Nachhaltige Gebäudetechnik – Fakten und Prognosen
Gebäude sollen weltweit effizienter warden
Fast 40 % des weltweiten Energieverbrauchs entfallen auf Gebäude. Doch laut der Deutschen Energieagentur (dena) sind Einsparpotenziale von 30 % beim Wärmeverbrauch sowie von 15 % beim Stromverbrauch durchaus realisierbar. Eine Studie des Umweltbundesamts hat sogar errechnet, dass sich bei Altbauten durch eine grundlegende Sanierung sowie die Isolierung von Wänden und Kellerdecken und den Einbau von Wärmeschutzfenstern 56 % Heizenergie sparen lassen (siehe Pictures of the Future, Frühjahr 2007, Effizienz?Weltmeister).
Der Weltmarkt für Heizungs-, Lüftungs- und Klima-Produkte wird nach Angaben des Bundesministeriums für Um- welt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) auf etwa 80 Mrd. € geschätzt und wächst mit 5 % jährlich. Zukünftige Verbesserungen liegen hier vor allem in der Optimierung bestehender Techniken, wie neuartige Kühlflüssigkeiten sowie eine bessere Steuerungs- und Prozesstechnik, etwa durch Sensoren. Die Nachfrage nach effizienter Gebäudetechnik wächst vor allem durch steigende gesetzliche Anforderungen und Kampagnen für Energieeffizienz. Etwa in China: Von 40 Mrd. m² Wohn- und Nutzfläche entfallen 16 Milliarden auf zivile Gebäude im städtischen Raum. Bis 2010 will die Regierung etwa 400 Mrd. US-$ in die Energieeffizienz von Gebäuden investieren und durch die Erfassung der Effizienz sicherstellen, dass nur energieeffiziente Baupläne umgesetzt werden. Ein wichtiger Schritt, denn die Bauausgaben in China werden nach einer aktuellen Prognose von Freedonia bis 2012 jährlich um 9,2 % steigen. "Durch die Einführung neuer Standards bezüglich des Energieverbrauchs von Neubauten konnten allein 2007 zwischen Januar und Oktober 5 Mio, t Kohle eingespart werden", betont Xie-Zhen Hua, stellvertretender Direktor der "National Development and Reform Commission".
In den USA gewinnt Energieeffizienz vor allem bei öffentlichen Gebäuden an Bedeutung, auch wenn derzeit nach einer Studie von McGraw Hill Construction von 2007 der Anteil an "grünen Gebäuden" in den USA mit 0,3 % am Wohnbaubestand noch sehr gering ist. Die jährlichen Steigerungsraten von 20 bis 30 % sind allerdings beträchtlich. Bis Ende 2007 haben 4 100 Gebäude und Fabriken das Label für Energieeffizienz, den "Energy Star", erworben, wobei allein in 2007 etwa 1 400 Gebäude hinzukamen. In Kalifornien beschloss die Kommission für Bauordnung Ende Juli 2008 eine Verordnung: Der "California Green Building Standards Code" enthält Richtlinien mit dem Ziel, den Energieverbrauch von Gebäuden um 15 % unter die Werte zu drücken, die durch die derzeit gültigen verbindlichen Energieeffizienzstandards erreicht werden. Die Verordnung soll ab 2010 zunächst für Wohngebäude obligatorisch sein.
Auf europäischer Ebene gibt es verschiedene Initiativen, etwa das Motto "20-20-20 bis 2020". Dies bedeutet, dass bis dahin gegenüber 1990 die Treibhausgasemissionen um 20 % reduziert, der Gesamtanteil an erneuerbaren Energien auf 20 % steigen und die Energieeffizienz um 20 % erhöht werden sollen. Eine andere europäische Initiative ist das seit 2005 existierende freiwillige GreenBuilding-Programm. Ziel ist es, die Energieeffizienz von Nichtwohngebäuden wie Büros, Schulen oder Gewerbehallen zu verbessern. Die Eigentümer sollen bei der Modernisierung beraten und unterstützt werden (siehe Interview Bertoldi).
Im Rahmen von Energiespar-Contracting können sich die Gebäudeinvestitionen auch selbst refinanzieren: Aus den vertraglich garantierten Einsparungen innerhalb einer definierten Laufzeit. Nach Angaben der Berliner Energieagentur lassen sich hierdurch die Energiekosten und CO2-Emissionen im Durchschnitt um bis zu 30 % reduzieren. "Deutschlandweit können durch Contracting Energiekosten in Höhe von 800 Mio. € und 4,5 Mio. t CO2-Emissionen jährlich vermieden werden", erläutert Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur. Bis 2010 erwartet die Agentur ein Contracting-Marktvolumen von bis zu 4 Mrd. € pro Jahr. Contracting-Anbietern wie Siemens wird ein großes Wachstumspotenzial prognostiziert, da bisher erst etwa 10 % des Markts erschlossen sind.
Sylvia Trage