Traditionell hat die Industrie mit wenigen Ausnahmen ihren Fokus auf technischen Umweltschutz gesetzt und das Thema Natur- und Artenschutz nur bei der Einhaltung gesetzlicher Anforderungen berücksichtigt. Mit der Zunahme des Artensterbens und der Zerstörung von natürlichen oder naturnahen Ökosystemen wächst jedoch die Brisanz. Und so haben wir im Geschäftsjahr 2010 beschlossen, Natur- und Artenschutz auch auf Unternehmensebene als bedeutenden Umweltaspekt zu definieren. Bisher war das Thema nur auf Standort- und Projektebene je nach Relevanz ein bedeutender Umweltaspekt und dort in die Umweltmanagementsysteme integriert.
Ein Beispiel aus der Praxis liefert unsere Division Mobility in Großbritannien, die auf diesen Gebieten Projektmitarbeiter in einem eigens entwickelten Trainingsmodul schult. Zudem enthalten ihre Projektpläne ein Kapitel zur Ökologie mit projektbezogenen Informationen zu geschützten Gebieten und Arten. Schließlich müssen die Umweltauswirkungen der Aktivitäten, also auch die auf Flora und Fauna, bewertet werden.
Vorbildcharakter hat auch eine Initiative aus Brasilien: Auf dem 113 Quadratkilometer großen Siemens-Standort Anhangüera befinden sich 45 Quadratkilometer geschützter Regenwald. Auf einem Naturlehrpfad bringen pensionierte Mitarbeiter Besuchern die 25 katalogisierten Pflanzenarten näher.
Große Aufmerksamkeit hat ein Projekt unserer Division Power Transmission in Brasilien erregt. Dort wurden über 14 Kilometer Hochspannungsleitungen im Regenwald gezogen – mit dem Ziel, das Projekt so schonend wie möglich auszuführen und die Auswirkungen auf einen der artenreichsten Wälder unserer Erde möglichst gering zu halten. Die Arbeiten wurden äußerst sorgsam erledigt: Um den Einsatz von Sprengstoff und schwerem Gerät, das Fällen von Bäumen und das Zurückschneiden der Vegetation zu vermeiden, wurden beispielsweise Boden meist per Hand ausgehoben. Nur bei besonders harten Böden wurden pneumatische Aufbrechhämmer verwendet. Kabel wurden entweder per Hubschrauber oder manuell verlegt. In einigen Fällen bauten die Arbeiter hölzerne Stege, um Teile der Hochspannungsmasten zu Fuß über der empfindlichen Vegetation zu transportieren. Auch auf den Umgang mit Abfällen wurde geachtet: Konnten sie nicht vor Ort verwertet werden, wurden sie sorgfältig eingesammelt und entfernt. Die Leistung in diesem Projekt wurde 2009 im Rahmen des firmeninternen internationalen Wettbewerbs „Siemens-Umweltpreis“ mit einem Sonderpreis gewürdigt.
01. März 2011 | Author