Zukunft der Rohstoffe – Fakten und Prognosen
Wertvolle Rohstoffe haben ihren Preis
Rohstoffe sind Grundsubstanzen, die unverarbeitet in den Produktionsprozess eingehen. Neben Agrarrohstoffen auf pflanzlicher und tierischer Basis gibt es die Industrierohstoffe. Hierzu zählen Erdöl oder Erdgas, Metallrohstoffe wie Kupfer oder Eisen, chemische Rohstoffe wie Erze aller Art und Baurohstoffe wie Sand oder Kies.
Dabei muss man zwischen Reserven und Ressourcen unterscheiden: Unter Reserven versteht man Rohstoffe, die bereits mit großer Genauigkeit erfasst wurden und mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten wirtschaftlich gewonnen werden können. Dagegen sind Ressourcen entweder geologisch noch nicht genau erfasst oder zwar bereits nachgewiesen, aber derzeit nicht wirtschaftlich zu gewinnen. Eine Studie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung von 2005 kommt zu dem Ergebnis, dass die Reserven vieler Rohstoffe im Lauf der Zeit durch technologischen Fortschritt, kontinuierliche Explorationstätigkeiten und auch erhöhte Recyclingquoten eher zu- als abgenommen haben.
Dem weltweiten jährlichen Ölverbrauch von etwa 30 Milliarden Barrel stehen 1,1 Billionen Barrel bekannter Ölreserven gegenüber. Gemäß dem IAGS (Institute for the Analysis of Global Security) ist der Großteil dieser Reserven (66 %) in den Händen des Nahen Ostens, allen voran Saudi Arabien (23 %). An zweiter und dritter Stelle folgen Kanada (15,8 %) und Venezuela (7 %). Nach dem Rekordhoch von 147 US-$ pro Barrel Mitte Juli 2008 ist der Ölpreis inzwischen wieder um etwa 25 $ gesunken – und über die weitere Entwicklung gehen die Meinungen der Experten auseinander. Für hohe Ölpreise gibt es diverse Gründe: eine steigende Nachfrage vor allem in China und den USA, zunehmende Spekulationsgeschäfte, drohende politische Konflikte sowie eine Verknappung des Angebots durch die OPEC-Mitglieder. OPEC-Präsident Chakib Khelil erwartet einen langfristigen Ölpreis von 78 $, vorausgesetzt dass der Dollar wieder an Stärke gewinnt und sich die politische Situation im Iran verbessert. Der Leiter Investment Strategy der SEB Bank Klaus Schrüfer sieht die Preise in 2009 knapp über 100 $ pendeln, während das französische Ölinstitut IFP bis 2015 Preise von 200 $ pro Barrel erwartet. "Denn die Lage auf den Ölmärkten ist grundsätzlich angespannt, mit einem Angebot, das Schwierigkeiten hat, der Nachfrage zu folgen", erläutert IFP-Chef Olivier Appert.
Auch die Nachfrage nach Gas wird weiter steigen. Deutschland ist mit einem Anteil von 18 % am europäischen Gasverbrauch derzeit der zweitgrößte Markt in Europa nach Großbritannien mit 20 %. In einer Analyse von Prognos und dem Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln aus dem Jahr 2005 wird ein Verbrauchsanstieg in Europa von 480 Mrd. m³ in 2003 auf 640 Mrd. m³ in 2020 prognostiziert. Weltweit dürfte der Erdgasverbrauch nach Angaben der Internationalen Energieagentur jährlich um 1,5 % wachsen und 2030 etwa 4 055 Mrd. m³ erreichen. Knapp 36 % der weltweiten Erdgasreserven liegen in Russland. Erst mit einem größeren Abstand folgen Iran und Qatar mit jeweils etwa 20 %. Die Weltmarktpreise für Erdgas nähern sich der Entwicklung der Ölpreise an, wenn auch in zeitlichem Abstand. Ende Juli 2008 erreichte der Preis für Erdgas über 9 000 US-$ je Tonne, nachdem er 2007 teilweise noch 5 000 $ betragen hatte.
Noch dramatischere Preissteigerungen als bei Öl und Gas gibt es bei den Metallrohstoffen. Kupfer wird überwiegend aus Eisensulfiderzen gefördert, in denen es zusammen mit Metallen wie Zink, Silber oder Nickel vorkommt. Wegen seiner guten elektrischen Leitfähigkeit und Korrosionsbeständigkeit wird Kupfer vor allem bei Kabeln in der Elektrotechnik, oder auch bei Rohren für das Bauwesen oder den Apparatebau verwendet. 2005 entfielen mit 3,67 Mio. t knapp 22 % des weltweiten Verbrauchs auf China, gefolgt von den USA (13,3%) und Japan (7,1%). Bis 2025 wird von den BGR-Marktexperten ein weltweiter Kupferverbrauch von 28,5 Mio. t pro Jahr prognostiziert (gegenüber 16,5 in 2004), woran China einen Anteil von 40 % haben könnte. Die hohe Kupfernachfrage ist vor allem auf das schnelle Wirtschaftswachstum im asiatischen Raum zurückzuführen: Chinas Kupferverbrauch zum Beispiel wächst zweistellig. Der Preis für Kupfer hat sich von knapp 2 000 US-$ in 2003 auf 8 940 $ je Tonne im Juli 2008 mehr als vervierfacht. Nach Meinung der Analysten von Commerzbank Corporates & Markets wird sich die Angebotssituation allerdings normalisieren und der Preis wieder unter 8 000 $/t fallen. Ein Grund hierfür ist beispielsweise eine 5-Mrd.-Dollar-Investition in Chile, um bis 2014 die Abbaukapazitäten des Landes auf 800 000 t Kupfer mehr als zu verdreifachen. Chiles Anteil an den globalen Kupferreserven beträgt über 30 %, gefolgt von den USA und Indonesien mit jeweils 7 %.
Eisen in Form von Stahl ist der mit Abstand wichtigste metallische Werkstoff. In der EU ging im Jahr 2005 mit 55 Mio. t etwa ein Drittel der europäischen Stahlnachfrage auf das Bauwesen zurück, gefolgt von der Automobilindustrie und dem Maschinenbau. Weltweit entfielen laut einer Analyse der BGR knapp 28 % des weltweiten Stahlbedarfs von etwa 1,1 Mrd. t im Jahr 2004 auf China mit 302 Mio. t, gefolgt von den USA (11,4%) und Japan (7,4%). Bis 2025 wird allein China gut 1,4 Mrd. t Rohstahl pro Jahr verbrauchen – viermal mehr als heute. Nach Berechnungen des US Geological Survey von 2006 reichen die bekannten Reserven von 160 Mrd. t beim gegenwärtigen Verbrauch noch mehr als 120 Jahre.
Aluminium wird wegen seines geringen spezifischen Gewichts in der Verpackungsindustrie, aber auch vor allem bei der Autoproduktion eingesetzt. Weltweit entfallen 26 % des Verbrauchs auf diesen Bereich. Andere Einsatzgebiete sind Gebäude oder Hochspannungsleitungen. Nach Berechnungen der Weltbank lag der weltweite Verbrauch an Primäraluminium 2005 bei 32 Mio. t. Allein Chinas Primäraluminiumbedarf hat sich von 2001 bis 2005 mehr als verdoppelt und die USA von der Spitze der Verbrauchsländer verdrängt. Weltweit wird sich die Nachfrage bis 2025 auf bis zu 47 Mio. t erhöhen.
Sylvia Trage