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Digitalisierung in Gebäuden

Was ist heute schon möglich?

Digitalisierung und das Internet der Dinge verändern Gebäudeautomatisierung von Grund auf. Im Mittelpunkt stehen Konnektivität, offene Applikationen und – allem voran – der Kunde.

Sie kennen das: Man sitzt im Meeting und die Klimaanlage sorgt für arktische Temperaturen, und mit dem Einstellen des Thermostats gehen wertvolle Zeit und Konzentration verloren. Die künftige Alternative: die Klimaanlage bequem von der Smartphone-App schon vorab auf die perfekte Temperatur regulieren, und außerdem gleich noch Jalousien, Türverriegelungen oder Sicherheitssysteme einfach, präzise und auf Basis der hinterlegten persönlichen Präferenzen steuern – Berechtigung vorausgesetzt.

Systeme passen sich automatisch an
Innovative Gebäudeautomationssysteme werden das Systemverhalten danach automatisch an die Vorlieben des Benutzers anpassen. „Ermöglicht wird dieses Szenario durch die Nutzung von Cloud-Technologien, intelligenten Komponenten und entsprechenden Gebäudemanagementplattformen“, sagt Uwe Frank, CEO der Business Unit Control Products and Systems der Siemens-Division Building Technologies. „In der Entwicklung setzen wir deshalb verstärkt auf kommunikationsfähige Komponenten und eine Software, die bestehende Produkte nahtlos integriert.“

Ein Beispiel ist Climatix IC von Siemens: Das webbasierte Remote Servicing System für Hersteller von Klimageräten liefert Servicetechnikern schon heute unterschiedlichste Daten in Echtzeit, ermöglicht Zeitschaltfunktionen, optimiert den Energieverbrauch und misst Servicezyklen. So sind über die Cloud bereits individuell abgestimmte, temporär begrenzte Fernzugriffe für den Installateur vor Ort in Form eines benutzerfreundlichen Dashboards möglich.

In der Entwicklung setzen wir deshalb verstärkt auf kommunikationsfähige Komponenten und eine Software, die bestehende Produkte nahtlos integriert.
Uwe Frank, CEO der Business Unit Control Products and Systems der Siemens-Division Building Technologies


Solche Wege zu einer verbesserten, flexiblen Funktionalität sind aber erst der Anfang. Die in der Cloud vorhandenen Daten sollen mit stetig verbesserten und neuen Anwendungen mehr und mehr erschlossen und genutzt werden. Diese Applikationen könnten grundsätzlich von jedem kommen, so Uwe Frank, und so viele neue Geschäftsfelder eröffnen. „Wir wollen ein Ökosystem gestalten, in dem etwa Gerätehersteller oder Softwareentwickler auf Grundlage der von uns zur Verfügung gestellten Daten neue Anwendungen programmieren können.“

Teillösungen treiben Innovation voran
Langfristig will Siemens in der Cloud ein umfassendes Gebäudemanagementsystem verfügbar machen, mit voller Konnektivität und nahezu unendlich skalierbar. Plattformen von Siemens, die als holistische Systeme angelegt sind, sollen zudem für die Systeme Dritter geöffnet werden, damit neue Disziplinen erschlossen oder vom Kunden bevorzugte bzw. bereits vorhandene Produkte einfach integriert werden können. Die eingangs in Aussicht gestellte Smartphone-Applikation, die Raumtemperatur und Jalousien regelt und zugleich die Tür aufschließt, würde so bald Wirklichkeit – auf Wunsch sprachgesteuert.

Auch Teillösungen werden so einfacher möglich. „Heute haben Sie oftmals entweder ein Gebäude mit einem kompletten Gebäudeinformationssystem, oder Sie haben sehr wenig Automation“, so Frank. Ein Beispiel: Heizgeräte, die in alten Gebäuden oft noch manuell gesteuert werden. „Ein sinnvoller Zwischenschritt wäre es, diese manuellen Ventile gegen smarte Radiatorventile auszutauschen, die über das Internet mit dem System kommunizieren.“

Die Vorteile einer solchen Teillösung wären beträchtlich, nicht zuletzt, weil Informationen zu Automationsabläufen gesammelt und ausgewertet werden können. So kann zum Beispiel die Heizung automatisch gesteuert werden – das ermöglicht schon ein programmiertes Herunterfahren an Feiertagen ebenso wie die individuelle Beheizung bestimmter Raumgruppen je nach Tageszeit und Anforderungen. „Gerade für kleinere Gebäude oder Bestandsbauten erreicht man so über das Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) und Konnektivität sehr gute Lösungen, die nicht so hoch performant wie eine vollwertige Automatisierung sind, dafür aber auch deutlich günstiger.“

Intelligenz in den kleinsten Komponenten
Möglich werden solche innovativen Lösungen auch, weil Feldgeräte bereits heute über grundlegende Intelligenz verfügen. Das IoT eröffnet ganz neue Wege: Ein intelligentes Ventil ließe sich direkt mit dem Thermostat verknüpfen, das – vermehrt auch drahtlos – den Auftrag zum Öffnen geben würde. Und noch einen Vorteil haben intelligente Geräte: Selbst wenn die Internetverbindung ausfällt, garantieren sie die Grundfunktionalitäten.

Ein einfaches Beispiel dafür ist Licht. IoT-Leuchten (zum Beispiel mit LED) haben Eigenintelligenz: Selbst ohne Internet schalten oder dimmen diese z.B. je nach Umgebungslicht und Präsenzerfassung. Komplexere Aufgaben, etwa das automatische Aktivieren spezieller Leuchtszenarien, holen sich die Leuchten direkt aus der Cloud. Maximale Konnektivität für solche Lösungen erreicht man über offene Schnittstellen.

Dass die Cloud eines Systemanbieters durch die Öffnung für Partner profitiert, versteht sich von selbst. Die Öffnung in zwei Richtungen – für Applikationen Dritter und durch die Integration von Drittsystemen über Standardschnittstellen – trägt zur stetigen Erweiterung moderner Systeme bei. Der Kunde profitiert so stets von den neuesten Entwicklungen. Egal, woher sie stammen.

Marc Engelhardt ist Journalist in Genf.
Picture credits: Armin Schieb