Rund 16 Prozent der Weltbevölkerung, aber nur etwa vier Prozent der weltweiten Wasserreserven: In einem dicht besiedelten Land wie Indien ist Wasser eine besonders wertvolle Ressource. Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die Standortleitung von Siemens Real Estate im indischen Kalwa und EHS zum Bau einer Abwasserreinigungsanlage, die sich weitgehend selbst reguliert – ähnlich einem natürlichen Feuchtgebiet. “Umweltschutz, Gesundheitsschutz und Sicherheit werden in Kalwa sehr ernst genommen. Die Entscheidung, hier eine Anlage für die naturnahe Wasseraufbereitung zu installieren, war daher alles andere als Zufall“ erzählt Veerabhadrapp Chaugula, Location Manager bei Siemens Real Estate.
Statt auf Hightech hat man bei der Anlage auf ein Ökosystem gesetzt: Pflanzen und Mikroorganismen filtern die Schadstoffe aus dem Abwasser heraus. „Das funktioniert ähnlich wie bei einem Sumpfgebiet“, erklärt Veerabhadrapp Chaugula. Eine Kaskade aus 32 kiesgefüllten Becken wirkt mechanisch und biologisch zugleich. So halten Kiesel Schwebeteilchen im Wasser zurück, während die Pflanzen Sauerstoff produzieren und mit ihren Wurzeln für eine gute Durchlüftung im Kiesgrund sorgen. Bakterien zersetzen organische Substanzen zu Kohlendioxid und Wasser. Ein Rohrsystem schleust das Wasser zum Verwaltungsgebäude, in die Gartenanlagen und Toilettenspülungen zurück. Hier beginnt der Kreislauf von neuem.
Das Abwasser des Siemens-Werks in Kalwa, Indien, wird biologisch in einem künstlichen Feuchtgebiet gereinigt. Die eingesetzte Technik beschränkt sich auf wenige Pumpen und Durchflussmesser.
In dem künstlichen Feuchtgebiet wird mittlerweile Abwasser aus vier Teilwerken und einem Verwaltungsgebäude aufbereitet. Die dabei eingesetzte Technik beschränkt sich auf einige wenige Pumpen und Durchflussmesser. Daher entfällt die kontinuierliche Überwachung, die in herkömmlichen Kläranlagen nötig ist. Allerdings benötigt die Anlage viel Platz – im Werk Kalwa eine Fläche von 1.000 Quadratmetern. „Aber auch das hat seine Vorzüge“, sagt Veerabhadrapp Chaugula: „Die Anlage ist einfach wunderschön anzusehen.“
Die Anlage ermöglicht allein in der Frischwasserversorgung jährliche Kosteneinsparungen von 4.500 Euro. Darüber hinaus sichert sie die Aufbereitung von 95 Prozent der Abwässer des Werks – rund 12 Millionen Liter jährlich. Aus diesen Gründen wurde sie 2011 zu Recht mit dem Vasundhara Award 2011 ausgezeichnet, dem bedeutendsten Umweltpreis des südindischen Bundesstaates Maharashtra.
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2011-Feb-23 | Author