Siemens hat die globale Siemens Integrity Initiative mit einem Budget von 100 Millionen US-Dollar gestartet. Die Initiative unterstützt Organisationen und Projekte, die mit Collective Action – also dem Schulterschluss von Unternehmen und Institutionen für saubere Märkte und fairen Wettbewerb – sowie Aus- und Weiterbildung gegen Korruption und Betrug kämpfen.
Wichtigstes Ziel der Siemens Integrity Initiative ist, faire Marktbedingungen für alle Marktteilnehmer zu schaffen, indem Korruption und Betrug durch Collective Action sowie Aus- und Weiterbildung bekämpft werden.
Fokus der Initiative ist die Unterstützung von Projekten, die direkte Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben, objektive und messbare Ergebnisse vorweisen und als Vorbild für weitere Projekte dienen können. Siemens berücksichtigt gezielt Projekte mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaftssektoren und Länder, in denen Siemens tätig ist.
Projektvorschläge können für folgende zwei Unterthemen eingereicht werden und müssen einen eindeutigen Bezug zur Bekämpfung von Korruption und Betrug aufweisen.
Die Siemens Integrity Initiative zielt darauf ab, einen Mix globaler, regionaler und landesspezifischer Projekte und Projekte unterschiedlichen Umfangs zu unterstützen. Mindestens zwei Drittel der Mittel sind für das Unterthema Collective Action vorgesehen. In der ersten Förderrunde konnten 31 förderungswürdige Projekte ausgewählt werden.
Die Siemens Integrity Initiative bevorzugt Vorschläge, die auf dauerhafte Aktivitäten und Programme abzielen und nicht lediglich Einmal-Aktivitäten beinhalten. Der Zeithorizont der Vorschläge sollte zwischen drei bis fünf Jahren liegen. Die maximale Fördersumme pro Projektvorschlag beträgt 5 Millionen US-Dollar. Anträge für Projekte mit einem niedrigeren Förderungsbedarf als dem Höchstbetrag sind möglich, solange ein Mindestbetrag von 50.000 US-Dollar erreicht wird. Ein Antragsteller kann mehrere Projektvorschläge einreichen. Siemens behält sich allerdings die Möglichkeit vor, während des Auswahlverfahrens die Fördermittel pro Organisation zu begrenzen.
Fördermittel im Rahmen der Siemens Integrity Initiative können von gemeinnützigen Organisationen beantragt werden, beispielsweise Nichtregierungsorganisationen (NGOs), internationalen Organisationen, Unternehmensverbänden und akademischen Einrichtungen. Weitere Informationen zu den Teilnahmevoraussetzungen finden Sie unter Teilnahmevoraussetzung und Auswahlkriterien.
Am 2. Juli 2009 gab die Weltbankgruppe eine umfassende Vereinbarung mit Siemens bekannt. Als Teil dieser Vereinbarung hat sich Siemens bereit erklärt, an der Verbesserung branchenüblicher Praktiken mitzuwirken, Vergabepraktiken zu bereinigen und zusammen mit der Weltbankgruppe im Rahmen von Collective Action Betrug und Korruption zu bekämpfen. Als Ergebnis dieser Zusage hat Siemens 100 Mio. US-Dollar für die Siemens Integrity Initiative bereitgestellt und am 9. Dezember 2009 einen weltweiten Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen gestartet. Die Weltbankgruppe ist berechtigt, die Mittelverwendung zu prüfen ("audit right"), und hat ein Vetorecht bei der Auswahl von Antikorruptionsgruppen oder -programmen.
Angesichts des weitverbreiteten und verwurzelten Korruptionsproblems, das gleichermaßen die Gesellschaft, die Staaten und deren öffentliche Auftraggeber sowie den privaten Sektor trifft, erscheint es schier unmöglich durch einzelne Aktivitäten signifikante ethische Änderungen und eine Verbesserung der Transparenz von Geschäftsprozesse zu bewirken.
Es geht darum, den Kampf gegen Korruption gemeinsam, also kollektiv, aufzunehmen und zusammen mit den unterschiedlichen Interessensgruppen ein Bündnis gegen Korruption zu schließen und das Problem von mehreren Seiten anzugehen und zu lösen.
Das ultimative Ziel der gemeinsamen Bemühungen ist es, dadurch faire und gleiche Marktbedingungen, das sogenannte "Level Playing Field", für alle Marktteilnehmer zu schaffen und die Versuchungen der Korruption für alle zu eliminieren.
Durch Collective Action wird eine faire Wettbewerbssituation gefördert, in der allein marktwirtschaftliche Kriterien (Qualität, Preis, Innovation, Service, etc.) in einem transparenten Prozess über den Zuschlag für den besten Bieter entscheiden. Eine Situation also, in der der Wettbewerb nicht durch Korruption verzerrt und zerstört wird und dadurch die integer handelnden Firmen nicht benachteiligt werden.
Die Methode reicht von Integritätspakten (Integrity Pacts) für einzelne Beschaffungsmaßnahmen bis hin zu branchenspezifischen Verhaltensregeln (Code of Conduct, Compliance Pacts) und gemeinschaftlichen Maßnahmen im Sinne einer Langzeit Initiative (Long Term Initiative) zur positiven Änderung der öffentlichen Wahrnehmung und Ordnung sowie Beschaffungsrichtlinien eines Landes. Idealerweise sollten dabei Wettbewerber, Behörden, Nichtregierungsorganisationen (NGOs = non-governmental organizations) und weitere Interessensgruppen involviert werden, die gemeinsam für die gute Sache eintreten. Weiterhin ist es unerlässlich, die kartellrechtlichen Aspekte im Einzelfall zu prüfen.