenz über den Verbrauch von Reinigungsmitteln und chemischen Additiven bei


Aber nicht nur für den täglichen Betrieb sind die Daten wertvoll. Sie können auch zu mehr Trans­parenz über den Verbrauch von Reinigungsmitteln und chemischen Additiven beitragen. Das wiederum erlaubt ein Benchmarking verschiedener Anlagen sowie einen optimierten Bestellprozess im Einkauf. Kein Wunder also, dass die Betreiber industrieller Waschanlagen großes Interesse daran haben, möglichst viele Daten zu sammeln und zentral auszuwerten.

Detaillierte Informationen auf Knopfdruck

Welche Vorteile das in der Praxis bietet, zeigt ein Projekt, das Siemens gemeinsam mit der ­Calvatis GmbH aus Ladenburg re­alisiert hat. Das Unternehmen mit mehr als 400 Mitarbeitern ist einer der weltweit führenden ­un­­abhängigen Hersteller von ­Reinigungsmitteln. Die Lebens­mittel­industrie ist nur eine von vielen Branchen, zu denen ihre Kunden zählen. Besonders bekannt ist die Calvatis-Marke ­calgonit industrial.

In Reih und Glied gleiten die verschmutzten Lebensmittelkisten in die Durchlaufwaschanlage und verlassen sie einige Meter weiter hinten blitzblank und trocken


„In den letzten Jahren hat sich vieles verändert“, berichtet Matthias Schäfers von Calvatis. „Unsere Kunden erwarten zunehmend detaillierte Informationen über den Reinigungsprozess.“ So auch das Handelsunternehmen selbst an vier Produktionsstandorten in Deutschland. Die Dosier­ein­­richtungen seiner industriellen ­Waschanlagen waren bereits mit ­Siemens-Steuerungen vom Typ Simatic S7-1200 ausgestattet, die zahlreiche Daten erfassen und auf USB-Sticks ausgeben können.

Das Ziel des Managements war es, regelmäßig Werte wie den Wasserverbrauch und die Verbräuche von Reinigern und chemischen Additiven pro Kiste und Stunde berechnen zu können – und zwar in der Cloud, so dass alle Ergebnisse zentral zur Verfügung stehen und abgerufen werden können.

Entscheidend für Calvatis war, dass sich die installierten Waschanlagen einfach an die Cloud anbinden lassen und die Daten ohne großen Aufwand analysiert werden können. Hier kam MindSphere ins Spiel: Für die Anbindung von Maschinen genügt ein IoT-Gateway, das per Plug & Play den Zugang zum Internet und zur Cloud herstellt – ohne zusätzlichen Programmieraufwand.

Neue Geschäftsmöglichkeiten im Service


Auch lassen sich die Daten ein­fach analysieren: MindSphere bietet den Nutzern Werkzeuge für Daten­analysen wie die Applikation Manage MyMachines, die auch ­Calvatis für die Auswertung der Dosierinformationen nutzt. Sie analysiert die eingehenden Daten und ermöglicht neben der Online-Überwachung weltweit installier­-
ter Maschinen auch neue Fun­k­tio­nen wie vorausschauende Instand­haltung, Energiedaten­optimierung und Ressourcen­management.

Dank MindSphere konnten Siemens und Calvatis das Cloud-Projekt in Rekordzeit umsetzen: Es dauerte weniger als drei Monate vom ersten Gespräch mit dem Handelsunternehmen bis zum Einsatz der neuen Lösung. „Inzwischen haben wir und die Mitarbeiter unseres Kunden einen stets aktuellen Überblick über alle wesent­lichen Daten“, so Schäfers. „Via Onlinezugriff sehen wir in der Manage MyMachines App, wie hoch der Chemikalienverbrauch ist, welche Temperatur in der Anlage herrscht und welche Leitfähigkeit die Lösung aus Wasser und Reinigungsmitteln gerade hat. Unser Kunde nutzt die Daten intensiv: Sie sind ein wichtiges Instrument für die Störungserkennung und die Arbeitsplanung der Servicetechniker geworden.“

Durch den Einsatz von ­MindSphere will Calvatis künftig auch automatische Reinigungs­systeme und Schaumreinigungs­geräte überwachen. Und durch den Rückgriff auf die Daten in der Cloud kann der Service seine Arbeit effektiver organisieren – denn die Techniker sehen schon im Voraus, welche Probleme es bei einer Anlage gibt.

Auch ein neues dreistufiges ­Servicemodell ist geplant: Bei der Basis-Variante soll der Calvatis-Kunde nur die Rohdaten bekommen. Die „Advanced“-Version erlaubt eingeschränkten Zugriff auf die Cloud, und bei der Variante „Professional“ kann er selbst Auswertungen starten. „Die Resonanz bei unseren Kunden ist sehr gut“, sagt Schäfers. „Vor allem bei global ­operierenden Kunden mit weltweit verteilten Anlagen verzeichnen wir großes Interesse an solchen Lösungen.“

Picture credits: Siemens AG