Industry Sector
München/Erlangen, 26. März 2010
Die Geschäftsaussichten im Industry-Sektor der Siemens AG haben sich insgesamt in den vergangenen Monaten etwas aufgehellt. „Wir haben frühzeitig konsequent gehandelt und uns gut auf das niedrigere Marktniveau eingestellt. Davon profitieren wir jetzt, auch wenn wir in einigen Bereichen noch die bekannten Hausaufgaben zu erledigen haben. In den Wachstumsregionen sind wir exzellent positioniert“, sagte Heinrich Hiesinger, Vorstandsmitglied von Siemens und CEO des Industry Sektors, am Freitag während einer Investorenveranstaltung. Die operative Marge dürfte im Geschäftsjahr 2010 bereinigt um Restrukturierungskosten nun über dem unteren Zielbandwert von neun Prozent liegen. Grund für die verbesserte Einschätzung der Entwicklung bei der Profitabilität ist vor allem die früher als erwartet eingetretene Stabilisierung in den kurzzyklischen Geschäften. Einige der eher langzyklischen Geschäfte befinden sich hingegen wie erwartet weiterhin im Abschwung. Eine anhaltend kontinuierliche Erholung in den Märkten der konjunktursensitiven Einheiten vorausgesetzt, sollte der Auftragseingang im Industry-Sektor das Vorjahresniveau erreichen. Der Umsatz dürfte im Vergleich zum Vorjahr im einstelligen Prozentbereich zurückgehen. Dämpfend wirkt hier der anhaltend hohe Auftragsbestand von 28 Milliarden Euro.
Angesichts der leichten Stabilisierung bei der Nachfrage nach Investitionsgütern rechnet der Siemens-Industry-Sektor für 2010 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Rückgang beim adressierbaren Markt von zwei Prozent auf rund 360 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor war das Marktvolumen in Folge der Weltwirtschaftskrise noch um zwölf Prozent gesunken. „Der Markt stabilisiert sich zunehmend, unser Umfeld ist jedoch weiterhin herausfordernd“, so Hiesinger. Stabilisierend wirken das Wachstum im Transport- und Eisenbahnmarkt sowie die Bodenbildung in den kurzzyklischen Fertigungsindustrien. Die eher langzyklischen Geschäfte befinden sich hingegen noch im Abschwung. Hier hatte der Industry-Sektor unlängst Maßnahmen vorgestellt, um die Geschäfte auf eine nachhaltig solide Basis zu stellen. Teile der Divisionen Drive Technologies und Industry Solutions sollen den anhaltend schwierigen Marktbedingungen angepasst werden. Dies hatte der Konzern bereits im Februar 2010 angekündigt.
Ausbau der Präsenz auf Wachstumsmärkten
Während die erwartete Erholung sich auf entwickelten Industriemärkten aufgrund von nun existierenden Überkapazitäten deutlich langsamer vollziehen wird, zeichnet sich ein Aufschwung vor allem in den Schwellenländern Asiens und des Nahen und Mittleren Ostens ab. Mit Blick bis 2015 erwartet Siemens, dass rund ein Drittel des gesamten Wachstums der Industriemärkte aus China und Indien kommt. „Um unsere Wachstumschancen in Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien wahrzunehmen, werden wir unsere Präsenz dort weiterhin ausbauen“, kündigte Hiesinger an. Dazu stellen die sechs CEOs der Industry-Divisionen detaillierte Maßnahmen für ihren jeweiligen Aufgabenbereich auf der Investorenveranstaltung vor. In den Märkten soll die gesamte lokale Wertschöpfung und das Produktportfolio mit spezifisch auf die Schwellenländer zugeschnittenen Lösungen erweitert werden. Siemens generiert rund ein Viertel des Industry-Umsatzes aus Schwellenländern, im größten Einzelmarkt China arbeiten knapp 21.000 Mitarbeiter für den Industry-Sektor.
Stärkung der Innovationskraft und höherer Service-Anteil
Siemens will zudem die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) im Industriegeschäft bewusst auf dem hohen Niveau des Vorjahres von etwa 1,8 Milliarden Euro halten. Die F&E-Quote – also die F&E-Investitionen im Verhältnis zum Umsatz – soll im Geschäftsjahr 2010 im Vergleich zu 2009 weiter leicht erhöht werden. 2009 lag die F&E-Quote des Sektors bei 5,2 Prozent. „Ziel ist es, unsere Innovationen unabhängig von der Konjunkturlage so effektiv wie möglich voranzutreiben“, erklärte Hiesinger. Dies betreffe zum Beispiel die Verwendung von Technologieplattformen bei Automatisierung, Antrieben und Software über das gesamte Siemens-Portfolio hinweg sowie den Einsatz effizienter Umwelttechnologien, mit denen der Industry-Sektor im Geschäftsjahr 2009 Umsätze von fast 12 Milliarden Euro tätigte.
Außerdem sollen auch die Potenziale des Service-Geschäfts, mit dem der Siemens-Industry-Sektor 2009 knapp ein Fünftel der Umsätze erzielte, stärker genutzt werden. Auf Grundlage seiner großen installierten Basis will Siemens in diesem Bereich deutlich zulegen und sich dabei insbesondere auf höherwertige Dienstleistungen fokussieren.
Der Siemens-Sektor Industry (Erlangen) ist der weltweit führende Anbieter von umweltfreundlicher Produktions-, Transport-, Gebäude- und Lichttechnik. Mit durchgängigen Automatisierungstechnologien und umfassenden Branchenlösungen steigert Siemens die Produktivität, Effizienz und Flexibilität seiner Kunden aus Industrie und Infrastruktur. Der Sektor besteht aus den sechs Divisionen Building Technologies, Drive Technologies, Industry Automation, Industry Solutions, Mobility und Osram. Mit weltweit rund 207 000 Mitarbeitern (30. September) erzielte Siemens Industry im Geschäftjahr 2009 einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro. http://www.siemens.com/industry
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