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Was wir tun

Bis zu 40 Prozent wurden aus dem Stromnetz des Landes entwendet

Vor sechs Jahren sorgte unaufhaltsamer Stromdiebstahl dafür, dass Brasilien Umsätze in Milliardenhöhe verlor. Das Problem landete auf dem sprichwörtlichen Schoß von Siemens-Ingenieur Sergio Jacobsen, der mit der Hilfe eines kleinen brasilianischen Start-Ups eine ungewöhnliche Gruppe von Dieben aufdecken konnte.

Mit dem Amazonas im Norden, einem enormen Tieflandgebiet im Süden, das vom Atlantik bis zum Vorgebirge der Anden reicht und einer Einwohnerzahl von 207 Millionen gehört Brasilien zu den größten Energiekonsumenten der Welt.
 
Dank Sergio Jacobsen kann das Land mit Innovationen im Energiesektor mithalten. Als gelernter Ingenieur arbeitet er schon seit seinem Universitätsabschluss 2001 bei Siemens und steuert heute das Stromnetz Brasiliens.
 
„Ich wollte immer schon für Siemens arbeiten.”, sagt er. „Das Unternehmen zählt zu den wichtigsten Referenzen für Elektrotechniker. Dabei spielen sowohl seine Größe und die Innovationen, die es hervorbringt sowie das Netzwerk und seine Kollaborationsmöglichkeiten eine wichtige Rolle.”

Brasilien musste einer großen Krise ins Auge sehen

Vor sechs Jahren kam einer seiner Manager mit einem Problem auf ihn zu. Erschütternde acht Prozent an Energie wurden jedes Jahr aus dem Stromnetz des Landes entzogen, in manchen Gebieten sogar bis zu 40.
 
„Das ist ungefähr so, als würde jede Nacht jemand bei Siemens einbrechen und die Hälfte der produzierten Bestände entnehmen.”, erklärt Sergio Jacobsen. „Stromdiebstahl ist in Entwicklungsländern ein riesiges Problem. Die Konsequenzen sind Stromausfälle, steigende Energiepreise und große Verluste bei der Staatssteuer.”

Das Problem lokalisieren

Sergio Jacobsen hat untersucht, wie andere Länder mit diesem Problem umgehen. Jeder Staat muss sich unterschiedlichen Herausforderungen stellen. „Die Vereinigten Staaten arbeiten zum Beispiel mit einem verlässlichen Stromnetz. Das bedeutet, sie haben seltener mit Stromausfällen oder Stromlücken zu kämpfen. In Europa hingegen stellt sich immer wieder die Frage, wie man erneuerbare Energien integrieren kann.”
 
Nach monatelanger Recherche hat er die Software in den Strommessgeräten als Problem lokalisiert. Es bedarf eines unglaublich komplexen Algorithmus, bis man klar aufzeigen kann, wer was wann nutzt. Diese Daten müssen dann auch konstant beobachtet und verglichen werden, um jegliche ungewöhnliche Aktivitäten aufdecken zu können. Brasiliens Strommessgeräte waren für diesen Zweck zu rückständig.
 
„Die Energieindustrie ist nicht gerade dafür bekannt, schnell zu sein.”, sagt Sergio Jacobsen. „Die meisten Stromnetze wurden seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert nicht verändert. Das Ausmaß und die Komplexität der Infrastruktur erschweren den Gebrauch jeglicher Innovationen auf dem Gebiet.”

Gleich und gleich gesellt sich gerne

2011 wurde Sergio Jacobsen das brasilianische Start-Up “Senergy” vorgestellt. Im Südosten des Landes ansässig, wurde Senergy von einer Ingenieurgruppe gegründet, um mit Hilfe innovativer Softwares zur Messung Energiekonzernen dabei zu helfen, die Stromverbräuche zu verstehen.
 
Mit dieser Software bekam Siemens einerseits Zugriff auf die notwendigen Daten und konnte sie außerdem auch verarbeiten. „Im Grunde bedeutete diese Software, dass wir die Stromwerte stündlich messen konnten.”, erklärt Sergio Jacobsen.

Smarte Strommessgeräte bedeuten einen radikalen Wandel in der Energieüberwachung und Sergio Jacobsen möchte diese Bewegung anführen.

Sergio Jacobsen

Beweise sammeln

Eine der häufigsten Methoden von Stromdiebstahl ist das Manipulieren von Strommessgeräten, um falsche Werte weiterzugeben. In Entwicklungsländern, in denen Einkommen gering sind, ist dieses Vorgehen nicht ungewöhnlich. Diese gestohlenen Mengen waren allerdings so gering, dass Sergio Jacobsen von Anfang an wusste, dass sie nicht der Hauptauslöser der Krise sein konnten.
 
Ein weiterer Grund, warum Konsumenten mit einem geringen Einkommen für ihren Strom zahlen möchten: „In Brasilien ist es so, dass viele Finanzdienstleistungen verweigert werden, wenn keine Stromrechnung aufgewiesen werden kann,” erklärt Sergio Jacobsen. „Die Stromrechnung ist quasi die Referenz für alles.”
 
Wenn also einkommensschwache Familien nicht schuld sind - wer dann?

Die große Erleichterung

Nachdem Sergio Jacobson uns ein Team ein Jahr lang einheitliche Daten empfingen, wurde ihr Verdacht bestätigt: Die Energiekrise wurde von einer Gruppe kleiner bis mittlerer Unternehmen verursacht, die gestohlene Energie zur Reduktion von gemeinschaftlichen Kosten genutzt haben.
 
Die Diebe nutzen die schwachen Verbindungen und billigen Materialien, um sich illegal an das Netz anzuschließen, was zu langfristigen Schäden führt. Die Manipulation von Stromnetzwerken verfälscht außerdem auch die echte Nachfrage. Das heisst, dass Energieversorgungsunternehmen Stromausfälle und - stöße nicht wirklich lokalisieren und dadurch das Stromnetz nicht effizient genug steuern können.
 
Die Unternehmen, die den Strom verschlüsseln, stehlen diesen nicht nur, sie unterbieten auch die Konkurrenz, indem sie Steuern umgehen. Das bedeutet, dass diejenigen, die ehrlich für ihren Strom bezahlen, auch parallel jenen von anderen mitbezahlen.

Eine langfristige Lösung

Durch aufwendige Nutzerprofile vergleichen Algorithmen von Senergy konstant das geschätzte Verbrauchsverhalten mit der Energie, die vom Stromnetz abgegeben wird. Bei jeglichen Anomalien wird sofort ein Team zur Inspektion losgeschickt.
 
Sergio Jacobsen und sein Team waren so begeistert von der Senergy-Software, dass sie diese im Jahr 2012 bei Siemens integrierten.
 
„Wir haben ihnen die kritische Masse gegeben, um auch größere Projekte an Land ziehen zu können.”, sagt Sergio Jacobsen. „Für mich zeigt diese Integration, warum sich die Arbeit für ein so großes Unternehmen lohnt. Wenn ich beispielsweise einen Rechtsberater brauche, nehme ich einfach das Telefon zur Hand und rufe an. Und wenn ich am nördlichsten Punkt des Landes eine Verkaufsperson brauche, haben wir meistens schon jemanden vor Ort.”
 
Der nächste Schritt besteht darin, die Software auch in ähnlichen Entwicklungsländern einzuführen. 2016 wurden 8,6 Prozent mit einem Wert von über 83 Milliarden US-Dollar aus dem Stromnetz entwendet. Allein Indien hat Strom im Wert von 10 Milliarden Dollar verloren.
 
Smarte Strommessgeräte bedeuten einen radikalen Wandel in der Energieüberwachung und Sergio Jacobsen möchte diese Bewegung anführen. „In den nächsten zwei Jahren wird sich alles ändern.”, erzählt er. „Ich bin mir über die Zustände vollkommen im Klaren und möchte Teil der Veränderungen sein - vor allem in meiner Wahlheimat Brasilien.”


Sergio Jacobsen verwaltet bei Siemens die smarten Messdienste. Er ist für Digitalisierung und Automatisierung von Energie zuständig und leitet außerdem zwei von acht Entwicklungs- und Forschungszentren bei Siemens in Brasilien.