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Offshore Service

Brücken schlagen auf hoher See

Die Service Operation Vessels (SOVs) machen die Wartung von Offshore-Windparks sicherer. Dank der hydraulischen Gangway der niederländischen Firma Ampelmann ist der Transfer vom Schiff zur Turbine selbst bei 2,50 m Wellenhöhe ein Spaziergang.

Es gibt weltberühmte Brücken, wie die Golden Gate Brücke in San Francisco, die Tower Bridge in London oder die Rialto-Brücke in der italienischen Lagunenstadt Venedig. Sie sind Wahrzeichen und technische Meisterleistung zugleich. Und dann gibt es ganz besondere Brücken, die auf Schiffen befestigt sind und mitten im Meer eingesetzt werden. Genau diese sind das Kennzeichen der neuen Siemens Service Operation Vessels – kurz SOVs – „Esvagt Froude“ und „Esvagt Faraday“, die für den Einsatz in Offshore-Windkraftwerken konzipiert wurden. Ohne Übertreibung sind auch diese hydraulischen Brücken auf hoher See nichts weniger als eine überragende technische Leistung.

Raue Bedingungen

In Küstenferne bläst der Wind besonders konstant und daher ist es der ideale Ort für die Offshore-Windparks. Für den Betrieb dieser Windkraftanlagen bedeuten jedoch die rauen Bedingungen auf See einige Herausforderungen. Um so effizient wie möglich bei der Anlagenwartung zu sein, bieten die technisch hochmodern ausgerüsteten und 84 Meter langen SOVs eine Menge Vorteile. So können sie ganzjährig eingesetzt werden, erleichtern den Transport der Servicetechniker enorm und bieten als schwimmendes Lager und Büro viele logistische Vorteile. Sie erlauben eine effiziente Ressourcenplanung und eine vorausschauende Logistik und tragen so dazu bei, die Kosten der Windenergie zu senken.

Das Herzstück der Schiffe ist jedoch eine hydraulische Ampelmann-Gangway, die auch unter schwierigen Bedingungen mit starkem Wellengang den Zugang zu den Windturbinen sicherstellt.

Die Dimensionen eines SOV.

Sicherer Fußweg zur Arbeit

Anstatt einer statischen Verbindung wird bei dem sogenannten „walk to work“-System eine bis zu 25 Meter lange hydraulische Gangway ausgefahren, die dem Wellengang angepasst automatisch gesteuert in stabiler Lage bleibt, während sich das Schiff hebt und senkt. Dieses System funktioniert auch noch bei 2,50 Meter Wellenhöhe.

Spezialisierte Service-Techniker, die sich um die Offshore-Turbinen kümmern, nutzen die Ampelmann-Gangway jeden Tag, um zur Arbeit zu gehen. Sie sorgen für den reibungslosen Betrieb der Anlagen. Im 14-tägigen Schichtwechsel sind sie mit dem Wohn- und Arbeitsschiff unterwegs und nutzen die komfortablen Bedingungen an Bord. Im Einsatzgebiet – wie dem Windpark „Butendiek“ in der Nordsee oder „Baltic II“ in der Ostsee – arbeiten sie dann 10 Stunden zwischen 6 und 22 Uhr.

Das SOV im Einsatz.

Reibungsloses Zusammenspiel

Um zu den Turbinen zu gelangen positioniert sich zuerst das SOV mit Hilfe der bordeigenen dynamischen Schiffssteuerung in ca. 17 Meter Entfernung zur Anlage, mit einer Genauigkeit von 20 Zentimetern. Ist das Schiff „eingeparkt“, wird die Ampelmann-Gangway ausgefahren. Dabei arbeitet das System mit sechs hydraulischen Zylindern, die jegliche Bewegungen des Schiffs hydraulisch ausgleichen, so dass eine stabile Brücke entsteht. Der Ampelmann-Operator gibt den Technikern mit ihrem Equipment dann das grüne Licht für den Übergang. Anfahren, Anlegen und Abfahren dauern nicht länger als 30 Minuten, wie mittlerweile die Erfahrungen zeigen. Dieser schnelle Zugang bedeutet eine enorme Zeitersparnis gegenüber der früheren Praxis mit den kleineren Crew Transport Vessels, die jeden Tag mehrere Stunden für die An- und Abfahrt zwischen Land und Windpark benötigen.

Zusätzlich kann die Gangway auch für den Transport sperriger und schwerer Ersatzteile genutzt werden und als Kran fungieren. Über den bordeigenen Lastenzug können so aus dem 420 Quadratmeter großen SOV-Lagerraum, der Platz für sechs Container bietet – die notwendigen Ersatzteile an Deck und mit Hilfe des Ampelmann-Systems zur Windanlage gebracht werden. Ein reibungsloses Zusammenspiel von Schiff, Ausrüstung und Service-Mannschaft.

Fakten und Funktionen eines SOV.

Effizientere Wartung

Trotz der vollautomatischen Messung von Wind, Strömung und Wellenhöhe und optimaler Navigation im Windpark bleibt die Arbeit auf See dennoch immer auch risikoreich und daher wird der Sicherheit immer Vorrang gegeben. Mit den neuen Serviceschiffen ist aber die vorausschauende Planung der Wartung erheblich effizienter geworden. Und mit den intelligenten Ampelmann-Brücken können die Techniker auch in den windreichen Wintermonaten ihre Arbeit sicher erledigen. Und tagtäglich neue Brücken schlagen auf hoher See.

Dr. Onno Groß, Wissenschaftsjournalist und Meeresbiologe aus Hamburg
Picture credits: Siemens