Der makedonische König Alexander der Große ging als Eroberer in die Geschichte ein. Viele Jahrhunderte später erobert die Alexander-Technik die Mitarbeiter von Siemens Building Technologies im schweizerischen Zug – und das ganz friedlich. Denn die Alexander-Technik hat nichts mit Kampf zu tun. Im Gegenteil: Sie lindert Verspannungen und fördert das Wohlbefinden. Der ungewöhnliche Ansatz ist eine von mehreren Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, die Siemens am Standort anbietet, um den gestiegenen krankheitsbedingten Fehlzeiten entgegenzuwirken. Nach anfänglicher Skepsis ist die Alexander-Technik bei der Belegschaft mittlerweile äußerst beliebt.
Die Arbeit in den Fertigungsinseln ist körperlich anspruchsvoll und kann auf Dauer Nacken-, Schulter und Ellbogenbeschwerden hervorrufen. Lale Arslan, die seit 25 Jahren im Werk arbeitet, beschreibt die Beschwerden so: „Ich hatte ständig Schmerzen in den Schultern und bis hinunter in die Arme – und ich wurde sie einfach nicht los.“
Andere Mitarbeiter hatten ähnliche Beschwerden und meldeten sich immer häufiger krank – womit sie auch die Produktion beeinflussten. „Wir probierten verschiedene Maßnahmen aus, um den Gesundheitsproblemen entgegen zu wirken“, erinnert sich Rudolf Meisinger, Abteilungsleiter im Zuger Werk. „Doch der Erfolg blieb aus. Wir mussten also eine Möglichkeit finden die Maßnahmen an die verschiedenen Arbeitsplätze individuell anzupassen.“
Im Jahr 2010 riefen Siemens Building Technologies und die Regionalgesellschaft Siemens Schweiz ein Programm zur Gesundheitsförderung ins Leben – mit dem Ziel, Gesundheitsmaßnahmen besser auf die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsplatzes abzustimmen. Die Alexander-Technik ist Teil dieses Programms. Inzwischen nehmen rund 100 der insgesamt etwa 350 beschäftigten Mitarbeiter an dem Programm teil, und zwar direkt in den Produktionshallen. Dreimal täglich absolvieren Gruppen von mehreren Mitarbeitern fünfminütige Übungen, welche auf Basis der Alexander-Technik entwickelt wurden. Einmal wöchentlich bieten Lehrerinnen für Alexander-Technik vor Ort Gruppen- und Einzelschulungen an.
Schon ein fünfminütiges Alexander-Training hilft, falsche Bewegungsabläufe und Körperhaltungen zu verbessern.
Entwickelt wurde die Technik von dem australischen Schauspieler Frederick Matthias Alexander. Ihr Ziel ist es, ineffiziente Körperbewegungen und gewohnheitsmäßige Haltungsmuster durch eine bewusstere Wahrnehmung zum Positiven zu verändern. Übertragen auf den Siemens-Standort bedeutet das: Den Mitarbeitern bewusst machen, wie sie an ihrem Arbeitsplatz stehen, gehen, sitzen und sich bewegen – und wie sie Aufgaben wie das Anwenden eines Bohrers schonender ausführen können. Nicht nur die Mitarbeiter geben positives Feedback, auch das Management ist von den Vorteilen der Technik überzeugt. Rudolf Meisinger: „Ich bin selbst ein Bewegungsmensch und von den Ergebnissen einfach begeistert. Ich habe unsere Mitarbeiter schon lange nicht mehr so motiviert gesehen.“
Lale Arslan ist voll des Lobes für die Alexander-Technik: „Ich hätte nie gedacht, dass bewusste Bewegungsabläufe einen solchen Unterschied machen können. Ich kann nur jedem raten, es selbst auszuprobieren.“ Inzwischen leitet sie sogar eine fünfminütige Übung am Morgen.
01. Juli 2010 | Author