Was wir tun

Dank dieser Erfindung werden elektrische Autos massentauglich.

Weltweit ist der Verkauf von elektrischen Autos im letzten Jahr um 51 Prozent gestiegen. Damit der Markt weiterwachsen kann, muss allerdings etwas passieren. Denn noch ist die nötige Infrastruktur nicht überall vorhanden. Gerald Fenz und Gerrit Pürstl von Siemens arbeiten daran, dass es bald mehr und bessere Ladesäulen geben wird.

Die Zeiten, in denen elektrische Autos noch Science-Fiction waren, sind längst vorbei. Heute ist klar, dass E-Autos die Zukunft sind. Denn die Ansprüche an den Transport entwickeln sich rund um den Globus ständig weiter. Die Zahl der elektrischen Autos ist 2017 von 740.000 auf 1,1 Millionen weltweit gestiegen. Das scheint eine vergleichsweise geringe Menge zu sein, wenn man bedenkt, dass insgesamt gut 1,2 Milliarden Autos auf unseren Straßen unterwegs sind. Trotzdem entspricht dies einem Zuwachs bei den E-Autos von 51 Prozent. Eine solche Wachstumsrate kann man nicht einfach ignorieren. Sie ist ein Zeichen dafür, dass bei den Konsumenten ein Umdenken in diesem Bereich stattfindet – auch wenn Benzin- und Dieselfahrzeuge noch immer den Markt dominieren.

 

Es gibt viele Gründe für elektrische Autos. Erstens sind sie umweltfreundlicher als herkömmliche Wagen. Das ist für all diejenigen wichtig, die ein nachhaltigeres Leben führen möchten. Zweitens gibt es in vielen Ländern finanzielle Anreize von Seiten der Regierungen, um den Konsumenten den Wechsel schmackhafter zu machen. Allerdings wird damit auch eine flächendeckende Infrastruktur für das Laden der Autos immer wichtiger. Nur so lässt sich dieses Wachstum sicherstellen. 

Derzeit gibt es viele elektrische Autos, die Menschen transportieren. Aber auch gewerbliche Fahrzeuge, die von Benzin zu Elektrizität wechseln, liegen immer mehr im Trend

Gerald Fenz

Österreich treibt den Wechsel an

Gerrit, Sales Professional für die elektrische Mobilitätsinfrastruktur in CEE, und Gerald, Product Manager, leben und arbeiten in Österreich, denn dort ist ihre Technologie stark gefragt. Schließlich wurden 2017 EU-weit in Österreich die meisten elektrischen Autos angemeldet. 

 

Die Regierung tut viel, um dieses Umdenken in der Gesellschaft weiter voranzutreiben. So können die Bürger bis zu 4.000 Euro Zuzahlung bekommen, wenn sie ein E-Auto kaufen. Außerdem werden landesweit 1.300 Ladesäulen aufgestellt. Das ist ein guter Anfang. Bei einer Bevölkerung von 8,7 Millionen Menschen bedeutet dies allerdings, dass sich eine Million Menschen 149 Ladestationen teilen müssen. 1.300 Ladesäulen sind also noch lange nicht ausreichend. 

 

„Eines der größten Probleme in Österreich ist, dass es nicht genug Lademöglichkeiten gibt”, sagt auch Gerrit. „Wenn man zur nächsten Ladestation fährt, kann es sein, dass man fünf oder sechs Autos vor sich hat. Jedes lädt etwa 20 Minuten. Das heißt: Du wartest etwa zwei Stunden.” In einer Zeit, in der wir immer alles sofort bekommen, reicht diese Ungewissheit aus, um Leute vom Kauf abzuhalten. Denn ohne ausreichende Ladestationen werden die Konsumenten nicht so schnell von ihren Benzin-Autos zu den elektrischen wechseln. Und ohne willige E-Auto-Fahrer investieren Firmen und Regierungen weniger in Ladesäulen. 

Der Zukunft entgegen

Gerrit und Gerald haben darum einen Plan ausgeheckt: Sie entwickelten eine Technologie, die die Zahl der Ladestationen vorantreibt und sie zugleich auch zukunftssicher macht. Denn derzeit werden die meisten elektrischen Autos mit einer Spannung von rund 500 Volt geladen. Ihre Ladesäule bietet hingegen eine Spannung von 920 Volt. Damit kann ihr Schnelllade-System eine deutlich stärkere Ladung bereitstellen als die Angebote der meisten Mitbewerber auf dem Markt.

 

Künftig werden elektrische Autos mehr Energie benötigen. Die Erfindung von Gerrit und Gerald sorgt dafür, dass die Infrastruktur dann schon vorhanden ist. Außerdem bereitet sie den Weg für größere Autos wie elektrische Busse und Lastwagen, die eine Spannung bis zu 800 Volt benötigen. „60 bis 70 Prozent der Fahrzeuge, vor allem Lastwagen und große Autos, werden innerhalb der kommenden zehn Jahre elektrisch sein”, sagt Gerrit. „Derzeit gibt es viele E-Autos, die Menschen transportieren. Aber auch gewerbliche Fahrzeuge, die von Benzin zu Elektrizität wechseln, werden mehr”, ergänzt Gerald. 

 

Die Technologie der beiden ist so neu, dass sie sogar ihre Chefs davon überzeugen mussten. Ihr Argument? Mit dieser Technologie kann man nicht nur Autos laden, sondern auch einige Öko-Energie-Anwendungen optimieren. So ist es möglich, ihre Erfindung beispielsweise mit solarbetriebenen Systemen zu nutzen, um Energieverschwendung zu minimieren. Sonnenlicht, das in Elektrizität verwandelt wurde, kann damit für verregnete oder stark bewölkte Tage gespeichert werden. „Ich lerne in diesem Beruf jeden Tag dazu”, sagt Gerrit. „Wir haben immer neue Ideen, um unser Produkt weiterzuentwickeln. Für mich ist das eine echte Zukunftsbranche, so macht es richtig Spaß zur Arbeit zu gehen.”

 

Ihr Engagement für die Sache hat sich gelohnt. Verschiedene Investoren wie die Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) und Smartrics, der größte Betreiber von Elektroladestellen in Österreich, haben Interesse bekundet. „Unser größter Erfolg war es natürlich, dass wir unsere ersten Kunden von dieser Technologie überzeugen konnten”, sagt Gerrit. „Aber zum Glück begreifen immer mehr Menschen, dass das eine Investition in die Zukunft ist.” 

 

Die Mineralölgesellschaften stehen allerdings immer noch ganz am Anfang ihrer Beziehung zu E-Fahrzeugen. Dabei wären gerade ihre Investitionen ein wichtiges Signal im Wechsel hin zur Elektrizität. „In der Zukunft werden sie unsere wichtigsten Kunden sein”, sagt Gerrit. „Denn sie haben das Geld und können es investieren.” 

 

Elektrische Fahrzeuge sind übrigens noch lange nicht das Ende der Entwicklungen. „In den kommenden zehn Jahren wird es wasserstoffbetriebene Autos geben oder Wagen, die beide Antriebsarten miteinander kombinieren”, sagt Gerrit. „Wir denken heute schon darüber nach, wie wir darauf reagieren können und wie das die Transportbranche verändern wird.”

 

 

 

Gerald Fenz wurde kürzlich vom Product Manager für Electric Mobility Infrastructure (EMI) zum Head of Large Drives - Industrial Applicants bei der Siemens AG Österreich befördert. Er ist verantwortlich für Marktbeobachtung, Wettbewerbsanalyse, Technologiemanagement, Entwicklung von Pflichtenheften, Leitung der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung und Koordinierung von Lieferanten und Partnerunternehmen.

 

Gerrit Pürstl arbeitet in der Abteilung Professional Sales für Electric Mobility Infrastructure (EMI) bei der Siemens AG Österreich. Er verantwortet die Entwicklung von Vertriebs- und Marketingstrategien, das Kundenbeziehungsmanagement, den technischen First-Level-Support und Produktpräsentationen.