Produktindividualisierung für Feinschmecker

«Digitalisierung», «Industrie 4.0» – diese Begriffe kennen mittlerweile die meisten. Doch was genau sich dahinter verbirgt, bleibt für viele unklar. Ein Forschungsprojekt an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) demonstriert auf anschauliche Weise, wie die Zukunft der Industrie in der Praxis aussehen kann. Das Versuchsobjekt: Schokolade.

FHNW, Autexis und Chocolat Frey

Eine intelligente Schokoladenfabrik im Miniaturformat

Drei Naps schwarze Schokolade und einige mehr mit Nuss, der Rest der Dose ist mit Vollmilchschokolade gefüllt. Hat sich hier in der Produktion ein Fehler eingeschlichen? Oder ist die ungewöhnliche Kombination der einzeln verpackten Schokoladentäfelchen eher das Ergebnis einer fragwürdigen Unternehmenspolitik? Weder noch – der Doseninhalt ist wie er ist, weil Markus Krack es so wollte. Krack ist Leiter des Technologietransfers FITT der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Um aufzuzeigen, wie mittels Digitalisierung Geschäftsmodelle an den exakten Bedürfnissen jedes einzelnen Kunden ausgerichtet werden können, liessen sich er und sein Projektteam etwas Besonderes einfallen: Sie entwickelten ein vollautomatisches Kommissioniersystem, das Schokoladendosen entsprechend individueller Bestellungen zusammenstellt.

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Für jeden Gaumen nur das Beste

Warum gerade Schokolade? Krack klärt auf: «Wir wollen mit dem System ein Erlebnis bieten. Deshalb wählten wir ein Produkt und ein Problem, das alle kennen.» Und tatsächlich dürften die Vorteile der Technologie jedem klar sein, der regelmässig nach seinem Lieblings-Nap in der Süssigkeitenschale sucht.

 

Also beschlossen die FHNW und ihre Partner – der Automatisierungsspezialist Autexis aus Villmergen und Chocolat Frey aus Buchs – all jenen Hoffnung zu geben, die ihren Gaumen nichts als ihre liebsten Schokoladensorten gönnen möchten. Dafür trainierten sie einen Roboter, der die individuellen Mischungen zusammenstellt und in die Dosen füllt, sie mit einem Label und den notwendigen Produktdeklarationen versieht, verschliesst und versendet. Der gesamte Prozess läuft ohne menschliche Intervention automatisch ab, mit Ausnahme der Bestellung – die der Nutzer bequem per Twitter absetzt.

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Futuristische Anwendungen dank intelligenter Datenanalyse

Hinter den Kulissen der intelligenten Mini-Schokoladenfabrik verrichtet modernste Digitalisierungstechnologie ihr Werk: «Wir nutzen MindSphere, das offene Cloud-Ökosystem von Siemens», verrät Philippe Ramseier, Geschäftsinhaber von Autexis. MindSphere analysiert die Daten der beteiligten Sensoren und Aktoren, setzt sie zueinander in Beziehung und stellt sie für die weitere Auswertung zur Verfügung. So können zum Beispiel Rückschlüsse auf die Vorlieben und Bestellgewohnheiten der Kunden gezogen werden: Wer mag was? Wann bestellt wer Schokolade? Ist das Verhalten der Kunden vom Wetter abhängig? Für solche und ähnliche Anwendungen kann Autexis auch eigene Apps in MindSphere einbinden.

Das System lässt sich fast beliebig ausbauen. Wir können zum Beispiel das Lager integrieren: Fällt der Bestand der Naps unter einen Mindestwert, wird automatisch eine Bestellung ausgelöst.

Philippe Ramseier, Geschäftsinhaber Autexis
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Wohin die Reise geht

Auch in Zukunft soll das System dazu dienen, wichtige Fingerzeige für die Weiterentwicklung der Industrie zu liefern und den Wirtschaftsstandort Schweiz zu stärken. Markus Krack ist sich dieser Verantwortung bewusst: «Für uns als Fachhochschule ist es Pflicht, neue Möglichkeiten aufzuzeigen und zu demonstrieren, wohin die Reise gehen kann.» In Siemens sieht er dafür einen idealen Partner, denn: «Im industriellen Umfeld ist Siemens Stand der Technik. Unsere Studenten müssen damit umgehen können.»

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