Vor dem Hintergrund globalisierter Märkte und immer größerer und komplexerer Kundenunternehmen gewinnt ein effektives Key Account Management für die Wettbewerbsfähigkeit von Siemens zunehmend an Bedeutung. Der Automobilhersteller SEAT wird im Rahmen des Key Account Management Ansatzes für den gesamten Volkswagen-Konzern betreut. Das spanische Unternehmen wird vor Ort von einem kompetenten, lokalen Key Account Team unterstützt, das eng mit dem Corporate Account Management in Deutschland zusammenarbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfassung der spezifischen Anforderungen des Kunden und die anschließende Entwicklung adäquater Lösungen in verschiedenen Geschäftsbereichen von Siemens.
So hat das Team auch Antworten auf die Herausforderungen gefunden, die SEAT in punkto Energieeffizienz zu bewältigen hatte. Dabei setzte Siemens in erster Linie sein Umweltportfolio ein, um dem Kunden eine Reihe innovativer Lösungen zu präsentieren. Zudem hatten auch die zahlreichen und starken Beziehungen zwischen dem gesamten Siemens Key Account Team und den Vertretern von SEAT maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung.
Automobilhersteller auf der ganzen Welt haben für ihre Fertigungsstätten ehrgeizige Ziele festgelegt, die in den nächsten Jahren realisiert werden sollen. Sie haben erkannt, dass die Umweltauswirkungen eines Fahrzeugs nicht erst auf der Straße, sondern bereits während der Produktion zum Tragen kommen. Einer dieser umweltbewussten Automobilhersteller ist das Unternehmen SEAT, das zum Volkswagen Konzern gehört. Die SEAT Muttergesellschaft hat ihren Sitz in Martorell, nur wenige Kilometer westlich von Barcelona entfernt, und verfügt über eine der größten Fertigungsstätten in ganz Spanien. Etwa 14.000 Mitarbeiter produzieren hier jährlich mehr als 350.000 Fahrzeuge.
Besonders stolz ist die Belegschaft von Martorell auf die Tatsache, dass auch die Produktion des Audi Q3 in das Werk verlegt wurde. Ein ausschlaggebender Faktor für diese Entscheidung waren die erfolgreich umgesetzten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Noch vor wenigen Jahren drehte sich bei der Automobilproduktion alles um die pro Einheit benötigten Mannstunden – heute liegt der Fokus auf dem Energieverbrauch. In der Praxis bedeutet dies, dass die SEAT Mitarbeiter beim langfristigen Vergleich relevanter Kennzahlen nicht nur auf der Grundlage ihrer wirtschaftlichen Effizienz beurteilt werden. Vielmehr wird auch berücksichtigt, ob sie – nach Vorgabe des Volkswagen Konzerns – in der Lage sind, den Energieverbrauch pro gefertigtem Fahrzeug in Hinblick auf die wichtigsten Umweltparameter bis zum Jahr 2018 um 25 Prozent (gegenüber den Werten von 2010) zu reduzieren.
Um zunächst transparent zu machen, an welchen Etappen der Fertigung Energiebedarf herrscht und welche Kosten dabei entstehen, entschloss sich SEAT, ein Energiemanagementsystem von Siemens zu implementieren. Mit Hilfe der Energiemanagementsoftware B.Data kann der aktuelle Status sämtlicher Energie- und Materialflüsse – zum Beispiel Wasser, Elektrizität sowie Druck und Dampf – die für die Fertigung und Versorgung erforderlich sind, kontinuierlich und zuverlässig erfasst werden. Die Siemens-Software unterstützt den Benutzer bei der Erstellung detaillierter Berichte, die individuell auf seine spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Dabei bietet sie den entscheidenden Vorteil, dass der Energieverbrauch selbst bei komplexen Analysemodellen eindeutig der jeweils zuständigen Kostenstelle zugewiesen werden kann. Eine Anwendung, die so detaillierte Analysen ermöglicht, ist für die nachhaltige Realisierung von Energiezielen unverzichtbar, denn im Anschluss an die Analyse entwickelt B.Data mithilfe spezifischer Leistungskennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) eine fundierte und zuverlässige Entscheidungsgrundlage für Maßnahmen zur Energieoptimierung und die dafür erforderlichen Investitionen.
Aus finanzieller Sicht macht sich der Einsatz eines Energiemanagementsystems umgehend bezahlt. Oft liefert die Analyse Anhaltspunkte für Optimierungen, die sich schon mithilfe einfachster Maßnahmen wie der Lokalisierung von Leckagen oder der gleichmäßigeren Verteilung von Lasten realisieren lassen. Diese Maßnahmen ermöglichen in der Regel schon ohne zusätzlichen Investitionsaufwand Einsparungen bei den Energiekosten zwischen 5 und 10 Prozent. Der Effekt lässt sich, zum Beispiel durch den Einsatz moderner Automatisierungs- und Antriebstechnik, um ein Vielfaches steigern.
Entsprechende Lösungen kamen auch in der Lackieranlage in Martorell zum Einsatz und konnten wesentlich zur Verbesserung der dortigen Energiebilanz beitragen. Die Lackierung zählt zu den energieintensivsten Produktionsprozessen in der Automobilfertigung. Mehr als 45 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs entfallen auf diesen Arbeitsschritt – und entsprechend hoch ist das hier vorhandene Einsparpotenzial. Um bei SEAT den Energieverbrauch in den Lackierkabinen zu verringern, wurden die Elektroantriebe der Lüfter modernisiert und von Siemens mit modernen Sinamics G120D Frequenzumrichtern mit Servoantrieb ausgestattet. Die Umrichter passen die Stromzufuhr der Elektromotoren, die mit Teilbelastung arbeiten, kontinuierlich an den jeweiligen Bedarf an. Diese effiziente und flexible Umbaumaßnahme ermöglicht Einsparungen von bis zu 60 Prozent gegenüber dem Einsatz herkömmlicher mechanischer Steuerelemente. Darüber hinaus bietet B.Data eine lückenlose Dokumentation und Nachverfolgung der Einsparungen – eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung der Energiemanagementnorm ISO 50001 innerhalb des Unternehmens.
Die Werksleitung in Martorell arbeitet schon seit vielen Jahren eng mit Siemens zusammen. Schließlich hat die Technology Group als Partner nicht nur ein vollständiges Portfolio mit energieeffizienten Automatisierungs- und Antriebstechniklösungen zu bieten, sondern verfügt auch über ein hohes Maß an Branchenexpertise. „Für neue Ideen zur Optimierung der Energieeffizienz in der Fertigung ist Siemens seit jeher ein hervorragender Ansprechpartner“, erklärt ein SEAT-Mitarbeiter. Und das gilt nicht nur für Nachrüstkonzepte, sondern auch für Neuinstallationen.
So wurde bereits beim Bau der Hightech-Fertigungsstätte für den Audi Q3 konsequent auf die lückenlose Implementierung von Energieeffizienzmaßnahmen geachtet. Die Karosserien für diesen kompakten Geländewagen werden automatisch gesteuert und unabhängig über zwei Ebenen hinweg von einer Position in die nächste befördert. Die Montagebänder und Aufzüge werden von hocheffizienten Elektromotoren angetrieben. Diese Motoren werden mithilfe von Sanftstartern auf die gewünschte Drehzahl gebracht, um Energie und Ressourcen einzusparen. Zum Herunterfahren werden Frequenzumrichter eingesetzt, um einen Teil der aufgewendeten Energie für den Betrieb der Montagebänder zu nutzen und in das Netz zurückzuspeisen. Siemens hat in Spanien nicht nur einzelne Automatisierungslösungen, sondern als Hauptauftragnehmer auch eine schlüsselfertige Montagebandlösung bereitgestellt. Dabei wurde ein spezielles Expertenteam in das SEAT Werk entsandt, um eine reibungslose Inbetriebnahme und Echtzeitunterstützung durch spanisch sprechende Fachleute sicherzustellen.
Eine weitere aktuell diskutierte Frage betrifft die Möglichkeiten zur Reduzierung unnötigen Energieverbrauchs in Produktionspausen. Eine geeignete Lösung für dieses Problem ist PROFIenergy. Diese Datenschnittstelle nutzt die bewährten Dienste und Mechanismen des internationalen Kommunikationsstandards PROFINET und ermöglicht in Pausenzeiten das gezielte und koordinierte Abschalten einzelner Lasten oder ganzer Produktionsreihen von einem zentralen Kontrollpunkt aus. Umgekehrt können mithilfe des Systems auch Spitzenlasten aufgefangen werden, und zwar durch das Abschalten oder den Wechsel in den Ruhemodus von Maschinen oder Geräten, die gerade nicht benötigt werden. Siemens hat bereits eine ganze Reihe innovativer Produkte entwickelt, die das PROFIenergy-Protokoll unterstützen, darunter PLCs und Motorstarter. Diese tragen wesentlich zur Reduzierung des Energieverbrauchs und CO2-Ausstoßes bei.
Grundsätzlich lässt sich der Energieverbrauch durch das koordinierte Abschalten elektrischer Lasten während längerer Pausen, zum Beispiel in den Betriebsferien, um bis zu 80 Prozent reduzieren. Bei kürzeren Pausen – beispielsweise während der Mittagspause – beträgt das Einsparpotenzial bis zu 40 Prozent. PROFIenergy kann ohne großen Aufwand in bereits vorhandene, für PROFINET ausgelegte Maschinen und Installationen integriert werden. So lassen sich Antriebe und Sensoren ebenso auf koordinierte Art und Weise abschalten wie einzelne Komponenten, z. B. Control Units und ihre Hintergrundbeleuchtung.
Viele Automobilhersteller sind nicht daran interessiert, punktuelle Optimierungen vorzunehmen, um lediglich ein paar Kilowattstunden Elektrizität einzusparen. Daher gewinnen Konzepte, die den gesamten Fertigungsprozess und die Wertschöpfungskette einbeziehen, zunehmend an Bedeutung. Siemens legt Wert auf einen ganzheitlichen Ansatz: Nur, wenn wirklich alle technischen und finanziellen Unternehmens- und Managementprozesse sowie organisatorischen und operativen Verfahren in die Planung einbezogen werden, ist eine nachhaltige und effiziente Einsparung von Energiekosten möglich. Zu diesem Zweck hat Siemens ein Beratungsteam zusammengestellt, das drei Kompetenzbereiche abdeckt: fundierte Kenntnisse aller energiebezogenen Aspekte, Automatisierungs-Know-how und technische Expertise. Nach eingehenden Gesprächen mit der Geschäftsleitung, einer gründlichen technischen Vor-Ort-Analyse und der ersten Einschätzung möglicher Energieeinsparungen und der dafür benötigten Investitionen wählen die Berater gemeinsam mit dem Kunden eine Reihe von Maßnahmen aus und überprüfen sie auf ihre technische und finanzielle Machbarkeit.
Das Implementierungskonzept beinhaltet zudem detaillierte Kalkulationen und spezifische Angebote von Lieferanten. Das Spektrum der Maßnahmen, die schließlich umgesetzt werden, ist breit gefächert: der Einsatz eines Energiemanagementsystems, die Installation einer Wärmerückgewinnungsanlage oder die Modernisierung der Fertigungsanlagen. Die Berater unterstützen den Kunden auch bei der Optimierung seiner Energiebeschaffung durch die eingehende Analyse vorhandener Lieferverträge, die Wahl des am besten geeigneten Tarifmodells und zahlreiche weitere Empfehlungen. Siemens begleitet den Kunden in jeder Phase des Prozesses und stellt seine technologische Expertise sowie seine langjährige Branchenerfahrung zur Verfügung.